Vor 30 Jahren wurden sie belächelt - heute werden sie gelobt: Der Naturlandhof Derleth in Salz feierte am Samstag "30 Jahre Ökolandbau". Michael Derleth blickte in seiner Begrüßung auf seinen Urgroßvater zurück, dessen Leitspruch von 1825 über der Tür angebracht ist. Er erinnert daran, dass dem jeweiligen Hausherrn eigentlich nichts gehört, denn er gibt alles wieder an die nächste Generation weiter. Der Gedanke an die Kinder und dass die Erde für sie erhalten bleiben muss, brachte Alfred und Margit Derleth 1989 zum Umdenken. Sie stellten ihren Betrieb auf "Öko" um.

Distelverseuchte Felder voller Unkraut wurden Alfred Derleth vorhergesagt - nichts davon ist eingetroffen. "Ich hatte das Glück, nach meinem Studium einen laufenden Bioland-Betrieb übernehmen zu können", berichtete Michael Derleth, der den Hof seit 2005 leitet und seit 2009 auch die Landwirtschaft von Maria Bildhausen übernommen hat. Aus einem Nebenerwerb wurde somit wieder ein Vollerwerb, wie schon beim Uropa.

70 Lkw-Ladungen Dünger gespart

"Ökologischer Landbau ist mehr als das Weglassen von Kunstdünger und Spritzmitteln, man lebt mit der Natur", so Michael Derleth. Zehn Prozent der Felder dürfen "nebennaus gehen", ist seine Devise, das sei bei konventionellen Bauern auch so. Gespart hat er inzwischen 2,3 Millionen Liter Spritzmittel und 70 Lkw-Ladungen voller Kunstdünger, rechnete er vor. Dankbar ist er für die Unterstützung durch seine Familie, den regen Informationsaustusch mit den Kollegen und die Treue der Mitarbeiter und Kunden.

Als Vertreter des "Naturland e. V." erinnerte Eberhard Räder an die Lage vor 30 Jahren, als mit Vollgas produziert und ganze Butterberge gelagert worden seien. Für den Mut und den Weitblick der damaligen Biobauern könne man sich nur bedanken, so Räder, der eine Urkunde überreichte. Heute sei die Politik gefragt. Wenn weniger Fleisch gegessen wird, könne man mehr Menschen ernähren, so Räder. Rund 20 Prozent der Erzeugung wird für Energie verbraucht. Großes Lob zollte er dem Betrieb Derleth mit dem Getreide- und Kartoffelanbau, dem Hofladen und den Hühnermobilen.

Landrat Thomas Habermann bedankte sich bei der Familie für das vorbildliche Engagement und erinnerte an die aktuellen Diskussionen. Man müsse zusammenhalten und emissionsfreier arbeiten. Man könne auch erfolgreich sein, wenn man ethischen Grundsätzen folgt und achtsam arbeitet.

Auf Behutsamkeit und Achtsamkeit ging auch Paul Knoblach, MdL und Naturland-Ansprechpartner für Rhön-Grabfeld, ein. Mehrmals sei schon vor Jahrzehnten bei Konferenzen und von Buchautoren darauf hingewiesen worden, dass die Grenzen der Erde bald erreicht sind. Er überreichte ein Grundgesetz in Broschüren-Form, in dem auch im Artikel 20a die Verpflichtung zum Erhalt der Lebensgrundlagen und der Tiere verankert ist.

Bürgermeister Martin Schmitt lobte den Betrieb, der als Nahversorger und als Bildungsstätte für die Kinder für die Gemeinde von großer Bedeutung sei. Stefan Fella überbrachte die Grüße des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Michael Diestel die des BBV, gemeinsam mit Kreisbäuerin Margit Ziegler. Den Erfolg des Biohofs Derleth sieht Diestel vor allem aufgrund des Zusammenhalts der Familie, der Neugierde und der Offenheit für Neues. "Bis heute seid ihr Pioniere", sagte Diestel. Die Probleme der Welt könne man nur gemeinsam lösen. Margit Ziegler überreichte eine Medaille des Bauernverbands.