Zumindest vier der fünf Windräder im Bürgerwindpark "Langes Schiff" können wieder mit voller Kraft laufen und Strom erzeugen. Ein Rad steht allerdings noch immer. Der Rotorschaden verhindert weiterhin den Betrieb. Norbert Schmäling, der Geschäftsführer des Windparks, hofft, dass in den nächsten Wochen auch der Rotor dieser Windmühle repariert werden kann.
Schadhafte Rotoren sind allerdings nicht nur ein Problem im Bürgerwindpark. Ähnlich gelagerte Sorgen haben auch die Windenergiegenossenschaft Nüdlingen und der Betreiber des Maßbacher Windparks "Green-City Energy". In allen drei Windparks bremsen schadhafte Rotoren seit Monaten die Stromerzeugung ab; dabei stammen die Windräder des Bürgerwindparks am Langen Schiff von einem anderen Hersteller als die der beiden anderen Windparks.
Dass solche Mängel unabhängig vom Hersteller aufgetreten sind, führt Norbert Schmäling vor allem auf den Windradboom zurück. In kurzer Zeit mussten große Mengen produziert werden. "Da können sich Fehler einschleichen", meint der Windpark-Geschäftsführer; gerade bei den Rotoren seien schon kleine Fehler problematisch, weil sie die kritische Masse beim Windradbau sind.


Reparatur am Boden

Norbert Schmäling erläutert, dass beim Münnerstädter Windpark die Schäden bei einer Routinekontrolle im Winter festgestellt wurden. In den letzten Wochen wurden vier Räder vom Turm aus repariert. Beim fünften Rad allerdings müssen die Flügelschäden am Boden behoben werden. Dazu ist es erforderlich, einen Kran zu stellen, der die Rotoren erst einmal sicher auf den Boden bringt.
Bis diese Arbeiten erledigt sind, bleibt die Zufahrt zu diesem Windrad gesperrt. Norbert Schmäling spricht von einer Vorsichtsmaßnahme, die mit dem Landratsamt abgesprochen worden sei. Zwar hätten Gutachten mittlerweile belegt, dass die Absperrung eigentlich nicht nötig ist, aber sie bleibt, bis das Windrad wieder läuft.


Verlust wird ersetzt

Finanzielle Einbußen ergeben sich nach Auskunft von Norbert Schmäling nicht. Auch wenn sich die Reparaturarbeiten länger hinziehen als ursprünglich eingeplant, sei alles geregelt. "Wir bekommen vom Hersteller monatlich akkurat den Ertragsausfall gezahlt", so Schmäling. Er ist froh, dass beim Bürgerwindpark "Langes Schiff" die Naturstrom AG als kompetenter Energieerzeuger mit im Boot ist und sich die Rechtsabteilung des Unternehmens um die Ersatzvergütung kümmere.
Auch Burkard Schramm von der Nüdlinger Windenergiegenossenschaft erklärt, dass der Genossenschaft kein Schaden entstehe. Hier vergütet der Hersteller ebenfalls die verloren gegangenen Einnahmen. In Nüdlingen steht ein Rad still, ein weiteres läuft gedrosselt. Schramm hat die Auskunft von der Herstellerfirma erhalten, dass bis Ende August die Rotoren ausgetauscht werden. Im Frühjahr war man noch von einem Zeitpunkt irgendwann im Juni ausgegangen. Burkard Schramm ist froh, wenn die Sache "dann einmal von der Bühne ist".
"Der Zeitplan musste witterungsbedingt von Nordex mehrfach verschoben werden", erklärt Laura Rottenberger vom Maßbacher Windparkbetreiber "Green-City Energy". Laut aktueller Planung soll der Austausch im Zeitraum von 20. Juli bis 31. August durchgeführt werden, ist die Information, die Green-City Energy vorliegt. Hinsichtlich der Leistungsreduzierung sei mit Nordex eine Entschädigungsregelung vereinbart, so Laura Rottenberger. Wegen des Rotorenfehlers kann im Maßbacher Windpark bereits seit August 2015 nur mit gedrosselter Leistung Strom erzeugt werden. Die Maßbacher und Nüdlinger Windräder gehören zu einer Charge von Mühlen, bei denen dieser Rotorschaden festgestellt wurde und jetzt behoben werden muss.