Paula fliegt durch den Weltraum. Kein Wunder, denn sie ist Astronautin. Aber sie ist im Moment nicht zwischen Mars und Venus unterwegs, sondern in einem Gruppenraum der Kindertagesstätte Lauerland in Poppenlauer. Und sie fliegt an dem Vormittag bereits zum zweiten Mal.

Was ist die Geschichte dahinter? Paul Maar hat 2007 ein Kinderbuch herausgebracht mit dem Titel "Paulas Reise". Paula träumt davon, Astronautin zu werden. Und tatsächlich träumt sie sich in einen Weltraumflug. Sie landet auf den verschiedensten Planeten: dem runden blauen Planeten, dem gelben eckigen Planeten, dem roten Planeten, dem Lachplaneten, dem Schreiplaneten. Und überall, wo sie landet, möchte sie möglichst schnell wieder weg. Denn überall müsste sie sich anpassen: Aber sie will nicht rund oder eckig oder rot werden, sie möchte nicht dauernd lachen oder schreien. Zum Glück und guten Ende landet sie schließlich auf dem Bettenplaneten, wohlig und weich. Und als sie aufwacht, erkennt sie, dass sie in ihrem eigenen Bett gelandet ist. Astronautin will sie vermutlich trotzdem noch werden.

Kleine Bühne, großes Kino

Paul Maars Buch haben sich die Schauspielerin Erika Mosonyi und die beiden Theaterpädagoginnen Dorothee Höhne und Mara Wengel vorgeknöpft (Christian Schidlowsky hat wohl auch noch den einen oder anderen Hinweis gegeben) und haben daraus ein Ein-Personen-Stück für Kinder zwischen drei und fünf Jahren gemacht. Und nach dem Grundsatz: "Weniger ist mehr" haben sie schon durch den sparsamen Einsatz von Material jeden Anflug von Überforderung vermieden. Es genügt eine kleine Fläche als Bühne, die Laura Mendoza mit ein paar Requisiten bestückt hat: ein blauer Schaumgummiball, eine gelbe Dreieckspyramide, ein rotes Kissen, ein weißes Bettlaken, mit dem sich auch alles zudecken und verstecken lässt, und ein Kazoo. Das ist alles, und mehr braucht Erika Mosonyi beziehungsweise Paula auch nicht für ihren Weltraumflug. Den großen Rest steuert die Fantasie der Kinder bei. Aber es lässt sich eben doch einiges zeigen: nicht nur, dass es verschiedene Planeten gibt, sondern auch verschiedene Menschen, Farben, Emotionen oder Erwartungen, die Paula nicht erfüllen will. Für Dreijährige muss das Theater noch keine philosophisch begründete moralische Anstalt sein. Obwohl "Paulas Reise" das als Beitrag zur Integrationsdebatte letztlich durchaus ist.

Beobachten und staunen

Aber für die Kinder stehen ganz andere Dinge im Vordergrund. Für sie geht es um das Beobachten des Geschehens. Wie sich der weiche blaue Ball wohl anfühlt, auf dem man ganz planetengerecht sogar stehen kann. Es geht um das Staunen, um das Überrascht-Werden, um das Neugier-Wecken und -Wachhalten und natürlich auch schon ein bisschen um das eigene Ich. Es geht um den Abbau von Vorbehalten gegenüber einer ungewohnten (Theater-)Situation. Und es macht großen Spaß, nicht nur das Spiel, sondern auch die Kinder zu beobachten, die erstaunlich konzentriert und auch leise über eine halbe Stunde dem Geschehen folgen.

Das Stück ist allerdings auch leicht nachvollziehbar gegliedert. Bevor Paula mit ihrer Rakete abhebt, gibt es das Startgedicht, einen Countdown, der einen Zählreim mit den notwendigen Handgriffen kombiniert: "10 - 9 - 8 - Anzug zugemacht 7 - 6 - 5 - ich richte mir die Strümpf" bis hinunter zu 1 - 0 - und starten." Da begreifen die Kinder schnell, dass es gleich etwas Neues gibt (man könnte sie vielleicht sogar zum Mitsprechen auffordern). Dass der gesamte Text in Paul Maars wunderbar lakonisch-elastischen Reimen gehalten ist, spielte für sie vermutlich keine Rolle.

In Augenhöhe mit den Kindern

Erika Mosonyi macht ihre Sache aber auch wunderbar. Sie agiert fast immer auf Augenhöhe mit den Kindern und hält Blickkontakt mit ihnen. Nur wenn sie wieder einmal startet, richtet sie sich zum Startgedicht auf in die Vertikale und entlockt ihrem Kazoo immer kräftigere Startgeräusche, weil die Kinder das so begeistert. Sie spricht mit sinnvoll langsamem Tempo und arbeitet mit Beschleunigungen und Verzögerungen, um die Spannung zu steigern. Am Ende ist Paulas Reise wie im Fluge vergangen. Wenn man die Kinder so anschaut, hätte sie ruhig länger dauern können.

Die Produktion, die so gut wie keine technischen Voraussetzungen hat, kann von den Kindergärten für Gruppen bis zu 20 Kindern - auch mehrmals hintereinander - gebucht werden unter Tel.: 09735/235. Pädagogisches Material lässt sich problemlos und jederzeit von der Website des Theaters unter www.theater-massbach.de herunterladen.