"Wissen sie überhaupt, welche Schätze Sie an Kulturgut und Baulichkeiten hier im Landkreis haben?" Patricia Vasapollo von der Redaktionsleitung Kinderprogramm des Hessischen Rundfunks plaudert beim Dreh von "Siebenschön" im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen aus dem Nähkästchen. "Am liebsten hätten wir einen Großteil hier gedreht, vor allem die Hochzeitsszene in der Kirchenburg von Ostheim." Allerdings hätte man dafür eine große Anzahl an Statisten benötigt, und das sei nicht machbar gewesen. Die Kirche wäre einfach ideal dafür gewesen, sowohl vom Ambiente als auch von der Kameraführung. "Wir hätten ein ganzes Dorf voller Menschen dorthin bringen und die Zeremonien feiern können", sagt Vasapollo.

Fünfmal die gleiche Szene

Es ist sehr interessant, einmal bei Dreharbeiten dabei zu sein. Siebenschön, alias Xenia Assenza, muss so manche Szene bis zu fünfmal hintereinander durchspielen. Da gibt es zunächst die Kameraprobe, dann heißt es: Alles auf standby, Klappe, Ton ab, Kamera ab, Ruhe bitte - und dann der "Startschuss" für die Schauspieler. Regisseur Carsten Fiebeler ist am Set und per Bildschirm direkt mit der Kamera verbunden. Er sieht die Einstellung so, wie der Kameramann sie sieht.
Plötzlich ist das Mikrofon im Bild oder Tontechniker hören das Klicken eines Fotoapparates. "Bitte alle um Ruhe, wir drehen!" Mucksmäuschenstill wird es dann, und man hört sogar das Summen der Bienen. "Bitte", sagt Carsten Fiebeler, und Siebenschön läuft auf der Wiese los. Die Kamera hat den Blick auf die Ölschlagmühle mit dem sich drehenden Mühlenrad. Von dort kommt dichter Qualm. Entsetzt rennt Siebenschön los, denn sie erkennt, dass ihr Elternhaus brennt. Auf der Wiese kommt ihr Kurt entgegen, und man hört ihn sagen: "Bleib hier (...) es ist nichts mehr zu retten (...) alles ist verbrannt (...) , alle waren auf dem Feld und konnten nicht helfen." Siebenschön reißt sich los und bricht vor den Trümmern des Hauses zusammen. Dort sind ihre Eltern ums Leben gekommen.
Gefragt war bei diesem Dreh vor allem das Team, das an langen Stangen aufgeschweißte Pfannen umherschwenkte, mit denen der Rauch erzeugt wurde. Plötzlich dreht der Wind. Der Rauch verzieht sich von der Mühle. Schnell handeln heißt es dann. Das galt auch, als das Team, das bisher im Schatten gedreht hatte, Probleme mit der Sonne bekam. "Wir warten auf die nächste Wolke", weist der Regisseur ab. "Achtung, Wolke kommt, alles auf die Plätze. Wo ist der Rauch - und bitte ..." Es wird versucht, schnell abzudrehen. Dann aber kommt erneut die Sonne durch. Es wird wieder abgebrochen und ein großes Tuch aufgespannt, damit die Szene im Schatten gedreht werden kann.
"Du warst schon mehr außer Atem, bitte lauf einen längeren Weg", eine Anweisung von Carsten Fiebeler, die Siebenschön gilt. Also läuft sie bis zur Mühle zurück. Dann wieder: "Bitte Ruhe, wir drehen." Endlich ist alles "im Kasten", und man nähert sich langsam der Brandstelle.
Dort ist die Feuerwehr aus Fladungen dabei, ein wenig zu zündeln. Balken werden angebrannt, auf dem Boden Stroh ausgebreitet und angezündet. Schließlich soll alles so aussehen, als ob die letzten Flammen noch züngeln.
Die Dorfbewohner sind am kleinen See und holen mit den Eimern Wasser, um zu retten, was zu retten ist. Siebenschön kommt zum Haus und bricht weinend zusammen. Szenen, die im Film in wenigen Sekunden abgehandelt sind. Der Dreh allerdings dauerte mehr als zwei Stunden. Für das Filmteam und die Schauspieler eine Selbstverständlichkeit. Schließlich müsse alles genau passen, sagen sie. Ausgestrahlt wird der Film an den Weihnachtstagen in der ARD.