Wenn man nicht in den Urlaub fährt, so hat man in der Regel von seinen Ferien nichts Besonderes zu berichten. Dass dies nicht immer so sein muss zeigte das Orgelkonzert, das Peter Rottmann in der Katholischen Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Münnerstadt gab. Er spielte hier extra für die Daheimgebliebenen, wie schon das Plakat zum Orgelkonzert ankündigte. Und das, was hier zu hören war, war wieder einmal superb.


Besondere Akzente

Gleichzeitig wurde so der Spieß umgedreht: jetzt werden die Daheimgebliebenen etwas Besonderes zu berichten haben, sie konnten nämlich einem Konzert beiwohnen, bei dem ganz besondere musikalische Akzente gesetzt wurden und bei dem auch Stücke zu hören waren, die nur selten gegeben werden. Hierbei wusste Organist Peter Rottmann mit viel Virtuosität, aber auch einem Gespür für feine Nuancen in der Musik den Abend zu etwas ganz Besonderem zu machen. Im Vordergrund standen vor allem kurze Stücke, so dass eine große Varianz von verschiedenen Stilen geboten werden konnte.
Der Einstieg war sehr harmonisch, mit dem Choralvorspiel "Liebster Jesu wir sind hier" hatte sich Rottmann ein streng komponiertes Stück ausgesucht, dass nichtsdestotrotz Raum für freie Interpretationen ließ. Impulsiv und majestätisch kam dann das "Festive Trumpet Tune" aus der Feder von David German daher. Dies ist seine meistgespielte Komposition und sie entstand im Jahr 1990. Festlich war das Werk, welches in F-Dur begann und im Schlussteil dann in Fis-Dur ausklang. Trompetenähnliche Passagen zeugten vom großen Klangumfang und der Wandelbarkeit der herrlich klingenden Klais-Orgel, und Rottmann verstand es, den ganzen Kirchenraum als überdimensionalen Klangkörper zu nutzen. Und er zeigte auch, wie gerne er - fast etwas schelmisch - mit tradierten Hörgewohnheiten spielte und den Besucher immer wieder mit neuen Facetten der Orgelmusik verblüffte, die sich wiederum gegenseitig stark kontrastierten.
So wie bei der "Symphonie Concertante" aus der Feder von Guillaume Lasceux. Recht filigran und fast verspielt kam dieses Stück daher, in dessen Verlauf man sich an die romantische Tradition erinnert fühlte und einem unmittelbar der Name "Tschaikowski" in den Sinn kam, der einen ähnlichen Stil hatte.


Mit Leichtigkeit gespielt

Dabei verstand es Rottmann souverän, auch die schwierigen Passagen mit geradezu spielerischer Leichtigkeit zu meistern, so dass das Stück ein wahrer Hörgenuss war. Luftige und leichte Passagen woben einen Klangteppich, ohne dass sich der Organist aber in Kleinigkeiten verlor, sondern das Grundthema der Komposition immer wieder aufgriff. Mit einem Glockenspiel, das die Zuhörer überraschte, wurde das Stück abgerundet.
Gravitätisch war dann ein Stück von Jean-François Dandrieu, welches sehr ernst und schwer war, und dessen Motivik sich am Beginn der gregorianischen Melodie orientierte, dessen Markenzeichen der Tonraum der aufsteigenden Quarte ist. Eindrucksvoll waren ebenso die kontemplativen Passagen des Cortège et Litanies des Komponisten Marcel Dupré, besonders der rasche Wechsel der Orgelregister war hier reizvoll, aber auch die kunstvoll ausgeführten Wechsel in der musikalischen Dynamik, die einmal mehr mit der Raumakustik spielten.


Dramatik im Vordergrund

Bei der Choral-Improvisation "Sur le Victimae paschali" stand die Dramatik des Ostergeschehens ganz im Vordergrund, welche ebenso die Leidensgeschichte Jesu klanglich aufgriff. Sequenzen, in denen auf fast jede Melodik verzichtet wurde und die mehr die akustische Komponente nutzen, die die Kirche bot, stellten beeindruckend das Seelenleben der Protagonisten in der Ostergeschichte vor Augen. Hier zeigte sich, dass Peter Rottmann im Konzert dem Publikum auch schwer verdauliche Passagen vorsetzte und dabei eben einen Querschnitt durch die Orgelliteratur bot. Ein Rettungsanker war immer wieder die Grundthematik des Stücks, welche die einzelnen Passagen zusammenhielt.
Einen großen Kontrapunkt setzt dann das "Ave Maria" von Marco Enrico Bossi, welches sehr zart und leise daherkam und sich zu Beginn wie aus Ferne leise andeutete. Hier zeigte Rottmann einmal mehr, wie leichtfüßig er mit der Raumakustik zu spielen weiß. Gerade die perfekte Harmonie des Stücks setzte sich vom vorherigen stark ab, so dass in der Kirche ein meditativer Zustand geschaffen wurde, ohne dass sich die Komposition jedoch im allzu Gewöhnlichen verlief. Leise und wohltemperiert war der Schluss des Stücks, welches den letzten Ton leise verklingen lies.
Weitere Stücke schlossen sich an, am Ende zeigten die Zuhörer mit ihrem tosenden Applaus, dass ihnen das Konzert sehr gut gefallen hatte. Natürlich gab Peter Rottmann gerne eine Zugabe. Die "Daheimgebliebenen" erlebten ein Konzert der ganz besonderen Art, das den "Urlaubern" leider verwehrt blieb.