Der Friedhof in Wermerichshausen soll grüner werden. Die große Mehrheit der Bürger, jedenfalls derjenigen, die am Samstag zum Ortstermin erschienen waren, ist mit den Plänen von Friedhofsreferent Klaus Schebler (neue Wege) und Dieter Büttner, dem Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege einverstanden. "Wir wollen etwas mehr begrünen, aber da sehen manche gleich wieder rot", hatte Schebler zu Beginn des Treffens noch befürchtet. Vorgesehen ist, dass einige Flächen des Friedhofes neu bepflanzt werden, außerdem soll er mehrere nicht zu hohe Bäume vor allem in den Ecken bekommen.

Insgesamt konnte Ortssprecherin Ulla Müller (CSU) rund drei Dutzend Bürgerinnen und Bürger, die sich auch von dem schlechten Wetter nicht abhalten ließen, zum Ortstermin auf dem Friedhof direkt neben der Kirche begrüßen. Klaus Schebler ging anfangs auf die Veränderungen der Friedhofskultur in den letzten Jahrzehnten ein: "Die Urnenbestattungen nehmen dramatisch zu. In Münnerstadt selbst sind es schon über 50 Prozent." Schon deshalb würden die Gräber und die benötigten Friedhofsflächen kleiner. Vielfach lebten diejenigen, die sich um die Pflege des Grabes ihre Angehörigen kümmern sollten, weit weg. Jemand mit der Pflege zu beauftragen, sei ihnen jedoch zu teuer. Deshalb sei die Beerdigung einer Urne auf einer Grasfläche oder unter einem Baum auf dem Friedhof eine Alternative. "Wir haben schon viele normale Urnengräber, wir wollen aber auch andere Formen vorhalten", betonte er und "einen externen Friedwald brauchen wir nicht, wenn wir das alles bieten können." Eines soll es allerdings nicht geben, sagte Schebler: "Bestimmte Plätze unter einem Baum werden nicht vorab reserviert". Dieser Wunsch sei in Münnerstadt schon mehrfach an die Friedhofs-Verantwortlichen herangetragen, aber stets abgelehnt worden.

Ganz konkret wurde Dieter Büttner, der vorab betonte "wir müssen heutzutage die Menschen mitnehmen, es geht nicht mehr über ihre Köpfe hinweg. Ausschlaggebend für das Vorhaben, auf dem Friedhof von Wermerichshausen etwas zu ändern, sei der Bundes-Wettbewerb "unser Dorf hat Zukunft" gewesen. Der Stadtteil schnitt letztes Jahr auf Kreisebene mit 74 von 100 möglichen Punkten sehr gut ab und qualifizierte sich damit für die Bezirksebene in diesem Jahr. Leiter der Jury war seinerzeit Dieter Büttner. Er erwähnte, dass die Jury sich etwas mehr Grün in dem 850 Quadratmeter großen Friedhof mit seiner uralten Mauer gewünscht hätte. Ein Friedhof sei ein sehr sensibler Bereich, deshalb solle es keine dominanten Bäume wie zum Beispiel Walnuss geben. Er stellt sich vier kleinkronige Bäume in den vier Ecken der Anlage vor. "Ich habe ursprünglich über mehr nachgedacht", sagte er. Unter drei der vier Bäume könnten Urnen Platz finden. Der Baum in der Nordwest-Ecke wird davon freigehalten, damit die Fronleichnams-Prozession nicht über die Urnen führen muss.

"In 20 Jahren gibt es noch mehr Leerstellen auf dem Friedhof, dann kann man die Planung weiterführen", sagte Büttner. "Ein Friedhof wird immer mehr zur Parkanlage", ergänzte Klaus Schebler. Er beruhigte diejenigen, die sich Sorgen wegen der Wurzeln machen, die die Gräber beschädigen könnten. Die Bäume würden in große Pflanzringe eingepflanzt, die das Wurzelwachstum begrenzen. "Das Laub ist ein erhöhter Arbeitsaufwand, das stimmt. Aber es symbolisiert das Leben und das Sterben", meinte er. Gerade in heißen Sommern, die es in Zukunft immer mehr gebe, würden Bäume bei Beerdigungen Schatten vor allem für Ältere bieten, so Schebler.

Da allerdings widersprach Klaus Büttner und wies darauf hin, dass die vorgesehenen kleinen Bäume höchstens einen Schatten-Platz für eine Person hätten. Als die Bürger schließlich aufgefordert wurden, über die vier Bäume in den Ecken des Friedhofes abzustimmen, gingen die meisten Hände nach oben. Auch ein fünfter Baum in Friedhofsmitte fand Zustimmung. Einige Büsche wie Hibiskus oder Zwergflieder sollen ebenfalls dazu beitragen, mehr Grün auf den Friedhof zu bringen. Klaus Schebler schnitt das Thema "Pflege der städtischen Friedhöfe" an. Er sprach sich dagegen aus, die Arbeiten an eine Firma zu vergeben. Stattdessen sollten zwei Gärtner im Bauhof angestellt werden, die sich darum kümmern. Der Friedhofsreferent wies auch darauf hin, dass es noch keine Satzung für Bestattungen unter Bäumen gebe und versprach "wir wollen jedem seinen Wunsch erfüllen, wie er bestattet werden will". Mit den Arbeiten auf dem Friedhof in Wermerichshausen soll nicht irgendwann, sondern schon in den nächsten Monaten begonnen werden. Die Materialkosten liegen unter 10 000 Euro, hieß es.