Drei offene Ställe mit rund 1000 Hühnern am östlichen Ortsrand von Kleinwenkheim, an der Straße nach Großwenkheim, ziehen oft das Interesse von Autofahrern auf sich. Vor allem wenn sie aus der Stadt kommen und Kinder an Bord sind, halten sie für ein paar Minuten an, um das Federvieh zu bestaunen. Die ständig scharrenden und gackernden Hühner und laut krähenden Hähne gehören dem Landwirtschaftsmeister Andreas Schlembach, der auch Schafe hält und seine Produkte wie Eier, Schaffleisch oder Hähnchen im eigenen Bauernladen vermarktet.

Ein kleiner Teil der Hühner wird in Zukunft zeitweise auswärts gackern und Eier legen, denn Schlembach verleiht Hühner. Dafür hat er sich extra einen fahrbaren kleinen Stall angeschafft. Er bekam dafür aus dem Regionalbudget der NES-Allianz 2021 einen ordentlichen Zuschuss. Die weithin sichtbare Aufschrift "Demo-Stall für Kinder" an dem Stall macht deutlich, was Andreas Schlembach plant: Er will damit zum Beispiel Kindergärten oder Schulen die Landwirtschaft und die Hühnerhaltung nahebringen. Aber auch zum Beispiel Seniorenheime können sich bei ihm für maximal zwei Wochen den Anhänger mieten, natürlich samt den dazu nötigen Hühnern.

Eine Anleitung, wie man die Hühner hält, gibt es natürlich auch. Zwar passen laut Hersteller 25 Hühner in seinen Stall, aber er will es aus Platzgründen doch lieber bei 15 belassen. Wer bei ihm den Demo-Stall mietet, muss sich in dieser Zeit natürlich um die Pflege der Hühner kümmern. Das gehöre dazu, um einen Einblick in die Hühnerhaltung zu bekommen. "Die Eier, die die Hühner in dieser Zeit legen, dürfen die Mieter natürlich behalten", sagt Andreas Schlembach. Ob er damit ein großes Geschäft machen kann? "Mehr als 15 Euro oder so pro Woche kann ich kaum verlangen, da ist an Geschäft nicht viel drin. Mir geht es vor allem darum, etwas für die Kinder zu tun", rechnet er vor.

Zum offiziellen Start des Hühnerverleihs waren Bürgermeister Michael Kastl (CSU) und Hannah Braungart, die Allianzmanagerin der NES-Allianz, nach Kleinwenkheim gekommen. Braungart erklärte, um was es geht: Mit dem Ziel, eine eigenständige und aktive eigenverantwortliche ländliche Entwicklung zu unterstützen und die regionale Identität zu stärken, fördert die NES-Allianz mit dem sogenannten Regionalbudget wieder kreative und innovative Kleinprojekte. 100 000 Euro Fördergelder standen für 2021 dafür zur Verfügung, von denen 90 Prozent der Freistaat bezahlt, die übrigen zehn Prozent müssen die Gemeinden aufbringen.

Antragsschluss für 2021 war Ende Februar. "Mit dem Regionalbudget wird das ehrenamtliche Engagement vor Ort gefördert und dazu beigetragen, unsere NES-Allianz als Lebens-, Arbeits-, Erholungs- und Naturraum zu sichern und weiterzuentwickeln", betont die Allianzmanagerin. Bei der Auswahl der Kleinprojekte habe die NES-Allianz im Jahr 2021 besonders die Interessen von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt, "dazu passt das Projekt von Andreas Schlembach natürlich besonders gut".

Förderfähig seien grundsätzlich nur Kleinprojekte, mit deren Durchführung bei der Antragstellung noch nicht begonnen wurde. Dabei dürfen die Kosten 20 000 Euro netto nicht übersteigen. Bis zu 80 Prozent der Nettokosten, maximal aber 10 000 Euro pro Projekt, können bezuschusst werden. Die NES-Allianz fördert in diesem Jahr insgesamt 17 Projekte, das von Andreas Schlembach ist das erste, das abgeschlossen ist.

Bürgermeister Michael Kastl lobte diese kreative Idee, auch wenn sie auf den ersten Blick "etwas spinnert" sei. Damit könne man besonders den Kindern die Landwirtschaft nahebringen. Deshalb sei es wichtig, dass es die Regionalbudgets gibt, um so etwas zu fördern. Dass diese Idee so "spinnert" nicht ist, zeigt ein Blick ins Internet. Dort gibt es in der Suchmaschine Google fast 3600 Einträge allein unter dem Stichwort "Hühnervermietung". Die NES-Allianz ist ein Zusammenschluss von 14 Städten und Gemeinden. Mit Ausnahme von Münnerstadt gehören sie alle zum Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld. Ihren Sitz hat die Allianz in Bad Neustadt an der Saale.