Zwei historische Ziehbrunnen existieren noch im Münnerstädter Ortsteil Kleinwenkheim. Einst brachte deren Existenz der Gemeinde den Beinamen "Puszta-Dorf" ein. Denn tatsächlich kennt man heute solche Brunnen eher von Bildern aus Ungarn. Überlebt haben zwei dieser Brunnen, weil sie nach Auffassung von Ortsreferent Oliver Jurk für die Bevölkerung zwei Erinnerungsstücke aus der guten alten Zeit sind. Damit dies so bleibt, sollen die Brunnen in den nächsten Wochen abgebaut und grundlegend saniert werden. Denn das Holz sei morsch, sagt Oliver Jurk.

"Bevor etwas passiert, sollten Brunnen saniert werden", meint Oliver Jurk. Es sind die sogenannten hölzernen Schwingbäume, die morsch geworden sind. Auch Bürgermeister Michael Kastl sieht Handlungsbedarf, nachdem eine Überprüfung die Mängel bestätigt hatte. "Wir müssen schnell ran", sagt er. Der Stadtrat stellte daraufhin die nötigen Gelder - es sind 27.000 Euro - zur Verfügung. Anträge für eine Förderung wurden an das Landesdenkmalamt sowie an den Bezirk Unterfranken gestellt.

Die Anfrage, die Brunnen zu sanieren, habe es bereits im Jahr 2021 gegeben, erläutert Bürgermeister Michael Kastl. Nachdem alle offenen Fragen dazu geklärt waren, folgte jetzt der Beschluss. Die Sanierung hält er für wichtig. Die Brunnen seien ortsbildprägend. Solche Objekte müssten erhalten werden. Kastl geht davon aus, dass die Brunnen noch vor dem Winter abgebaut werden.

Hinweise aus der Chronik

Die beiden Ziehbrunnen stehen in der Denkmalliste und werden in das 18. oder 19. Jahrhundert datiert. In der Kleinwenkheimer Chronik von Wendelin Volk vom Jahr 1988 findet sich ein Eintrag zu den Brunnen. 1835 wurden demnach fünf solcher Ziehbrunnen in Kleinwenkheim gezählt. Sie trugen die Namen Vells-Brünn, im Eck, Kirchbrünn, Gassenbrünn und Hennersbrünn. "Dem Wunsch der kgl. Regierung, diese Ziehbrunnen in Pumpbrunnen umzuwandeln, kam die Gemeinde nicht nach," heißt es in der Chronik. Grund war dem-nach, dass man schon einmal mit einem Pumpbrunnen schlechte Erfahrungen hinsichtlich der Wasserqualität gesammelt hatte und andererseits glaubte, dass ein Ziehbrunnen bei einem Feuer zügiger Löschwasser liefern könnte. Mit Hilfe des langen Schwingbaumes konnte ein Wassereimer in den Brunnen hinabgelassen und dann mit Wasser gefüllt nach oben befördert werden.

Wasserleitungsbau ab 1969

Bis zur endgültigen Fertigstellung der Wasserleitung 1971 versorgten sich die Kleinwenkheimer über Haus- und Hofbrunnen, manche auch noch über einen Pustza-Brunnen, ist in der Chronik nachlesbar. So erfährt man, dass 1956 der Gemeinderat beschlossen hatte, dass auf den Gemeindebrunnen beim Pfarrhaus zum Entnehmen von Wasser eine Schwengelpumpe statt "der bisherigen, etwas schwierig zu bedienenden Klein-Pußta-Anlage" errichtet wird. Im Oktober 1963 beschloss das Gremium die Planung einer zentralen Wasserversorgung. Drei Jahre später stimmte man dem Anschluss an die Münnerstädter Wasserversorgung zu. Die Erdarbeiten für die zentrale Wasserleitung erreichten laut Chronik 1969 Kleinwenkheim.

Als Wasserspender dienen die Brunnen längst nicht mehr, sagt Oliver Jurk. Heute sind sie lediglich eine ortsbildprägende Zierde. Vor Ostern werden sie immer festlich geschmückt, erklärt Oliver Jurk.