Weitwandern liegt im Trend. Auch durch die Region führen gleich mehrere solcher Fernstrecken für Fußgänger. Die Kölner Künstlerin Christiane G. Schmidt hat sich auf solchen Wegen dem Landkreis und Münnerstadt genähert. Es waren für sie intensive Tage, die sie nun auch künstlerisch aufarbeiten wird. Denn Wandern und Kunst, das geht durchaus zusammen.

Christiane G. Schmidt wollte für ein Künstlerinnentreffen in Münnerstadt nicht den schnellsten Weg mit Bahn oder Auto wählen. Es sollte eine langsame Annäherung sein. So fiel die Wahl auf die eigenen Füße. Eine Tour von Köln nach Münnerstadt hätte allerdings ihre Zeitplanung deutlich gesprengt. Und so entschied sie sich zu einer Weitwanderung durch die fränkischen Lande. Von Aschaffenburg nach Münnerstadt wanderte sie durch Wald, Wiesen, Flur und Ortschaften. Es war ein nachhaltiges Erlebnis. Anstrengend, sehr schön, aber auch manchmal ein bisschen öde, stellt sie am Ende ihrer Tour fest.

Die Großstädterin war immer wieder beeindruckt von der Ursprünglichkeit der Natur. "Man merkte, dass man durch ein Biosphärenreservat wandert", sagt sie zu ihren Abschnitten in der Rhön. Beeindruckt haben sie vor allem die blühenden Wiesen, auf die sie unterwegs traf. "Solche Wiesen kennen wir in Nordrhein-Westfalen nicht", betont die Künstlerin. Manchenorts wurde Heu gemäht. Der Geruch weckte bei ihr Erinnerungen an die Urlaube ihrer Kindheit in den Alpen. Besonders gut haben Christiane G. Schmidt die Momente gefallen, an denen sie nach langen Waldetappen plötzlich Fernblicke hatte und auf Wiesen, Felder oder kleine Dörfer schauen konnte.

Lange Waldetappen

Doch die Kölnerin sieht ihre Wanderung nicht durch eine rosarote Brille. Nicht immer waren ihre Tagesetappen nur schön. Manchmal sei es öde gewesen, sagt sie. Vor allem die langen Waldetappen - davon gab es im Spessart zum Beispiel einige - hatte sie sich etwas anders vorgestellt. Viele Kilometer lang verliefen die Weitwanderwege entlang geschotterter, breiter Waldwirtschaftswege. Waldromantik sieht für sie anders aus. Ein Fazit ihrer Weitwanderung: "Es wäre schön, wenn der Verlauf von Weitwanderwegen etwas abwechslungsreicher wäre." Diese Streckenabschnitte fand sie nicht sehr prickelnd. Aber dies liege wohl an der Länge dieser Wege, die sich meist über viele Hunderte von Kilometer erstrecken. Überrascht war sie, dass gleich mehrere solcher Weitwanderrouten in der Region verlaufen.Jetzt weiß sie auch, dass man auf der Via Romea von Münnerstadt bis nach Rom auf ausgeschilderten Wegen gehen kann.

Überall dort, wo Christiane Schmidts Route auf Premiumwanderwege oder lokale Rundwanderrouten traf, sei die Wegführung deutlich attraktiver gewesen. Diese Abschnitte waren landschaftlich reizvoll und auch von der Wegbeschaffenheit so, wie man es sich für eine Wandertour vorstellt. Einmal allerdings, ganz am Ende ihrer mehrtägigen Tour, war der ausgeschilderte Weg zwischen Bad Kissingen und Münnerstadt dann schon wieder zu ursprünglich. Denn er war fast vollständig zugewachsen.

Fast völlige Stille

Beeindruckt, manchmal sogar irritiert, hat sie in den Wäldern die Stille. Dass es dort ruhiger ist als anderswo, hatte sie natürlich gewusst. Teilweise habe sie jedoch nur ihre eigenen Schritte gehört, keinen Vogelgesang, nichts. Einfach nur fast vollkommene Stille.Das waren Momente, in denen ihr sogar kurz etwas bang werden konnte - nicht etwa vor den Spessarträubern, sondern vor tierischen Begegnungen mit Wildschweinen. Doch sie hatte Glück: Kein Schwein ließ sich blicken oder kreuzte gar den Weg.

Ihre Tage durch die fränkischen Wälder und Flure verarbeitete Christiane G. Schmidt künstlerisch in Form bewegter Bilder. Schritttempo und Körperhaltung waren gewissermaßen der Malpinsel. Eine kleine Vorratsbox befüllte die Künstlerin mit ein wenig selbst hergestellter Avocadotusche. Dann wurde ein leeres Blatt Papier hineingesteckt. Die Box wanderte in den Rucksack und blieb dort bis zum Ende jeder Tagesetappe. Die ersten zwei Tage, stellt Christiane G. Schmidt fest, habe sie sich wohl noch zu viel bewegt. Denn das Ergebnis war eine fast flächige Verteilung der Tusche auf dem Papier. An allen weiteren Tagen habe sie ihren Gangrhythmus dann wohl gefunden. Auf den Blättern sind wie durch Zauberhand kleine abstrakte Hügellandschaften mit Senken und Höhen entstanden, gerade so, wie die Künstlerin das Auf und Ab ihrer Wanderung durch Spessart und Rhön erlebt hat.