In der Stadtpfarrkirche in Münnerstadt sollen die Sanierungsarbeiten im Chorraum weitergehen. Dazu musste ein weiteres Kunstwerk der Kirche seinen angestammten Platz verlassen. Das mächtige Barockgemälde "Noli me tangere" wurde abgehängt und wird in einer eigens dafür erstellten Einhausung beziehungsweise Kiste bis zum Ende der Arbeiten in der Stadtpfarrkirche aufbewahrt.

Bei dem Bild handelt es sich um ein früheres Altarbild mit einer Höhe von fast fünf Metern und einer Breite von 3,10 Metern. Entsprechend schwierig war es, das Bild abzuhängen.

Das Gemälde muss weichen, weil im Chorraum zum einen die Wände gereinigt werden sollen, zum anderen auch Elektroarbeiten anstehen, bei denen mit Staubentwicklung zu rechnen ist. Das Bild soll vor einer weiteren Verschmutzung geschützt werden.

Das monumentale Werk wurde um 1650 von dem Bad Neustädter Maler Hans Caspar Haas geschaffen. Es war die Zeit, als die Münnerstädter Teile des Riemenschneideraltars verkauften, um einen den Zeitgeist entsprechenden Barockaltar in die Stadtpfarrkirche zu bringen, erläutert Stadtpfarrer P. Markus Reis. Die österliche Darstellung, als der auferstandene Christus Maria Magdalena am Grab erscheint, wurde das zentrale Bildnis für den neuen Altar, nachdem die Riemenschneider´sche Maria Magdalena wohl nicht mehr zeitgemäß war.

Kein Geld für die Gemälde-Restaurierung

Doch auch das Gemälde entsprach irgendwann nicht mehr dem Zeitgeist und war dann lange Jahre eingerollt auf einem Dachboden, weiß der Münnerstädter Restaurator Stefan Lochner. Erst bei der letzten Kirchenrestaurierung wurde das Bild wieder in die Kirche zurückgeholt und an seinen heutigen Platz gebracht.

Eigentlich müsste auch dieses Gemälde restauriert werden. Doch im Rahmen der laufenden Restaurierung fehlt dafür das Geld, erläutert P. Markus Reis. Überlegungen dazu hatte es bereits vor mehreren Jahren gegeben. Doch alleine die Voruntersuchungen hätten Kosten in Höhe von 7000 bis 9000 Euro betragen. Deshalb wurde die Restaurierung zurückgestellt.

Jetzt soll sich zumindest nicht noch weiterer Staub auf dem Bild ablagern. Um auch das Kirchenschiff vor Schmutz zu schützen, wird voraussichtlich noch im Juni ein Schutzgerüst den Chorraum von der restlichen Kirche abtrennen.

Schwieriger ist es mit den gerade erst im Zuge der Kirchensanierung vom Schimmel und Staub gereinigten Buntglasfenstern. Die können nicht ausgebaut werden. Sie müssen komplett verhängt werden, um einen bestmöglichen Schutz zu bekommen. Weshalb vor den Arbeiten an den Glasfenstern nicht zuerst die staubintensiven Maßnahmen geplant worden waren, kann P. Markus Reis nicht sagen. Im Bauzeitenablauf habe sich die Kirchenverwaltung auf die Expertenmeinung verlassen. Glücklich sei er nicht, dass es so kurz nach der Fensterreinigung wieder Staub gibt, gesteht er ein. Die Elektroarbeiten sind ausgeschrieben. Die Submission stehe an. Die liturgische Gestaltung des Chorraums ist in Auftrag gegeben. Nicht beibehalten werden kann wohl der Zeitplan, bis zu dem der Riemenschneideraltar wieder zu sehen sein wird. Noch im Frühjahr hatte man gehofft, dass bis zum September die wertvollen Riemenschneiderfiguren zurück in die Kirche kommen werden. Dieses Ziel scheint nicht zu halten zu sein.

Die Kirchenrenovierung der Stadtpfarrkirche läuft in zwei Bauabschnitten. Der erste beinhaltete eine Dachsanierung im Nordteil des Kirchenschiffes sowie die Reinigung der durch Schimmelbefall gefährdeten historischen Glasfenster. Die ursprünglich im 2. Bauabschnitt vorgesehene liturgische Neugestaltung des Chorraums mit Reinigung der Wände wird vorgezogen, um den Riemenschneideraltar möglichst zeitnah wieder im Gotteshaus sehen zu können. Wann der zweite Teil der Restaurierungsarbeiten - sie betreffen das Kirchenschiff - beginnen kann, ist noch offen.