Eugen Albert ist regelrecht reingewachsen in seine Rolle. "Früher, als der Bart noch dunkel war, hat er sich einen angeklebt", sagt Ehefrau Anneliese Albert. Das ist nicht mehr nötig. Inzwischen ist der Bart weiß und Eugen Albert lässt ihn immer vor der Nikolaus-Saison richtig lang wachsen. Erst danach wird er beim Friseur gestutzt. Mit Würde wird er auch am heutigen Samstag, seinen Bart, seinen Stab, die Mitra und sein goldene Buch tragen, wenn er die Bewohner des Juliusspital-Altenheimes besucht. So hat er es schon vor 40 Jahren gemacht.

"1978 hat mich Schwester Renata, die Leiterin des Reichenbacher Kindergartens, gefragt, ob ich nicht einspringen würde", erinnert sich Eugen Albert. Pater Wilfried Balling hatte die Jahre zuvor immer den Nikolaus dargestellt. Der damalige Prior des Konvents St. Michael habe zu Nikolaus 1978 keine Zeit gehabt und zu Schwester Renata gesagt, sie solle zu seinem Anrainer gehen, weil Eugen Albert direkt neben dem Kloster wohnt. "Der kann auch mal was fürs Himmelreich tun", soll Pater Wilfried gesagt haben. Und Eugen Albert, ein früherer Klosterschüler, hat zugesagt.

Nur wenige Tage später bekam Eugen Albert einen Anruf von Günther Katzenberger, dem Leiter der Blaskapelle Kleinwenkheim. Er sollten für Winfried Hanshans bei der Nikolausfeier des Vereinsrings einspringen. Eugen Albert sagte zu. Den Einstieg als Nikolaus hat er also zwei Vertretungsfällen zu verdanken. Damals ahnte er natürlich nicht, dass er 40 Jahre später noch immer als Bischof von Myra die Kinder, Erwachsenen und Senioren besuchen wird.

Es waren pädagogische Worte, die er den Kleinen im Reichenbacher Kindergarten bei seinem ersten Besuch mit auf den Weg gab: Dass die Großen den Kleinen helfen sollen beim Schuhbändle schnüren beispielsweise. Angst, so sagte er, haben die Kindern nie vor ihm gehabt. Höchstens die ganz, ganz Kleinen, fügt Anneliese Albert hinzu. "Er war ja auch eine mächtige Erscheinung, aber er war immer der gute Nikolaus."

Das galt für ihn, aber bekanntermaßen hat der Nikolaus ja oft den Knecht Ruprecht an der Seite. Wer den beim Nikolausbesuch haben will, muss sich selbst darum kümmern. Die Alberts können sich gut an eine Weihnachtsfeier des Rhönklub-Zweigvereins Münnerstadt im Saal beim Mangolds Hubert erinnern. Ihr Sohn Michael war damals fünf Jahre alt. Toni Hiller, der den Knecht Ruprecht mimte, machte sich einen Spaß und drohte kurz mit der Rute in Richtung Michael. "Er hat die Tür aufgerissen, ist die Treppe runter und nach Hause gerannt."

Zu seinen schönsten Erinnerungen gehören die Nikolausfeiern in Kleinwenkheim, weil die immer von der Jugendabteilung der Blaskapelle umrahmt wurden. Die Eltern gaben dort immer die Geschenke vorher ab. Beiliegende Zettel verrieten den Namen der Kinder, die Eugen Albert einzeln nach vorne rief. Manchmal stand auf dem Zettel auch, was die Kinder tun sollten. "Ganz beliebt war in Kleinwenkheim, dass die Kinder ihren Schnuller an den Nikolaus abgeben sollen", sagt Eugen Albert. Er hat ihn dann aber oft vorsichtshalber den Eltern zurückgegeben. Einmal so erinnert er sich, hat eine Mutter am nächsten Tag angerufen und sich dafür bedankt. "Nachts um drei Uhr hatten sie den Kampf aufgegeben."

Eugen Albert hat seinen Nikolaus-Job immer sehr ernst genommen, bis heute. Ein Blick in sein goldenes Buch zeigt, wie gut er immer vorbereitet ist. "Er sammelt das ganze Jahr über Rätsel und Sprüche", sagt Anneliese Albert. Die werden fein säuberlich nach Alter der Kinder sortiert ins goldene Buch gelegt. Vorsichtshalber hat sich Eugen Albert die richtigen Antworten in roter Farbe aufgeschrieben. Für den Fall, dass er in der Aufregung einmal die Lösung des Rätsels vergisst. Rätsel lösen oder Sprüche aufsagen, das gehört für Eugen Albert einfach dazu. "Die Kinder müssen sich ihr Geschenk verdienen."

Bis zu zehn Auftritte hatte er in manchen Jahren. "Als ich Bürgermeister war, war das besonders schwierig, da muss man erst einmal zehn Termine herausschinden."Heuer ist er an drei Tagen als Nikolaus unterwegs. Er stellt den Heiligen mit Würde dar und erwartet auch, dass er mit Respekt behandelt wird. "Ich bin als Bischof von Myra unterwegs und nicht als Coca-Cola-Weihnachtsmann."

Kindergärten, Grundschulen, Altenheime und Vereine: Eugen Albert spielt gerne den Nikolaus. Das wird er auch im nächsten Jahr tun. "Wenn mich jemand fragt, dann komme ich", sagt Eugen Albert. So lange er kann.