340 Besucher bei einem Konzert - das hat es schon lange nicht mehr gegeben. Umso mehr genossen die Münnerstädter an diesem lauen Sommerabend das Konzert des Heeresmusikkorps Veitshöchheim. Mit einem Jahr Verspätung konnte die Veranstaltung nun auf dem Münnerstädter Marktplatz stattfinden. Eigentlich hätte das Orchester bereits 2020 zum 1250-jährigen Jubiläum der Stadt spielen sollen.

Und auch für die Musiker des Heeresmusikkorps war es ein ganz besonderer Tag. Denn erstmals seit weit über einem Jahr konnten sie ein solches Gastspiel geben. Corona hatte das seit März 2020 unmöglich gemacht. "Endlich mal wieder", meinte der Dirigent und musikalische Leiter des Heeresmusikkorps, Oberstleutnant Roland Kahle. In den letzten eineinviertel Jahren konnten die Musiker, wenn überhaupt, nur in kleinen Besetzungen auftreten. Alleine schon wegen der Abstandsregelungen auf der Bühne ist es schwierig, Bühnen zu finden, wo das Gesamtorchester auftreten kann. In Münnerstadt bot der Marktplatz ausreichend Fläche für die 45 Musiker. "Wir werden es genießen", meinte Roland Kahle vor Konzertbeginn.

Auch das Publikum hat den Abend genossen. "War das wieder einmal schön", konnte man am Ende des fast zweistündigen Konzerts hören. Im Gepäck hatte das Orchester dieses Mal Marschmusik aus mehreren Jahrhunderten. Der Abend war deshalb eine Zeitreise durch die Geschichte der Militärmusik. Roland Kahle gab ausführliche Erläuterungen nicht nur zu den Musikstücken, sondern auch zur Entwicklung dieses Genres.

Von der Hofmusik zur Filmmusik

Trommler und Pfeifer, wie man sie auch aus dem Heimatspiel kennt, gehörten ebenso zu den Marschrhythmen wie Kompositionen von Beethoven oder von Franz Schubert der Militärmarsch Nr. 1. Es gebe Märsche für fast jeden Anlass, erläuterte der Dirigent, so auch Trauermärsche. Im Gedenken an die in den vergangenen Jahrzehnten bei Einsätzen gefallenen Soldaten wurde das Lied vom guten Kameraden auf Trompete angestimmt. Die Besucher erhoben sich von ihren Plätzen. "Das sind wir unseren Kameraden schuldig", meinte der Dirigent. In diesem besinnlichen Teil gab es eine Erstaufführung. Roland Kahle hat den Trauermarsch für Napoleon Bonaparte von Adolphe Adam für das Orchester neu arrangiert. In Münnerstadt war die Interpretation erstmals zu hören.

Und natürlich spielten die Musiker die schmissige und zackige Marschmusik, wie sie viele Freunde konzertanter Blasmusik lieben. Ein echter Klassiker dieses Genres war der Königgrätzer Marsch. Der Kärntner Liedermarsch traf ebenso den Geschmack des Publikums wie der Fehrbelliner Reitermarsch. Bravorufe waren am Ende der Stücke aus dem Publikum zu hören. Bei diesen wuchtigen Klängen war der ganze Marktplatz wirklich nur noch von Musik erfüllt. Bei ruhigeren Stücken oder den Erklärungen Kahles mischte sich der Sound der Neuzeit - Autoverkehr und Gaststättengemurmel - unter die Klänge des Konzerts.

Mit dem amerikanischen Nationalmarsch "Stars and stripes forever" leitete das Orchester schließlich in die jüngere musikalische Vergangenheit über. Wie bis heute diese Musikgattung präsent ist, zeigten Filmmusiken der vergangenen Jahrzehnte.

Kurz vor 22 Uhr, als sich die Dunkelheit langsam über den Marktplatz senkte, endete das Konzert mit drei Zugaben. Das Frankenlied und die Deutschlandhymne bildeten den Abschluss des Konzerts.

Erlös für die Musikschule

Bürgermeister Michael Kastl lobte den Einsatz des städtischen Kulturteams und der Musikschule bei der Vorbereitung und der Durchführung der Veranstaltung. Das Ambiente am Marktplatz spreche für sich, meinte Michael Kastl. "Es war uns wichtig, ins Herz der Stadt hineinzugehen". Der Aufwand, der durch die strengen Coronaregeln groß war, habe sich gelohnt, fand Michael Kastl. "Es war wirklich mit viel Aufwand verbunden", bestätigt Kilian Düring vom Stadtmarketing. Doch es gab viel ehrenamtliche Unterstützung, erzählt er. Das Konzept habe gepasst. "Wir sind sehr zufrieden", betont Kulturmanager Nicolas Zenzen auf Anfrage dieser Zeitung am Mittwochmorgen.

Gelohnt hat sich das Konzert auch für die städtische Musikschule. Denn zu ihren Gunsten spielten die Musiker des Heeresmusikkorps. Knapp 3300 Euro erbrachte der Erlös.