Erbschleichen gilt als delikates Verhalten. Eigentlich! Nicht so, wenn ein prominentes Mitglied der Stadtgemeinde ins immaterielle Kulturerbe der bayerischen Unesco-Landesliste einsteigen möchte. Nicolas Zenzen, Museumsleiter und Kulturmanager der Stadt Münnerstadt kündigte während der Jahreshauptversammlung der Heimatspielgemeinde Münnerstadt an, in der bald beginnenden Saison der "Schutzfrau von Münnerstadt" auf der Bühne stehen zu wollen.

Die 44 anwesenden Heimatspielerinnen und Heimatspieler hatten gerade die Neuwahlen - alles beim Alten - hinter sich und wussten auch schon durch Franz Wüst, wann es mit den Proben ernst werden würde.

Hauch von Sensation

Da war dann plötzlich dieser Hauch von Sensation, der dem Spiel und dem Drumherum immer Mal die Würze verleiht. War es im letzten Jahr am ersten Spieltag ein Feuerwehreinsatz während der Aufführung vor dem Heimatspielhaus, so sind es manchmal die Besetzungen die Spannung auslösen können.

Das Stück, das die Errettung Münnerstadts durch eine Marienerscheinung im Dreißigjährigen Krieg beschreibt, ist eine Legende, die von Ludwig Nüdling erdichtet und die seit 1927 mit zeitlichen Unterbrechungen mindesten dreimal im Jahr aufgeführt wurde.

Für Unesco: Nachhhaltige Aufführungsmöglichkeit sicherstellen

Die Unesco, eine Unterorganisation der Vereinten Nationen, hat 2003 das immaterielle Weltkulturerbe geschaffen. Im Jahr 2013 ist Deutschland dem beigetreten und Bayern hat darauf eine eigene Bestandsliste geschaffen.

Vor dem Kulturerbekomitee mussten die Beteiligten, die Münnerstadts Heimatspiel in die Liste bringen wollten, einiges sicherstellen. Sie mussten unter anderem glaubhaft darstellen, dass eine nachhaltige Aufführungsmöglichkeit gesichert ist, so führte es Nicolas Zenzen nochmals den Versammelten vor Augen.

Gute Zukunft der Heimatspielgemeinde.

Angesichts der zuversichtlichen Stimmung im Saal, dem gut aufgestellten Vorstand mit Claudia Kind, 1.Vorsitzende, Andreas Trägner, 2. Vorsitzender, Kassenwart Wolfgang Joa und Schriftführerin Carolin Schwarz, stehen die Zeichen auf eine gute Zukunft der Heimatspielgemeinde.

Die Mitglieder des 95-jährigen Vereins sind seit Jahren bemüht, das gesellschaftliche Leben in der Stadt zu bereichern. Zum Beispiel, indem die Mitglieder leckere Kuchen backen und die Vereinigung deshalb im Laufe des Jahres immer wieder zu Beteiligung an Veranstaltungen eingeladen wird.

Das hilft den notwendigen Ausgaben, doch: "Natürlich ist das anstrengend und sollte auf noch mehr Schultern verteilt werden", meinte dazu die Vorsitzende Claudia Kind. Auf jeden Fall wirkten sie bereits am Ostermarkt erfolgreich in der Alten Aula mit. Beim Stadtfest, beim Studiengenossenfest und beim Weihnachtsmarkt ist der Verein wieder gefordert. Richtig ernst wird es dann am am 28. August, sowie am 4. Und 11. September, wenn die Aufführungen laufen.

1001 Besucherinnen und Besucher

1001 Besucherinnen und Besucher gab es 2018 beim Heimatspiel. Das will das Team in diesem Jahr übertreffen. Am Kassenstand soll es nicht liegen. Die Kasse ist, dank einer vereinsinternen Spendenaktion während der Coronapause, gut gefüllt. "Mein Münnerstadt im Frankenland, leg an dein schönstes Festgewand!" - in diesem Jahr mit einem gebürtigen Schwarzwälder im Heimatspielkostüm.