Nach dem Fund einer Flugabwehrgranate in der Münnerstädter Lauer hat der 23-jährige nun womöglich einen Wolf im Münnerstädter Tal beobachtet. Während sich Nico Zelenko sicher ist, dass er tatsächlichen einen Wolf gesehen hat, hält ein Wolfexperte des NABU eine Bestätigung anhand der Spuren für nicht möglich.
Die Begegnung ereignete sich am frühen Abend kurz hinter der 1. Talbrücke. Dort gibt es einen Acker, der für den Münzsucher gute Ausbeute verspricht. Doch an diesem Tag war es ein Tier, das die Aufmerksamkeit des jungen Mannes auf sich zog. Der vermeintliche Wolf kam aus einem Waldstück, marschierte über die Felder, überquerte den Talweg, querte die Schienen. Danach verlor ihn Nico Zelenko aus dem Blick.
"Es war ein Wolf". Nico Zelenko ist sich sicher. Im ersten Moment hatte er noch an einen Hund gedacht, doch beim genaueren Hinsehen kam der junge Mann zur Überzeugung, es könne nur ein Wolf sein: Die Fellfarbe, der hochbeinige Gang, der Kopf. Alles sei typisch gewesen. Leider kann Nico Zelenko kein Foto aufweisen. Ausgerechnet an diesem Tag hing die Kamera zuhause am Ladekabel. Das Tier hat aber Spuren hinterlassen. Nico Zelenko hat kurz nach der Sichtung die Spuren vermessen. Im Internet gibt es dazu Hinweise, wie es geht.


Jagdpächter eingeschaltet

Gleichzeitig hat der junge Münnerstädter den Revierpächter, Stadtrat Hubert Holzheimer verständigt. Der sah sich ebenfalls die Fährte des Tieres an. Auch er legte ein Metermaß an, vermaß Größe der Pfotenabdrücke und die Art, wie sie sich im Boden wiederfanden, "Geschnürt" heißt der besondere Gang des Wolfes im Fachjargon. Größe und Schrittsiegel passen nach Ansicht des erfahrenen Jägers zu einem Wolf. Auch Holzheimer hatte sich zusätzlich in Fachzeitungen und im Internet kundig gemacht. Hundertprozentige Sicherheit aber gibt nicht, das weiß er. Dazu bräuchte es letztendlich das Foto einer Kamerafalle und das Fachurteil eines echten Experten.


Von Sichtungen gehört

Eine Wolfsbestimmung anhand der Spuren sei sehr schwierig, weiß der Bad Kissinger Tierarzt und Vorsitzende des Jägervereins Bad Kissingen, Dr. Helmut Fischer. Allerdings verwundert den Bad Kissinger die vermeintliche Wolfssichtung in Münnerstadt nicht. Er habe mittlerweile mehrfach von solchen Sichtungen im Landkreis gehört. Er geht davon aus, dass tatsächlich vereinzelt Wölfe die Wälder hier durchstreifen. Ein absolut vertrauenswürdiger Jagdkollege habe selbst ein Tier gesehen, sagt Fischer.
Helmut Fischer hofft, dass die Behörden angesichts solcher Meldungen darauf vorbereit sind, dass der Wolf irgendwann im Landkreis auch offiziell nachgewiesen wird. Er möchte nicht, dass die Wolfsthematik so aus dem Ruder laufe wie beim Biber. Eine Wolfspopulation im Landkreis hält er angesichts der klein strukturierten Räume und Siedlungsdichte für sehr problematisch und nennt beispielsweise die Probleme für die Weidewirtschaft, die sich hier etabliert hat.
Hubert Holzheimer geht davon aus, dass Nico Zelenko Durchwanderer gesehen hat, also einen Wolf, der auf der Suche nach einem eigenen Revier auch durchs Münnerstädter Tal gekommen ist.
Auch wenn Holzheimer es für wahrscheinlich hält, dass das Tier längst weitergezogen ist, so bittet er doch die Fußgänger, die mit Hunden im Tal unterwegs sind, um erhöhte Aufmerksamkeit. Die Hunde sollten auf jeden Fall angeleint bleiben.Das ist im übrigen ohnehin im Interesse des Jägers. Denn momentan ist überall Brutzeit. Freilaufende Hunde würden das Brutgeschäft erheblich stören. Deshalb sollten Hunde grundsätzlich an der Leine gehen, erklärt Hubert Holzheimer.


Nicht überprüfbarer Nachweis

Gesicherte Wolfssichtungen im Landkreis Bad Kissingen sind weder der Unteren Naturschutzbehörde noch dem Veterinäramt bekannt, teilt die Pressereferentin des Landratsamtes, Lena Pfister, auf Anfrage mit. Daher handle es sich wohl um Vermutungen, dass Wölfe die Region durchziehen. Allerdings könne das möglich sein, heißt es von Seiten des Landratsamtes. Eine Revierbildung im Landkreis sei eher unwahrscheinlich.
Lucas Ende vom Projektbüro "Wolf" des NABU-Bundesverbandes in der Lausitz erklärt auf Anfrage, dass es in Unterfranken, anders als in Oberfranken oder der Oberpfalz noch keine offiziellen Hinweise auf Wölfe gibt. Eher kritisch sieht er das Vermessen der Münnerstädter Spuren. Um eine Wolfsfährte von der eines Hundes klar zu unterscheiden, müsse diese unter anderem auf eine längere Strecke hin verfolgt werden..
Zur Einschätzung, ob es im Münnerstädter Revier tatsächlich eine Wolfssichtung gegeben hat, bedürfe es deshalb der Beurteilung einer offiziell ausgebildeten Person. Viele Feinheiten seien beim Vermessen zu beachten. "Es bleibt für mich ein C3 (nicht überprüfbarer) Nachweis", erklärt Lucas Ende.
In Deutschland sind offiziell nachgewiesen 47 Wolfs-Rudel, 15 Paare und vier territoriale Einzeltiere (Stand 2016). In 44 Rudeln wurde Reproduktion nachgewiesen; insgesamt wurden 172 Welpen bestätigt.

Infos Hinweise zu Wölfen finden sich im Internet unter anderem unter https://www.lfu.bayern.de/natur/wildtiermanagement_grosse_beutegreifer/wolf/monitoring/index.htm oder www.dbb-wolf.de.