Wenn die Stromtrasse SuedLink einmal gebaut wird, werden Schwertransporter die großen Kabeltrommeln an die Baustelle bringen. Tennet und Transnet BW ermitteln gerade, welche Zufahrtswege überhaupt geeignet sind. Die Stadt Münnerstadt ist dazu angehalten, ihre Fachkenntnis einzubringen und zu schauen, welche Straßen sich auf ihrem Gemeindegebiet für den Transport anbieten. Darüber informierte der Bürgerrreferent der SuedLink-Projektkommunikation, Christopher Göpfert von Transnet BW, in einer Stadtratssitzung.

"Wir müssen uns frühzeitig Gedanken machen, wie wir an die Baustellen kommen", betonte Göpfert in der Stadtratssitzung. Bei den Schwertransportern handelt es sich um überlange Fahrzeuge. Die Logistik wird immer dort schwierig, wo das Fahrzeug die Autobahn verlässt und auf schmale Ortsstraßen oder gar Flurbereinigungswege fahren muss, um an die Baustelle zu gelangen. Alleine im Trassenverlauf bei Münnerstadt sind auf der Karte zahlreiche Konfliktpunkte eingezeichnet, wo mögliche Zufahrtswege derzeit noch zu schmal für die Fahrzeuge sind, die eine Gesamtlänge bis zu 42 Metern haben können.

Auf Anfrage von Stadtrat Klaus Schebler bestätigte Christopher Göpfert, dass es für alle Straßen und Wege, die genutzt werden, im Vorfeld ein Beweissicherungsverfahren gibt. Der SuedLink-Vertreter bestätigte, dass die Lasten so groß sein werden, dass mit Straßenschäden gerechnet werden muss. "Wo nötig, werden die Straßen mindestens in ihren Ursprungszustand zurückversetzt", betonte er. Für die Stadt Münnerstadt kann dies einen ganz praktischen Vorteil haben, wurde in der Sitzung deutlich. Es könnte sein, dass sanierungsbedürftige Ortsstraßen als Transportweg geeignet sind. Die würden nach Ende der Arbeiten auf Kosten des Trassenbauers wieder hergerichtet. Wenn solche Straßen benutzt werden, sollte man sie vorher besser nicht sanieren, war auch der Rat von Christopher Göpfert. Die Stadt hat bis zum Jahresende Zeit, mögliche Zufahrtswege zu prüfen und zu melden.

Informationen gab es im Stadtrat auch über den künftigen Trassenverlauf. Dieser orientiert sich am Verlauf der A 71, so der Referent.Im Bereich Münnerstadt verläuft diese östlich der Autobahn. Innerhalb dieses vorgezeichneten Korridors werden derzeit noch Alternativvorschläge geprüft; diese abweichenden Bereiche sind beispielsweise Alternativvorschläge, die im Zuge des Anhörungsverfahrens geäußert wurden.

Ebenso wird geprüft, wie die Kabel im Raum Münnerstadt verlegt werden. Üblich ist eine offene Form, bei der ein Kabelgraben geöffnet wird, in dem die Leitungen verlegt werden. Danach wird der Graben wieder verfüllt. Denkbar ist in sensiblen Gebieten aber auch eine geschlossene Bauweise, für die nur zwei Schächte am Anfang und Ende nötig sind, um ein Kabel in die Erde zu bringen. Dazu bieten sich verschiedene technische Verfahren an. Geprüft wird diese Möglichkeit für ein Waldstück im Bereich der Gemarkung "Aspich" zwischen Münnerstadt und Althausen. Ist die grabenlose Bauweise technisch machbar, wären dort keine Rodungen nötig. Ansonsten müsste ein rund 40 Meter breiter Waldstreifen für die Verlegungsarbeiten abgeholzt werden. Die bis zu 16 Meter breite Schutzzone, unter der die Kabelstränge verlaufen, dürfte bei einer offenen Bauweise dauerhaft gar nicht mehr aufgeforstet werden, informierte Christiopher Göpfert. Eine weiterer, für eine geschlossene Bauweise vorgeschlagener Abschnitt liegt im Hangbereich zwischen Autobahn und Burdiansmühle. Weil hier wertvolle Magerrasenflächen existieren, soll nach Vorstellungen des Naturschutztes dort grabenlos gebaut werden. Auch das wird nach Angaben von Christopher Göpfert gerade geprüft.

Wann mit einem Baubeginn zu rechnen ist, darüber machte Christopher Göpfert keine Angaben. Die Entscheidung darüber liegt nicht bei Tennet/Transnet BW, sondern bei der Bundesnetzagentur. Mit Baustellen typischem Lärm sei zu rechnen, beantwortete der Referent die Nachfrage von Stadtrat Matthias Kleren, der sich um die Lärmentwicklung während der Bauphase sorgte, weil zwischen Trassenverlauf und Bebauung teilweise nur rund 400 Meter lägen.

Rosina Eckert stellte die kritische Frage, ob nach einer so langen Planungsphase die Trasse überhaupt noch zeitgemäß ist. Dies bejahte Christopher Göpfert. "SuedLink ist in seiner Form das Modernste, was man sich vorstellen kann. Regionale Stromerzeugung sei sinnvoll, doch für die Versorgungssicherheit sei SuedLink ebenso nötig. "Wir müssen bestimmten Dingen einfach Glauben schenken", meinte dazu Bürgermeister Michael Kastl und ergänzte: "SuedLink ist politischer Wille".