Mehr als 100 Kinder werden derzeit im katholischen Kindergarten Münnerstadt und der dazugehörigen Kinderkrippe betreut. Das Jugendzentrum ist Treffpunkt mehrerer Gruppen. Der Gebäudekomplex, der Anfang der 1970er Jahre errichtet wurde, hat schon einiges erlebt: einen Brand im Jugendzentrum , die Generalsanierung der Kindergartens, der Umbau einiger Räume zur Krippe. Generationen haben hier einen Teil ihrer Kindheit und Jugend verbracht. Vor 50 Jahren begannen die Arbeiten.

Obwohl das Vorhaben in den Händen der katholischen Kirchenstiftung lag, gab es erst einmal Zoff im Stadtrat. Der hatte nämlich ein Mitspracherecht bei der Planung und der Vergabe der Arbeiten gefordert, weil die Stadt einen Zuschuss in Aussicht gestellt hatte. Von einer "spannungsgeladenen Aussprache" im Stadtrat schrieb damals die Zeitung. Einige Stadträte forderten, den Kindergarten an einer "geeigneteren Stelle" zu errichten und das Jugendzentrum wegen der angespannten Finanzlage der Stadt ganz zu lassen. Wie gesagt: Die Stadt sollte lediglich einen Zuschuss geben, den Löwenanteil trug die Kirche.Weil aber der Stadt einen staatlicher Zuschuss in Höhe von 230 000 DM für das Jugendzentrum in Aussicht gestellt worden war, stimmte die meisten Räte für das Vorhaben.

Zunächst einmal musste das Burschenheim abgerissen werden. Nach dem Krieg hatte der Burschenverein nicht mehr zusammengefunden, dafür gründete sich die Kolpingsfamilie, die wie die St.Georgs-Pfadfinder das Burschenheim nutzten. Beide sollten ihr neues Domizil im Jugendzentrum finden. Der ursprüngliche Plan, einen Keller für den Öltank zu bauen, musste fallengelassen werden, weil es sich um Überschwemmungsgebiet handelte. Die Hochwasserfeilegung Münnerstadts folgte wenige Jahre später.

Weil das Gebiet stellenweise sehr feucht war, trugen die Arbeiter im September 1970 erst einmal Erdreich ab, um dann ein festes Fundament zu errichten. Damals war die Fertigstellung im Herbst 1971 geplant, aber es gab Verzögerungen. Die Kinder zogen 1972 ein.

Bis dahin wurde der Münnerstädter Nachwuchs im Kindergarten am Anger betreut, dem rückwärtigen Teil der Marienanstalt, wo die Schwestern wohnten, die sich um die Kleinen kümmerten. Der neue , moderne Kindergarten bot zunächst viel Platz, vor allem hatten die Kindern nun einen großen Garten, der später noch einmal erweitert wurde. Eine neue Spielhalle kam hinzu, dann ein erster Erweiterungsbau.

Dem Gebäudekomplex erging es allerdings nicht viel besser, als anderen aus jener Zeit. Bereits wenige Jahre nach der Eröffnung waren die Flachdächer undicht, 1981 bekamen der Komplex neue. 1986 übergab die letzte Ordensschwester die Leitung in weltliche Hände. Immer wieder stieß der Kindergarten an seine Kapazitätsgrenzen. Es gab zwar Bestrebungen eines Vereins, einen zweiten, Kindergarten zu errichten, aber daraus wurde letztendlich nichts. Der katholische Kindergarten erfuhr in den Jahren 2000/2002 eine Generalsanierung und Ende 2009 kam schließlich eine Kinderkrippe hinzu.

Ein Brand im Jugendzentrum richtete im Mai 1980 einen Schaden von rund 300 000 DM an. Wenige Monate später wurde es aber wieder eröffnet. Die Geschichte des Jugendzentrums war ein einziges Auf und Ab, die Leiter wechselten oft. Manchmal nach wenigen Wochen. Ein Problem war immer die Finanzierung der Stelle. Mal geschah dies mit staatlichen Zuschüssen über ABM, mal stellte die Katholische Kirchenverwaltung den Leiter, oder die Leiterin ein. Zwischenzeitlich wollte die NPD einen Leiter stellen. Die letzte Leiterin wurde über das Entimon-Programm gefördert, ein Programm gegen rechte Gewalt. Sie war zuletzt vom Förderverein für offene Kinder- und Jugendarbeit angestellt, allerdings kam der Förderbescheid immer erst nach einigen Monaten eines neuen Jahres, weswegen die offene Jugendarbeit am Anfang des Jahres brach lag. Letztendlich war es Hartmut Hessel, der Vorsitzende des Fördervereins, der 2004 die Notbremse zog, weil die freie Jugend einfach nicht bereit war, das Rauch- und Alkoholverbot zu akzeptieren.

All dies bezog sich aber lediglich auf die Offene Jugendarbeit. "Es ist nach wie vor ein Jugendzentrum", betont Stadtpfarrer Pater Markus Reis. Die früheren Probleme mit der freien Jugend bringt er so auf den Punkt: "Wenn die Sozialarbeiter die Regeln durchsetzten, also kein Alkohol, dann kam niemand." Die anderen Gruppen, die das Haus nutzen, hielten sich an die Hausordnung, sagt Pater Markus.

Nach wie vor wird das Jugendzentrum von den Pfadfindern genutzt, es dient ebenso als Treffpunkt der Ministranten. Auch die Kolpingsfamilie hat dort ihr Domizil, einschließlich der drei Garden. Das Jugendzentrum beherbergt auch die Katholisch-öffentliche Jugendbücherei.

Nachdem die frühere Küche der neuen Krippe weichen musste, ließ Pater Markus eine neue einbauen, die heute beim Pfarr- und Kindergartenfest oder bei Feiern genutzt werden kann. 50 Jahre nach Baubeginn ist der Komplex noch immer das Zentrum für die Kinder und die Jugend.