Soll ich Fluglotse, Wirtschaftsprüferin, Vermögensberater, Lehrerin, Rechtspfleger oder Ärztin werden, oder soll ich zur Polizei gehen? Rund 60 junge Damen und Herren der Jahrgangsstufe Q11, die im kommenden Jahr am hiesigen Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium ihr Abitur machen werden, stehen vor der oft nicht ganz leichten Entscheidung, welchen Berufsweg sie danach einschlagen wollen.

Davon hängt ab, welches Studium sie absolvieren oder welche Ausbildung in einem Betrieb sie durchlaufen müssen. Viele, offenbar sogar die meisten, sind noch unentschlossen. Beim Berufsinfotag 2022 im Gymnasium hatten sie am Samstag die Möglichkeit, sich aus erster Hand über eine große Bandbreite von Berufen und Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren. Voriges Jahr konnte diese Informationsveranstaltung wegen der Corona-Pandemie nur virtuell durchgeführt werden, dieses Jahr war wieder ein persönlicher Kontakt in den Räumen der Schule möglich.

Zahlreiche Expertinnen und Experten

Neben den Schülerinnen und Schülern konnte der Schulleiter Peter Rottmann als Referenten für die einzelnen Berufe gut drei Dutzend vorwiegend jüngere Expertinnen und Experten willkommen heißen. Dazu kam von der Universität Würzburg und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt ein Dutzend "Studienbotschafter", also Studentinnen und Studenten, die hautnah über ihre eigenen Studiengänge wie Pädagogik, Political and Social Studies, Biologie, Architektur, Betriebswirtschaft oder E-Commerce und Wirtschaftsinformatik und über ihre Erfahrungen Auskunft geben konnten. Für einen guten Teil von ihnen war das Schönborn-Gymnasium ein Stück Heimat, denn hier hatten sie viele Jahre ihrer Schulzeit verbracht und am Schluss das Abitur abgelegt. Das galt nicht nur für diese "Studienbotschafter", sondern auch für die Mehrzahl der Referenten, von denen ebenfalls viele am hiesigen Gymnasium vor mehr oder weniger vielen Jahren ihr Abitur bestanden hatten oder noch in Ausbildung oder in einem Studium waren. Peter Rottmann erwähnte ausdrücklich, dass viele Referenten bei den Berufsinformationstagen des Gymnasiums schon Stammgäste sind und seit vielen Jahren kommen.

Duales Studium immer beliebter

Die 60 Schülerinnen und Schüler konnten sich vorher jeweils an drei Ständen anmelden und damit über drei Berufsfelder informieren. Aber meist reichte die Zeit auch noch, um weitere Informationen einzuholen. Paul Altenhöfer zum Beispiel hatte im Jahr 1975 hier das Abitur gemacht. Er berichtete über seine frühere Tätigkeit als Berufsoffizier und als Hubschrauberpilot bei der Bundeswehr. Andreas Petsch informierte über das Studium der Agrarwissenschaften, Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin Katrin Johannes-Richter gab Tipps für ihren Beruf. Die Bad Kissinger Polizei war mit Einstellungsberaterinnen Bianca Rittelmeier vertreten. Wer lieber zur Bundespolizei gehen möchte, der konnte sich von Ramona Wolf beraten lassen. Auffallend: Das duale Studium in einem Betrieb und in einer überbetrieblichen Ausbildungsstätte wird immer beliebter.

Was soll ich werden? - Diese Redaktion hörte sich bei vielen Schülerinnen und Schülern um. Ergebnis: Die meisten von ihnen sind sich noch nicht sicher, welchen beruflichen Weg sie nach dem Abitur, das sie im kommenden Jahr ablegen, einschlagen wollen. Aus einer Gruppe von fünf jungen Damen gab eine an "Grundschullehrerin oder etwas Soziales", die anderen übereinstimmend "nein, noch keine Ahnung". Zwei junge Herren wissen es genauer. Der eine will Sportwissenschaften studieren, der andere "was mit Design machen, aber noch nicht klar, in welche Richtung. Nicht alle streben an die Fachhochschule oder Universität. Ein junger Mann erklärte "ich will was Handwerkliches, Praktisches machen, vielleicht auch Notfallsanitäter". Über letzteren Beruf konnte er sich an einem Stand genau informieren.

Dass Abiturienten und Abiturienten am Schluss ihrer Schulzeit noch nicht genau wissen, welchen beruflichen Weg sie gehen sollen, ist nichts Neues. Auch dem heutigen Direktor ging es so. Peter Rottmann hat sein Abitur im Jahr 1985 am Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium gemacht. Er erzählte, dass es damals keine Informationen oder Berufsberatung für die Abiturienten gab. Auch er wusste nicht, welchen beruflichen Weg er nach dem Abitur einschlagen sollte. Geprägt durch seine Lehrer Anna Johanna Guhling und Gerd Müller, wusste er aber schon, was er studieren wollte. Eine Weile liebäugelte er auch mit dem Journalismus, entschied sich während des Studiums dann aber für den Lehrerberuf und hat es offenbar nicht bereut. Über einige Umwege kam er dann 2019 als Chef an seine alte Schule zurück.