Es ist die größte Einzelspende, die der Rotary Club (RC) Bad Kissingen bisher vergeben hat, bestätigen RC-Präsident Philipp Cramer und Schatzmeister Werner Klöffel. 52 000 Euro haben die beiden Vorstandsmitglieder der Münnerstädter Ukrainehilfe offiziell übergeben. Besondere Zeiten erfordern besonderes Handeln, erklären die Verantwortlichen der Bad Kissinger Rotarier die Entscheidung. Die große Einzelspende sei eindeutig der einmaligen Situation geschuldet.

Die Spendenhöhe ist umso erstaunlicher, weil es die Münnerstädter Ukrainehilfe in dieser Form gerade eine Woche lang gibt. Doch dank Rotarier-Verbindungen nach Münnerstadt und der Tatsache, dass hier so schnell eine echte Hilfswelle mit klaren Strukturen entstanden ist, hat der Rotary-Club ebenso unbürokratisch entschieden, dass diese Aktion in dieser Höhe unterstützt werden soll. Bereits am Donnerstag war die Spende auf dem Konto der Ukrainehilfe. "Wir wollten, dass die Hilfe über eine direkte Ehrenamtlichkeit geht", erläuterte Philipp Cramer die Intention des Rotary Clubs. Es solle eine sinnvolle Hilfe sein, die über die üblichen Kleiderspenden hinausgeht, betonten beide.

Netzwerk für gezielte Hilfe

Reinhold Heppt, Kopf der Münnerstädter Ukrainehilfe, versicherte, dass dies der Fall sein wird. Sichtlich gerührt, bedankte er sich für dieses Vertrauen und versprach, dass die Hilfe aus Münnerstadt dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Er erläuterte, dass der am Freitag gestartete Hilfskonvoi hochwertige Hilfsgüter in die Ukraine bringe. Binnen einer Woche sei es gelungen, ein Netzwerk von Kontakten aufzubauen, die von Lemberg über Kiew bis nach Charkiw reichen. "Es geht alles im Hochturbo-Bereich", erklärte der Münnerstädter, der selbst seit Tagen kaum mehr zum Schlafen kommt und sich voll und ganz im Hilfsmodus befindet. "Wir arbeiten wie eine große Firma", führte Heppt weiter aus. Zwischenzeitlich sei es gelungen, viele Spezialisten für die Mitarbeit zu gewinnen - und alles liefe auf ehrenamtlicher Basis. Es gebe verschiedenste Arbeitsgruppen, von der Logistik über die Wohnungsvermittlung, die psychologische Beratung bis hin zur Dokumentation der Hilfseinsätze.

Reinhold Heppt betonte die Effizienz der Hilfeleistung. "Bis die Profis planen, sind wir schon im Krankenhaus". Er dankte allen Mitstreitern dafür, dass sie diese Entbehrungen auf sich nehmen.

Bürgermeister Michael Kastl meinte, dass das, was in dieser kurzen Zeit gewachsen sei, "große Klasse ist". Die Stadt stehe helfend zur Seite, dort, wo es ihr möglich ist. So hat die Stadt mit koordiniert, dass bei Rückkehr des Hilfskonvois am Sonntagnachmittag alle vom Konvoi mit gebrachten Flüchtlinge im BBZ von Mitgliedern der örtlichen BRK-Bereitschaft auf Corona getestet werden, ehe sie auf die privaten Unterkünfte verteilt werden.

Gespannt auf das, was kommt

Am Freitagvormittag traf sich der Hilfskonvoi früh am Morgen und erhielt die letzten Anweisungen von Reinhold Heppt. An der Windschutzscheibe seines bepackten Fahrzeugs fand Michael Kübert - einer der Fahrer im Hilfstransport - eine Karte mit einem Herz-Jesu-Motiv, bei dem ein anonymer Spender dem Konvoi Gottes Segen wünschte und auch eine Geldspende beigefügt hatte. Es sind auch diese Gesten, die die Helfer so berühren. Michael Kübert startete die Fahrt an die polnisch-ukrainische Grenze mit einem guten Gefühl. Er glaubt aber, dass ihn am Ziel auch Chaos erwartet.

Mit im Team ist die Redaktionsleiterin der Saale-Zeitung, Susanne Will. Sie äußert ihre Hochachtung vor Reinhold Heppt und dem, was er in dieser kurzen Zeit auf die Beine gestellt hat. Gleichzeitig hofft sie, dass er gut mit seinen Kräften haushaltet. Sie selbst ist gespannt, was auf die Gruppe zukommen wird. Sie verschweigt nicht, dass sie durchaus auch Ängste hat. Es kann sein, dass der Konvoi viele Kinder mit zurücknimmt. "Die Eltern vertrauen uns ihre Kostbarstes an", sagt sie. Was wäre, fragt sie sich, wenn man dann in einen Unfall verwickelt wird. "Das passiert nicht", entgegnet Elisabeth Betzer voller Überzeugung. Sie bildet mit Susanne Will ein Fahrteam.

Der Rotary Club will mit Interesse den weiteren Verlauf der Hilfsaktionen verfolgen. Seit 1957 unterstützen die 62 Mitglieder des Clubs vielfältige Projekte in der Region. Unter dem Motto "Helfen und Fördern" setzt sich der Rotary Club Bad Kissingen besonders für Bildung, Schulen und Begabtenförderung, für berufliche und soziale Integration, gegen Analphabetismus und für Gewaltprävention ein. Die Förderung von Projekten der Kultur und der Denkmalpflege sind weitere aktive Betätigungsfelder.

Im vergangenen Jahr habe der Verein in der Region rund 70 000 Euro für unterschiedlichste Zwecke gespendet, so Philipp Cramer. Bei internationalen Projekten agieren die Bad Kissinger Rotarier vernetzt mit befreundeten Clubs.