Bald werden die Stadtbücherei und die Verwaltungsstellen des Rathauses im Gebäude am Stenayer Platz auch für Gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer besser erreichbar sein. Die Stadt wird einen Aufzug einbauen. Der Baubeginn ist für den Herbst vorgesehen.
Schon seit vielen Jahren wird der Wunsch geäußert, das Verwaltungsgebäude am Stenayer Platz müsse barrierefrei erreichbar sein. Die Stadt hat nun das Glück, dass sie mit diesem Projekt in das Kommunale Investitionsprogramm des Freistaates aufgenommen worden ist. Immer wieder wegen der schwierigen Finanzierbarkeit auf die lange Bank geschoben, kann jetzt der Umbau begonnen werden, weil der Freistaat rund 90 Prozent der Kosten übernimmt. Der barrierefreie Ausbau des Verwaltungsgebäudes am Stenayer Platz soll 370 000 Euro kosten. 333 000 Euro beträgt der Zuschuss.


Lob von Seniorenbeirätin

Ganz entscheidend zur Barrierefreiheit trägt ein Aufzug bei, der an den rückwärtigen Teil des Verwaltungsgebäudes (Klosterhof) angehängt wird. Die Ausschreibungen sind bereits gelaufen. Die Vergabe steht nach Angaben von Bürgermeister Helmut Blank an. Ausgeführt werden soll der Aufzug in einer Stahl/Glas-Konstruktion. Als Baubeginn gibt Blank den 1. Oktober an. Die Alte Aula soll ab November deshalb nicht mehr belegt werden. "Die Fertigstellung zum Neujahrsempfang ist ein sportliches Ziel", meint Blank. Er hätte gerne, dass dann alles fertig ist.
"Ich bin wahnsinnig froh", sagt Gudrun Schuster. Die frühere Stadträtin und städtische Seniorenreferentin hatte nach eigenen Angaben bereits in den 1990er Jahren darauf gedrungen, das das Gebäude barrierefrei wird. Heute ist sie noch Mitglied im Seniorenbeirat der Stadt. Zum Umbau meinst sie: "Es ist wieder ein Schritt vorwärts".
Neben dem Einbau eines Aufzugs werden auch die Toilettenanlagen im Gebäude am Stenayer Platz behindertengerecht ausgebaut, ebenso alle Zugänge zu den Verwaltungsräumen, zur alten Aula und zur Stadtbücherei. Im Klosterhof soll auf städtischem Grund zudem ein Behindertenparkplatz direkt am Aufzug ausgewiesen werden.


Umbauten ab September

Mit den Umbauten kann dann auch die Alte Aula von Rollstuhlfahrern genutzt werden - bisher ein großes Manko bei öffentlichen Veranstaltungen. Für die private Nutzung der Aula ist das ebenfalls ein Plus. Allerdings wird sich dadurch die Nutzung kaum erhöhen. Die Auslastung sei bereits jetzt an einer Obergrenze, erklärt Helmut Blank.
Ein weiterer Weg zu mehr Barrierefreiheit in der Stadt ist der Umbau der Toilettenanlage im Deutschordensschloss. Diese Arbeiten werden im Rahmen des Kommunalen Investitionsprogrammes ebenfalls hoch bezuschusst. Die Kosten belaufen sich auf 110 000 Euro; 99 000 Euro beträgt der Zuschuss. Derzeit sind die Toiletten im Schloss nur über eine Treppe erreichbar. Behindertenfreundliche Toiletten würden immer wieder nachgefragt, so Kultourismus-Leiterin Inge Bulheller.
Geplant ist eine Hebe-Einrichtung für Gehbehinderte. Kosten: 24 000 Euro. Wie diese genau angebracht wird, muss noch in einem Ortstermin mit dem Vertreter des Landesdenkmalamtes besprochen werden. Als Baubeginn nennt Blank den 15. September. Für die Dauer der Umbauarbeiten wird ein Toilettenwagen aufgestellt.


Wickelmöglichkeit kommt

Die Umgestaltung der Sanitäranlagen hält Blank für sehr wichtig. "Die Toiletten im Schloss werden sehr stark frequentiert". Ähnlich wichtig wie der barrierefreie Zugang zu den Sanitärräumen ist nach Meinung der Kultourismusmitarbeiterinnen Inge Buhlheller und Nadine Bötsch aber auch eine Wickelmöglichkeit für Kleinkinder. "Die gibt es in der ganzen Stadt nicht", sagt Nadine Bötsch. Die beiden Frauen wissen, dass gerade bei Trauungen im Schloss regelmäßig eine Wickelmöglichkeit gesucht wird. Bislang müsse man improvisieren. Im Zuge des Umbaus wolle Architekt Andreas Halboth einen Wickelplatz in die neue Behindertentoilette integrieren, so Inge Bulheller.
Außerdem wird ein direkter Zugang vom Café "Komturei" zu den Toiletten geschaffen. Bislang muss man für dringende Geschäfte den Weg über den Hof wählen. Die direkte Verbindung wird allerdings nicht barrierefrei sein, da der Zugang im hinteren Teil des Cafés liegt, der nur über eine Treppenstufe erreichbar ist.
Ein barrierefreier Zugang zum Hennebergmuseum bleibt weiterhin unerfüllt. Auch dieser werde häufig nachgefragt, so Inge Bulheller. Der klassische Museumsbesucher gehört der älteren Generation an. Es gibt immer wieder Besucher, die auf den Museumsbesuch verzichten müssen, weil sie die Treppe nicht gehen können.


Zufrieden mit dem Ergebnis

Auch für dieses Projekt hatte die Stadt einen Zuschussantrag gestellt. Dieser wurde nicht berücksichtigt. Es ging um die seit vielen Jahren diskutierte Brückenverbindung direkt vom Kirchplatz in den ersten Stock des Deutschordensschloss. Bürgermeister Helmut Blank sieht es gelassen. "Wir haben das bekommen, was wir wollten". Dass die städtischen Projekte so hoch bezuschusst werden, liegt nach Ansicht Blanks daran, dass man in die Barrierefreiheit investieren wolle. Außerdem spiele eine Rolle, dass die Stadt ihre Haushaltskonsolidierung glaubhaft vorantreibe, ergänzt Blank.
Das Problem des Museumszugangs könne man vielleicht über einen Treppenlift im Innenbereich provisorisch lösen, meint Inge Bulheller. Darüber müsse aber erst noch gesprochen werden.