Bei der Definition von "Jugend" zeigt sich das "Städtische Jugendblasorchester" als äußerst flexibel: Thomas Reuß, seit Jahren Leiter der Städtischen Musikschule, gibt beim Benefizkonzert zugunsten der Münnerstädter Ukrainehilfe, einen kleinen Einblick in die Statistik. Circa 40 Musikererinnen und Musiker gehören dem Orchester an, "im Alter zwischen neun und 67 Jahren"! Das Publikum staunt, denn wegen der nachempfundenen Landsknechts-Uniform aus dem 17. Jahrhundert sind die Altersunterschiede in dem Orchester nicht auf Anhieb erkennbar.

Aber Jugend im Orchester bedeutet auch die Zahl der Übungsjahre und zum anderen die Frische, die beim Musizieren an den Tag gelegt wird. Joachim Schwigon ist da ein Beispiel. Vor drei Jahren ist er als Schulleiter des hiesigen Gymnasiums in den Ruhestand gegangen, bekam zum Abschied eine Lerneinheit für Tuba an der Mürschter Musikschule geschenkt, hat fleißig geübt und ist jetzt Teil des Jugendorchesters. Er ist nicht der Einzige, der den Altersschnitt etwas hebt, jedoch ein swingendes Beispiel dafür, wozu Musikbegeisterung führen kann.

Alle hatten die Chance für einen Auftritt

Das Frühjahrskonzert in der Mehrzweckhalle des Sportzentrums war für die fast 300 Gäste eine Veranstaltung, die eindeutig vermisst wurde und eine Motivation für alle, die ein Instrument lernen. Das Team um Thomas Reuß hat sich auch mächtig ins Zeug gelegt, um allen Mädchen und Jungen, die im Orchester ausgebildet werden, die Chance eines Auftritts zu geben. Was jedoch zum Ende - um 22.33 Uhr - der über dreistündigen Veranstaltung einige Kinder in den Armen ihrer Mütter trotz bestem Musikgenusses einschlafen ließ.

Erst seit Jahresbeginn konnte das Jugendblasorchester annähernd wieder wie vor der Pandemie proben. Die Bläserklasse der Grundschule hatte nach der Gründung im September 2021 ihren ersten Kurzauftritt und begeisterte unter anderem - dank verstärktem Schlagzeugeinsatz - mit der Rockversion von "Hänschen klein".

Ebenfalls seit September letzten Jahres probt das Vororchester der Musikschule, das sind die "Neuen" die ihren Weg ins große Ensemble suchen und auch finden. Vier Stücke brachte das Vororchester zur Aufführung, plus einer Zugabe mit Mitmach-Effekt "We will rock you" war zwei Mal zu hören. Die Bläserklasse und das Vororchester werden von André Degand geleitet.

Fast 2000 Euro gesammelt

Bürgermeister Michael Kastl (CSU) war sichtbar erleichtert, dass das Frühjahrskonzert stattfinden konnte: "Jetzt zeigen sie endlich, was sie können!" Und die musikjugendlichen Spielerinnen und Spieler ließen sich das nicht zweimal sagen. Mit fast schon professioneller Disziplin ging es an die Werke, die da Marschmusik beinhalteten, Träumereien über den Flug der Störche -"Adebars Reise" - oder Walzertakte von Josef Strauß. In der großen Finalrunde kamen noch Medleys aus der großen Zeit von Simon und Garfunkel und der Neuen Deutschen Welle aus den Achtzigern dazu.

Bereits zu Beginn des Konzertabends forderte Bürgermeister Kastl mit herzlichen Worten die Spendenbereitschaft der Besucherschar für die Münnerstädter Ukrainehilfe ein. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn 1957,32 Euro fanden den Weg in die Instrumentenkästen am Ausgang. Vorher erzählte Reinhold Heppt, der Initiator der Münnerstädter Initiative, über die Motivation und die Herangehensweise des Projektes.

Der Lieblingsmarsch von Vater Michael Kastl, der "Hohenfriedberger", hätte bestimmt auch in die Ohren seiner jüngsten Tochter dringen können. Doch die zog ein Schläfchen vor. Sichtlich zufrieden gingen Eltern, Onkel und Tanten, Opas und Omas, zahlreiche Mitglieder der Ukraine Initiative und musikbegeisterte Konzertbesucher nach Hause.