Für Autofahrer ist es jedes Mal ein unangenehmes Gefühl, von der Freiherr-von-Lutz-Straße auf den Schindberg (Kissinger Straße/B 287) abzubiegen. "Es ist der Wahnsinn", meint Peter Balthasar, der hier regelmäßig vorbeifährt. Jede zweite Ausfahrt sei ein Vabanquespiel. Und wie bestellt kommt gerade ein kleiner Traktor, der Richtung Stadt abbiegen will. Kaum einen Meter in die Bundesstraße gefahren, muss der Trekkerfahrer, so schnell es geht, den Rückwärtsgang einlegen und zurückstoßen. Er hat einen von unten kommenden Pkw gerade rechtzeitig gesehen. Eine fast alltägliche Szene. Dieses Mal ist es gut gegangen.

Nur kurz später rollt eine große Radlergruppe heran, die in die Altstadt radeln möchte. Peter Balthasar schickt sie zurück. Sie sollen lieber die Fußgängerunterführung nehmen. Zu ihrer eigenen Sicherheit. Anlieger erzählen immer wieder von Beinahe-Unfällen, die sie in diesem Bereich wegen der schlechten Einsehbarkeit der Einmündung selbst erlebt haben. Zwei schwere Verkehrsunfälle in kurzem Abstand haben die Behörden dazu veranlasst, sich wieder einmal näher mit der Problematik zu befassen.

Schon viele Versuche

Ein auffälliger Unfallschwerpunkt sei der Kreuzungsbereich dennoch nicht, das betonen sowohl Konstantin Arnold vom Staatlichen Bauamt in Schweinfurt, als auch Stefan Haschke, der Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Bad Kissingen. Ein Sorgenkind ist der Einmündungsbereich dennoch seit Jahren. Immer wieder beschäftigt er die Behörden. Thema in all dieser Zeit: die schlechte Sicht für Abbieger aus der Freiherr-von-Lutz-Straße. Versuche, eine Besserung herbeizuführen, hat es oft gegeben. Perfekt war keine Lösung. Vor zehn Jahren wurde beispielsweise eine provisorische Verkehrsinsel an der Ausfahrt der Freiherr-von-Lutz-Straße gebaut, die für Besserung sorgen sollte. Sie steht bis heute. Auch ein Stoppschild wurde aufgestellt. Diskutiert wurde sogar schon über eine Ampellösung.

Die Freiherr-von-Lutz-Straße mündet an einer Brücke in die B 287. Die Brücke, eine Überführung der Bahnlinie, ist mit einem Geländer versehen, das wie ein Blickschutz wirkt. Im weiteren Verlauf versperrt aktuell wie eigentlich in jedem Sommer hochgewachsenes Buschwerk die Sicht in die Straße. Wer abbiegt, erkennt erst im letzten Moment, ob ein vorfahrtsberechtigtes Fahrzeug von links kommt. Besonders spät werden kleine Pkw oder Motorräder registriert. Denn sie ragen kaum über das Brückengeländer hinaus. Sind die Pkw dazu noch grau weiß oder dunkel, wird das Erkennen noch problematischer.

Die schlechte Sicht ist die eine Sache. Viele Abbieger klagen zudem über hohe Geschwindigkeiten, mit denen stadtauswärts auf der Kissinger Straße gefahren wird.Häufig wird das Fahrzeug nach dem Ortsschild schon beschleunigt, obgleich ein Verkehrszeichen noch Tempo 50 vorschreibt. Einen eindeutigen Hinweis auf den gefährlichen Mündungsbereich gibt es nicht.

Rückschnitt empfohlen

Als Unfallschwerpunkt sei dieser Straßenbereich dennoch bislang nicht aufgefallen, so Stefan Haschke. Doch nach den zwei Verkehrsunfällen in der jüngsten Zeit habe sich die Polizei die Situation vor Ort nochmals genauer angesehen. Stefan Haschke bestätigt die Unübersichtlichkeit an dieser Stelle. Als erste Soforthandlung rät die Polizei zu einem Rückschnitt der angrenzenden Grünstreifen. Das solle zeitnah geschehen und bietet nach Ansicht der Polizei dann kurzfristig Abhilfe.

Die Sichteinschränkung kommt aber sehr stark vom dicht bewachsenen Bahndamm her. Nach Informationen aus der Stadt darf hier jedoch nicht einfach die Säge angesetzt werden.Will die Stadt hier Zurückschneiden, muss sie dies beantragen. Die Arbeiten selbst müssen von einem Mitarbeiter der Bahn begleitet werden, um den Zugverkehr nicht zu gefährden. Das erschwert die Situation. Das alles braucht dann Zeit.

Neben dem Rückschnitt der Hecken schlagen Stefan Haschke und der Verkehrsbeauftragte der Bad Kissinger Inspektion, Florian Heuring, vor, dass sich die Verkehrskommission erneut mit dem Einmündungsbereich befasst. In dem Gremium kommen Vertreter der Straßenlastträger, der Verkehrsbehörden und der Polizei zusammen und erörtern Verkehrsprobleme beziehungsweise suchen Wege, diese zu lösen.

Das ist auch das Ansinnen von Konstantin Arnold vom staatlichen Bauamt in Schweinfurt. "Man muss sich das nochmals angucken", ist seine Auskunft. Arnold bestätigt ebenfalls, dass die Situation in diesem Bereich ungünstig ist. Die Sicht sei alleine schon durch das Brückengeländer eingeschränkt. Bezüglich der Frage, ob in diesem Streckenabschnitt der B 287 zu schnell gefahren werde, meint Konstantin Arnold, dass theoretisch 50 gilt.

2. Bürgermeister Andreas Trägner begrüßt, dass sich die Behörden die Situation am Schindberg ansehen wollen. Er selbst meide diese Ausfahrt, soweit es geht. Andreas Trägner überlegt, ob es sinnvoll wäre, am Münnerstädter Ortsausgang Richtung Bad Kissingen eine Geschwindigkeitsmesstafel aufzustellen, die auf das Tempolimit hinweist. Von diesen Tafeln hat die Stadt mehrere angeschafft. Nutzt dies nichts, müsste das Einhalten der Geschwindigkeitsregeln kontrolliert werden, findet Trägner.