Wenn Regionalkantor Peter Rottmann von der Münnerstädter Klais-Orgel der Stadtpfarrkirche spricht, dann kommt er ganz schnell ins Schwärmen. Für ihn ist diese Orgel "eines der schönsten Instrumente, die wir landauf, landab haben". Warum das so ist? "Sie ist auf ihre Art ein absolutes Kunstwerk", erklärt der Kirchenmusiker. Er lobt die Intonation, also ihren Klang und ihre individuelle Feinabstimmung auf das Gotteshaus, in dem sie steht. Das Zusammenspiel zwischen Orgel und Hall im Kirchenraum sei hier besonders gelungen. Es sei die Intonation, die der Orgel ihre Seele einhauche, stellt Peter Rottmann fest. Aber für ihn hat das Instrument noch einen weiteren Pluspunkt. Die Bandbreite der Musikliteratur, die auf der Orgel gespielt werden kann, sei außergewöhnlich groß. Hinter dem denkmalgeschützten historischen Gehäuse (Prospekt) des Instruments steckt aber zeitgemäße Handwerkskunst. Die Orgel wurde im Jahr 1985 in der Stadtpfarrkirche aufgebaut.

Es könnte die sechste Orgel sein, die im Laufe der Jahrhunderte in der gotischen Stadtpfarrkirche erklingt. So ganz genau weiß man das nicht. Aber es gibt Aufzeichnungen, dass im Jahr 1471 eine Organistenstelle ausgeschrieben war. Peter Rottmann geht davon aus, dass es deshalb auch eine Orgel gegeben hat. Die Spurensuche jedoch ist mager. Peter Rottmann vermutet, dass es eine Schwalbennest-Orgel gewesen sein könnte, die eventuell an der nördlichen Seitenwand gehangen war. Nachweise seien nicht zu finden. Sicher ist aber, dass sie nicht an dem Platz der heutigen Klais-Orgel stand. Denn die Empore gab es zu dieser Zeit nicht.

Barockes Gehäuse

Zwischen 1564 und 1580 muss eine weitere Orgel erbaut worden sein. Auch zu ihr weiß man nichts genaueres. Mehr Unterlagen gibt es über einen Orgelbauvertrag aus dem Jahr 1626 mit dem Ostheimer Orgelbauer Andreas Weiß.

1750 bekam der bekannte Würzburger Hoforgelbauer Johann Philipp Seuffert den Auftrag für ein neues Instrument mit 17 Registern. Erhalten geblieben ist davon das barocke Gehäuse, das auch heute die äußere Hülle der modernen Orgel bildet. "Gut, dass das Gehäuse erhalten geblieben ist", meint Peter Rottmann. Der Prospekt mag vielleicht auf den ersten Blick nicht zu einer gotischen Kirche passen, aber "er sieht toll aus". Vom Kirchenraum aus betrachtet, wirke die Orgel vielleicht etwas klein, aber der Klang sei doppelt so intensiv wie der historische Prospekt vermuten lasse, erklärt der Kantor.

Erwähnenswert ist auch, dass sich ein kleines Ebenbild des Münnerstädter Seuffert-Prospekts in der Fridritter Wallfahrtskirche befindet. Die Werkstatt in Würzburg habe damals standardisierte Gehäuse im Angebot gehabt, erklärt Peter Rottmann.

1906 entschlossen sich die Münnerstädter Katholiken zum Austausch der Orgel. Den Auftrag erhielt der Münnerstädter Orgelbauer Franz Hochrein. Der historische Seuffert-Prospekt blieb erhalten.

Dass im Laufe der Kirchengeschichte die Orgel immer wieder erneuert wurde, sei normal, so Regionalkantor Peter Rottmann. Wenn ein Instrument 150 Jahre in Betrieb ist, sei das früher schon ein hohes Alter gewesen."Die Instrumente sind sehr schnell gealtert und die technische Entwicklung ist schnell fortgeschritten".

Laut Unterlagen im Pfarrarchiv beauftragte die Kirchenstiftung 1983 die Bonner Orgelbaufirma Klais mit der neuen Orgel. Instrumente dieses Unternehmens stehen überall in der Welt. Auch in der Elbphilharmonie in Hamburg wird auf einer Orgel aus diesem Haus gespielt.

Die Anschaffung setzte den Schlusspunkt unter die in den 1970er Jahren begonnene Kirchenrestaurierung, im Zuge dieser auch der Riemenschneideraltar rekonstruiert wurde, erinnert sich Marga Behrschmidt zurück; sie war 1983 Mitglied der Kirchenverwaltung.Das Instrument hat 39 Register auf drei Manualwerken und einem Pedal. 635 000 Mark kostete die neue Orgel, eine beachtliche Summe. Hinzu kamen Kosten in Höhe von 126  000 Mark für die Sanierung des Prospekts. Es gab zwar Zuschüsse, aber ohne die Unterstützung der Bürgerschaft war das Projekt nicht zu finanzieren. So wurden Haussammlungen durchgeführt. "Wir haben wirklich viel zusammengebracht", blickt Marga Behrschmidt zurück.

Nachzulesen ist in einem Bericht der Saale-Zeitung aus dieser Zeit, dass die neue Orgel nicht in erster Linie zu Konzertzwecken angeschafft wurde, sondern den Anreiz bieten sollte, die Kirchenlieder wieder abwechslungsreicher einzuspielen. Zu erfahren ist weiter, dass es auch kritische Stimmen gab, die lieber eine kleinere Orgel gekauft hätten. Doch die Kirchenverwaltung wagte die Investition in ein hochklassiges Instrument, auch wegen der Expertenempfehlung. Im April 1985 startete der Aufbau. Weit über 1000 Einzelteile mussten in der Kirche zusammengefügt werden, steht in einem Zeitungsbericht von 1985.

Die Orgel wurde 2005 bei einer Grundreinigung generalüberholt. Peter Rottmann weiß, dass die Instrumente gut gepflegt sein müssen. Sie sind wartungsintensiv. Circa sechsmal im Jahr muss eine Orgel zudem gestimmt werden. Peter Rottmann, der in Münnerstadt Organist ist, übernimmt diese Arbeit in Eigenregie. Ebenso erledigt er kleinere Reparaturen.Er habe mittlerweile eine ganz gute Werkstatt. Demnächst muss allerdings der Orgelbauer kommen. Verschleißteile, Bleischeiben, die die Windladen abdichten, sind oxidiert und müssen ausgetauscht werden. Die Scheiben werden durch Ersatzteile in Edelstahl ersetzt. Dann ist die Orgel wieder auf dem neuesten Stand.