Zwischen 6000 und 7000 Besucherinnen und Besucher haben das Stadtfest nach groben Schätzungen von Kilian Düring, dem städtischen Fachmann für Stadtmarketing und Tourismus, an den drei Tagen besucht. Genaue Zahlen lassen sich schwer ermitteln, denn alle gebotenen Programmpunkte waren kostenfrei. "Wir sind sehr zufrieden", ist die Bilanz von Bürgermeister Michael Kastl.

Sehr gut angenommen wurde neben den Musikveranstaltungen am Anger vor allem auch der erstmals organisierte Kindertag am Samstagnachmittag. "Er ist eingeschlagen wie eine Bombe", so Kilian Düring. Positiv sind die Erfahrungen mit dem ersten Stadtstrand am Marktplatz. Es sei ein wichtiger Kontrast im Programm gewesen, bilanziert Michael Kastl. Für ihn war dieses spontan entwickelte Angebot auch eine Erfahrung dafür, "was man auf dem Platz so machen kann". Dass das Experiment Stadtstrand gelungen ist, sei vor allem ein Verdienst des Jugendreferenten Adrian Bier und seiner Clique. Die jungen Leute seien Feuer und Flamme gewesen für die Idee, so Düring. Eigentlich hätte zum Fest an dieser Stelle ein Autoscooter stehen sollen. Krankheitsbedingt hatte der Schausteller absagen müssen. Die Lücke füllte man mit dem Sandstrand. Auch wenn dieser eine gute Alternative war, ganz verzichten möchte Kastl bei künftigen Stadtfesten nicht auf einen Autoscooter. Vielleicht lasse sich ja beides zusammen verwirklichen, so seine erste Überlegung in Richtung künftiger Stadtfeste.

Wenig zu tun für den Sicherheitsdienst

Stress mit dem feiernden Publikum gab es nach Angaben von Kilian Düring nicht. Es sei ein friedliches Miteinander gewesen, freut er sich. "Wenn sich das Rote Kreuz und der Sicherheitsdienst langweilen, sei es ein gelungenes Fest", stellt er fest. Froh sind die Organisatoren, dass auch die Anwohner das Fest ohne Klagen mitgetragen haben.

Sehr gut angekommen sei die von städtischen Mitarbeiterinnen gebastelte Tischdekoration, berichtet Kulturmanager Nicolas Zenzen. Sie gefiel sogar so sehr, dass am Ende des Festes von den 150 dekorierten Schmuckkränzchen nur noch 30 übrig geblieben sind. "Die Kränzchen standen einigen Besucherinnen als Kopfschmuck sehr gut", schmunzelt Zenzen. Pech ist das nur für die Studiengenossen. Sie hätten die Tischdeko auch gerne für ihr Fest benutzt. Aber Nachschub sei schon in Sicht, kündigten die Vertreter der Stadt an.

Ohne den ehrenamtlichen Einsatz von Ehrenamtlichen wäre ein Stadtfest nicht zu stemmen. Die Stadt würdigt den Einsatz der Vereine und ihrer Helferteams ausdrücklich. Es sind Gruppierungen wie der TSV oder der Sportfischerclub Münnerstadt, die mithalfen, dass eine solche Großveranstaltung überhaupt möglich ist.

"Wir sind auf solche Einnahmen angewiesen", sagt Thomas Klemm vom Sportfischerclub Münnerstadt. Rund 10.000 Euro Fixkosten hat der Club im Jahr. Die Gewässerpacht an Saale und Lauer muss finanziert werden. Fast drei Jahre lang hatte der Verein aber keine Möglichkeit, Einnahmen zu generieren. Deshalb war man froh, sich am Anger um die Bewirtung kümmern zu können. Es war ein hartes Stück Arbeit. Dass dies die Mitglieder bewerkstelligt haben, "macht mich stolz", stellt Klemm fest. Rund 18 Helfer pro Schicht waren im Einsatz. "Als Verein sind wir sehr zufrieden mit dem Stadtfest".

Bereits am kommenden Wochenende geht es weiter. Am Samstagabend steht der Club mit seinem Essensstand im Schlosshof, um beim Studiengenossenfest dafür zu sorgen, dass keiner hungrig bleibt.

Gestiegene Kosten

Den Kostenrahmen für das Stadtfest von 29.000 Euro habe man nicht ganz halten können, erläuterte Bürgermeister Kastl auf Anfrage dieser Zeitung. Teurer wurde das Event durch die spontane Entscheidung, den Wegfall des Autoscooter durch den Stadtstrand am Marktplatz wettzumachen. Rund 3000 Euro zusätzliche Aufwendungen sind durch die Beschaffung von Sand, die Leihgebühren für das Strandmobiliar sowie den Personalaufwand angefallen. Ein politisches Nachspiele habe das nicht, versichert Kastl. Der Stadtrat sei vorab per Mail über die Kostenentwicklung informiert worden.

Ob die Stadt Münnerstadt auch 2023 angesichts der erwarteten Kostenexplosionen in vielen Lebens-Bereichen ein solches Stadtfest finanziell überhaupt noch stemmen kann, darüber will Bürgermeister Michael Kastl derzeit keine Prognose wagen. "Wir müssen im nächsten Frühjahr sehen, ob wir es uns noch leisten können". Grundsätzlich ist er allerdings der Meinung, dass ein solches Fest wichtig ist. Es müsse auch was zum Feiern geben und nicht nur Sorgen.