Es ist eine für die Pfarrgemeinde mehr als erfreuliche Bilanz, die Stadtpfarrer P. Markus Reis und die Mitglieder des eigens dazu gebildeten Arbeitskreises zum Abschluss der "Fensterpatenaktion" zogen. In eineinhalb Jahren kamen für die Konservierung der historischen Buntglasfenster der Stadtpfarrkirche gut 70 000 Euro an Spendengeldern zusammen. Der Aufruf, Fensterpate für ein Segment der mittelalterlichen Verglasung zu werden, fand viele Unterstützer. Rund 400 Spender finden sich auf den dafür entworfenen Patentafeln.

"Die Spendenbereitschaft hat mich vom Hocker gerissen", betonte P. Markus bei einem Pressegespräch zum Abschluss der Aktion.Es sei deutlich besser gelaufen als gedacht, erklärt er und erhält Zustimmung von den Vertretern der Kirchenverwaltung, Hans Zenk und Hans Beudert sowie von Paul Ziegler, der die laufenden Sanierungsarbeiten dokumentiert und ebenfalls Mitglied des Fensterarbeitskreises war.

Gestartet wurde der Spendenaufruf im November 2019, erläuterte Paul Ziegler. Schnell habe sich gezeigt, dass die Münnerstädter, aber auch Auswärtige, die sich Stadt und Kirche verbunden fühlen, die Initiative gerne unterstützen, ergänzte Hans Zenk. Um die Fenster für zukünftige Generationen zu erhalten, mussten Staub, Schmutz und Schimmelpilze mit Lupe, Pinsel und Spezialgeräten Millimeter für Millimeter gereinigt werden - eine kostenintensive Maßnahme, die innerhalb der Gesamtsanierung alleine mit 450 000 Euro veranschlagt war. Nach Abzug aller Zuschüsse muss die Kirchenstiftung für diese Arbeiten rund 200 000 Euro aus Eigenmitteln aufbringen. Dank der Spendenbereitschaft sei ein Drittel dieser Aufwendungen finanziert worden, freute sich P. Markus.

Fotografisch dokumentiert

Nicht nur viele Privatleute, sondern auch Vereine, Firmen und Gruppierungen hätten die Fenstersanierung unterstützt. Eigentlich sei auch geplant gewesen, alle Spender zu einer Führung in die Kirche einzuladen, bei der die Restauratoren Steffi Wirsing-Nolte und Steffen Nolte die aufwendige Arbeit an den kostbaren Fenstern erläutern sollten. Leider durchkreuzte Corona die Pläne. Lediglich im September waren einige wenige Führungen mit kleiner Teilnehmerzahl möglich gewesen, so Paul Ziegler.

Er verwies darauf, dass die historischen Glasfenster in Expertenkreisen sehr geschätzt werden. Die Reinigungsarbeiten haben Mitarbeiter vom Corpus Vitrearum (CVMA) dazu genutzt, die Fenstersegmente zu erfassen und fotografisch zu dokumentieren. Das CVMA in Freiburg ist eine Einrichtung, die sich der wissenschaftlichen Erfassung von mittelalterlichen Glasfenstern widmet. Bei den Münnerstädter Glasfenstern aus der Zeit zwischen 1410 und 1440 handele es sich demnach um den größten Bestand in Unterfranken. Insgesamt gebe es in Unter- und Oberfranken um die 800 mittelalterlichen Glasfenster. Laut Aussagen von Paul Ziegler will die Forschungsgesellschaft ein Buch über diesen Münnerstädter Kirchenschatz auflegen.

Mit der Konservierung der Kirchenfenster und einer vorausgegangenen Sanierung des nördlichen Dachbereichs ist der erste Bauabschnitt der umfangreichen Maßnahme nun weitgehend abgeschlossen. Der wertvolle Riemenschneideraltar kann aber derzeit nicht aufgestellt werden. Das liegt nicht nur daran, dass die Originalfiguren Tilman Riemenschneiders bis zum August ans bayerische Nationalmuseum für eine Sonderausstellung ausgeliehen sind, sondern daran, dass die liturgische Neugestaltung des Chorraumes noch aussteht, die in den nächsten Wochen beginnen soll.

Eigentlich hätten diese Arbeiten Bestandteil des zweiten Bauabschnitts sein sollen. Da dieser noch auf vorerst unbestimmte Zeit auf sich warten lässt, können die Arbeiten im Chorraum vorgezogen werden, damit der Altar nicht binnen eines kurzen Zeitraums noch einmal ab- und dann wieder aufgebaut werden muss.

Eigentlich hatte P. Markus Reis den Wunsch, dass zum gelobten Münnerstädter Feiertag an Maria Geburt (8. September) der Altar wieder komplett sein wird. Doch es hat erneut kleinere Verzögerungen gegeben, so dass dieses ambitionierte Ziel wohl kaum einzuhalten sein wird. Vor Einbruch der Winterkälte im Herbst sollen die Arbeiten im Chorraum aber fertig und der Altar wieder in der Kirche zu sehen sein.

Derzeit laufen die Ausschreibungen für die Elektroarbeiten. Die Künstlerin für die liturgische Neugestaltung hat einen Entwurf für Ambo (Lesepult), Altar und Sitzgelegenheiten vorgestellt. Die Kunstkommission der Diözese hat dem auch zugestimmt.

Helfer gesucht

Ab Ende Juli steht mit der Reinigung der Wände im Chorraum ein großes Projekt an, das nach Möglichkeit in Eigenleistung erbracht werden soll. Ideal wäre, so Pater Markus, wenn sich rund 30 Personen finden würden, die an fünf Tagen sechs Stunden oder an 10 Tagen jeweils drei Stunden sich für diese Aufgabe zur Verfügung stellen. Auch eine andere zeitliche Einteilung sei denkbar. Überlegt werde derzeit, ob für diese Arbeiten eine Ehrenamtspauschale gezahlt werden kann. Um den Einsatz im Detail planen zu können, sollen sich jetzt bereits Helfer melden.

Auch diese Eigenleistungen sehen die Verantwortlichen der Kirchenverwaltung als wichtige Spende für die Kirchensanierung. Denn obwohl die Fensterpatenaktion abgeschlossen ist, werden Spenden für die weiteren Schritte in der Kirchensanierung immer gerne entgegengenommen, so Pater Markus Reis.