In Münnerstadt gibt es Befürchtungen, eine Krankheit könnte sich unter den Kaninchen-Beständen ausbreiten. Im Maital sind mehrere tote Wild-Kaninchen aufgetaucht, und auch Hauskaninchen seien vereinzelt verendet. Beim Veterinäramt in Bad Kissingen hat man allerdings keine aussagekräftigen Informationen darüber, dass es in Münnerstadt eine auffallende Anzahl an verendeten Tieren gibt. Es gab nur eine Anfrage der Stadt.
Fakt scheint, dass in diesem Jahr die Kaninchen-Population sehr groß ist. Gerade im Maital, weiß der Münnerstädter Stadtrat und Jäger Hubert Holzheimer, gibt es besonders viele dieser Langohren. Kaum ein Spaziergang, bei dem in diesem Sommer kein Kaninchen über den Weg gehoppelt ist. Und Kaninchenbauten sind überall zu entdecken.
Auch im Garten einer Familie am Schindberg tummelten sich die possierlichen Nager bis noch vor wenigen Wochen. Als das Ehepaar dann von einem dreiwöchigen Urlaub zurückkam, waren die Tiere verschwunden. Dafür hat ihr Hund in den letzten Tagen schon sieben Kadaver von Kaninchen angeschleppt, die auf unerklärliche Weise im Garten gestorben sind.


Noch nichts bemerkt

Aktuell findet der aufmerksame Wanderer am Säuberg Kadaver. Einer liegt direkt auf dem Wanderweg, ein anderer etwas abseits davon. Wie lange die Überreste schon dort verwesen, ist schwer zu sagen, weil die sommerliche Wärme den Zerfall sehr schnell voranschreiten lässt.
Der Stadtrat Hubert Holzheimer hat von dem möglichen Kaninchensterben schon gehört. Es sei bereits in einer Anfrage im Stadtrat thematisiert worden, weiß er. Er selbst hat jedoch von einer möglichen Seuche nichts bemerkt. Allerdings sei in seinem Jagdrevier der Kaninchenbestand lange nicht so hoch wie im Maital. Holzheimer weiß aber, dass es zwei Seuchen gibt, die Kaninchen befallen und den Bestand stark dezimieren können. Auch bei Hauskaninchen sollen in Münnerstadt erste Todesfälle aufgetreten sein. "Die Tiere fressen abends noch ganz normal, und am nächsten Morgen liegen sie tot im Stall", so eine Betroffene.
Deshalb hat nach der Anfrage im Stadtrat die Ordnungsamtsleiterin Ursula Schorler auch beim Staatlichen Veterinäramt nachgefragt, ob es dort mehr Informationen über eine mögliche Ausbreitung einer Kaninchenkrankheit gibt.
Dr. Thomas Koy vom Staatlichen Veterinäramt in Bad Kissingen ist auf jeden Fall nicht bekannt, dass es derzeit einen Seuchenzug gibt, erklärt er auf Anfrage dieser Zeitung. Es könne sich um eine lokale Erscheinung handeln. Einziger Hinweis auf die Krankheit sei bislang nur eine Anfrage. Jagdpächter oder sonstige Betroffene hätten sich nicht gemeldet. Allerdings gibt es für diese Tierart auch keine Meldepflicht bei auftretenden Seuchen.


Veterinäramt informieren

Auch Dr. Helmut Fischer, der Vorsitzende des Bad Kissinger Jägervereins, hat bislang ebenfalls nur davon gehört, dass vermehrt Kaninchen sterben sollen. Aber es gebe bislang außer einem Verdacht keine Hinweise auf eine Seuche. Klarheit würde nur die Untersuchung eines Kadavers verschaffen, so Fischer. Er rät, in solchen Fällen das Veterinäramt zu verständigen, damit ein Kadaver auf Krankheiten untersucht werden kann. Nur das bringe letztendlich Gewissheit. In Frage kämen nur zwei Virusinfektionen, die Kaninchen betreffen, eine davon ist die China-Seuche.
Kaninchenzüchter, die auf Ausstellungen gehen, müssten ihre Tiere gegen diese Krankheit ohnehin impfen lassen, erklärt Helmut Fischer. Auf Menschen und andere Tiere ist die Krankheit auf jeden Fall nicht übertragbar.