Es ist ein äußerst schwacher Trost. Die erste Aufführung des Heimatspiels "Die Schutzfrau von Münnerstadt", die traditionell am letzten Sonntag im August stattfindet, wäre ohnehin ausgefallen, weil es in Strömen geregnet hat. Als klar war, dass es bis 31. August wegen der Corona-Pandemie keine Großveranstaltungen geben wird, hat die Vorsitzende der Heimatspielgemeinde, Claudia Kind, in Absprache mit ihrem Vorstandskollegen die ersten zwei Spieltage abgesagt. Für den dritten allerdings, am 13. September, sollte es eine Alternative geben. Daraus wurde aber nichts. Nun hat sich das Team im Schloss etwas einfallen lassen. Am Sonntag, 13. September gibt es ein "Lesen und lesen lassen spezial" auf dem Anger vor dem Heimatspielhaus.

"Wir haben jeden Tag darüber nachgedacht", sagt Claudia Kind. "Du stehst damit auf und gehst damit ins Bett." Die Verantwortlichen wollten nicht gleich alle drei Spieltage absagen. Beim letzten sollte es etwas geben, was trotz Corona durchführbar ist. Denn an eine normale Aufführung war nicht zu denken, weil beim Heimatspiel bis zu 200 Darsteller auf und um die Bühne stehen. Ein Mindestabstand ist so nicht einzuhalten. "Wir wollten uns das so lange wie möglich offen halten, um flexibel zu sein", sagt die Vorsitzende. Und weil sie wegen der sich ständig ändernden Lage nicht planen konnten, sollte die Vorbereitungszeit so gering wie möglich sein. "Wir wollten gern etwas machen."

Deshalb hat Claudia Kind das Stück komplett umgeschrieben und einen Erzähler eingearbeitet. Der sollte die Geschichte vortragen und die Darsteller hätten sich dabei kurz dem Publikum präsentiert. Das sei möglicherweise auch eine Alternative für die Zukunft, fand Claudia Kind. Aber die meisten Heimatspieler lieben ihr Stück wie es ist. "Die Alternative kam überhaupt nicht an", musste die Vorsitzende feststellen. "Wir haben verschiedene Varianten diskutiert." Franz Wüst, ein Urgestein des Heimatspiels, hat sich dann auch noch eingebracht und eine weitere Variante erarbeitet. Danach sollten einige Passagen vorgelesen, andere spartanisch dargestellt werden.

"Wir haben hin und her überlegt und sind zu dem Schluss gekommen, wie lassen es ganz." Claudia Kind hat dann die Mitglieder informiert. "Zum einen wäre die organisatorische Durchführung mit allem, was dazu gehört und der Probenplan mit der favorisierten Alternativversion sehr ambitioniert, zum anderen spüren wir auch, dass sich viele unserer Mitglieder das Heimatspiel nur in seiner ursprünglichen Form wünschen", stand darin geschrieben. "Wir möchten vermeiden, dass wir uns jetzt große Mühe machen und einen großen Aufwand betreiben und dann doch alles absagen müssen."

Damit ist die komplette Saison im Eimer, Geld nimmt die ohnehin nicht mit Reichtum gesegnete Heimatspielgemeinde heuer nicht ein. Und Festkosten , beispielsweise für Versicherungen bleiben. Es hält sich aber in Grenzen. "Wir haben gleich im März entschieden, auf jede Werbung zu verzichten", sagt Claudia Kind. Die verursacht immer recht intensive Kosten. "Das hätte uns das Genick gebrochen", ist sie überzeugt. "Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr mit allen Aktivitäten wieder voll durchstarten können. Aber vielleicht wäre es jetzt an der Zeit zu versuchen, Theater und Veranstaltungen für kommende Jahre auch mal anders zu denken, auch wenn wir hoffen, dass wir es in Zukunft nicht müssen!", hat sie an die Heimatspieler geschrieben.

So ganz ist die Geschichte hier aber nicht zu Ende. Denn es gibt ja auch noch das Team im Schloss. "Wir fanden es schade, den Termin sang- und klanglos verstreichen zu lassen", meint Kulturmanager Nicolas Zenzen. "Daher haben Kilian Düring und ich uns in Absprache mit dem Vorstand der Heimatspielgemeinde dazu entschlossen, zum Termin der dritten Aufführung eine Sonderausgabe von ,Lesen und lesen lassen' zu veranstalten."

Geplant ist, verschiedene Texte des Heimatspieldichters Ludwig Nüdling vorzulesen. Neben der "Schutzfrau" verfasste Pfarrer Nüdling weitere Volksschauspiele, aber auch zahlreiche Gedichte und Erzählungen. "Ich freue mich sehr über die Initiative der Stadt und hoffe, dass die Veranstaltung bei den Menschen auf Interesse trifft", sagt Claudia Kind, dazu. Termin und Ort der Lesung entsprechen der dritten Aufführung der "Schutzfrau", das heißt: Sonntag, 3. September, 14.30 Uhr, am Anger vor dem Heimatspielhaus.