Sie sehen aus wie Sonnenbrillen, sind aber 3D-Brillen. Die Operateure und die OP-Pfleger im Thoraxzentrum tragen sie, wenn sie sogenannte Schlüsselloch-Operationen an der Lunge vornehmen. Ein Videoturm ist die neueste Investition des Bezirks Unterfranken in der Münnerstädter Lungenfachklinik. An zwei Großbildschirmen können die Chirurgen jeden ihrer Handgriffe in dreidimensionaler Darstellung und in mehrfacher Vergrößerung bei bester Auflösung sehen.

Von der videoassistierten thorakoskopischen (vats) Operation profitieren Ärzte wie Patienten, erläutert Chefarzt Dr. Boris Kardziev. Eingesetzt wird die Technik auch bei Tumorpatienten, denen Teile der Lunge entfernt werden (Lobektomie). Damit erhöhe sich die Sicherheit für die Patienten, betont Dr. Aljaž Hojski. Der Mediziner ist neuer leitender Oberarzt in der Thoraxchirurgie und hat europaweit eine hohe Reputation auf dem Gebiet der thoraxchirurgischen Eingriffe mittels der Schlüsselloch-Operation.

120 000 Euro hat der Videoturm gekostet. Die Investition sei wichtig, um in der Thoraxchirurgie auf modernstem Niveau zu bleiben, betonte Dr. Boris Kardziev. "Wir wollen unseren Patienten immer das Neueste bieten", so Kardziev. "Wir leben vom guten Ruf", ergänzt Betriebsleiter Jürgen Oswald.


600 Operationen im Jahr

Bei der Präsentation des Videoturms betonte Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel, dass der Bezirk um die überregionale Bedeutung der Klinik wisse und bestrebt sei, diese zu stärken. Dass sich Investitionen wirtschaftlich lohnen, unterstrich der Bezirkstagspräsident. "Unsere Kliniken machen uns große Freude". Die Betriebsergebnisse machte ein nachhaltiges Wirtschaften möglich.

85 Prozent aller operativen Eingriffe im Münnerstädter Thoraxzentrum betreffen Lungenkrebs. Bei Krebs sei eine individualisierte Behandlung sehr wichtig, erläuterte der Chefarzt. Dazu trage auch die Anschaffung dies Videoturms bei. Rund 600 operative Eingriffe werden im Thoraxzentrum pro Jahr durchgeführt.

Oberarzt Aljaž Hojski erläuterte, dass in fast 80 Prozent der Tumor-Operationen an der Lunge ein minimal-invasiver Eingriff möglich ist. Die Vorteile für den Patienten seien erheblich. Für die Operationen sind nur kleine Schnitte nötig. "Die Patienten haben dadurch weniger postoperative Schmerzen", so Hojski. Insgesamt sei der Eingriff weniger belastend für den Organismus und damit auch weniger gefährlich für Patienten. Davon würden vor allem auch ältere Menschen profitieren.

Die Neuinvestition spare auf Dauer dem Gesundheitssystem Kosten, ist sich das vierköpfige Chirurgenteam der Klinik sicher. Die Patienten sind nach einem minimal-invasiven Eingriff schneller wieder auf den Beinen. Komplikationen seien seltener.