500 Mitarbeiter produzieren bei Nipro PharmaPackaging Germany in den zwei Münnerstädter Werken hochwertige Glasspritzen und Glasprodukte für die pharmazeutische Industrie. Weltweit kommen die Produkte aus Münnerstadt zum Einsatz. Doch ihre Erzeugung erfordert einen hohen Energieeinsatz. Vor welche Herausforderungen stellen die Verteuerung und drohende Knappheit von Energie das Unternehmen? Diese Fragen hat Geschäftsführer Markus Maßmann beantwortet.

Die Glas verarbeitende Industrie hat einen sehr hohen Energiebedarf. Wie sehr treffen Ihr Unternehmen die dramatisch gestiegenen Energiepreise bereits jetzt?

Markus Maßmann Die Lage auf den Strom und Gasmärkten ist dramatisch: die Strompreise für 2023 sind aktuell auf des 15-fache des Preisniveaus der vergangenen Jahre gestiegen, der Gaspreis auf das 11-fache. Leider muss die Industrie jetzt auch noch die Gasumlage in voller Höhe als zusätzliche Last tragen. Viele unserer Kunden werden die volle Weitergabe dieser Kostensteigerungen nicht akzeptieren; also droht uns wirtschaftlich ein schweres Jahr.

Können Sie in diesem Winter noch im vollen Umfang produzieren? Gibt es einen Krisenfahrplan im Falle eines akuten Gasmangels?

Das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur stellen klar, dass die Gasversorgung weiter stabil ist, und aktuell hat die Bundesnetzagentur verkündet, dass sich die Füllstände der deutschen Gasspeicher deutlich besser als erwartet gestalten.

Darüber hinaus ist im Rahmen der Vorbereitungen für einen möglichen Stopp von Gaslieferungen aus dem Ausland von der Bundesnetzagentur uns betreffend keine Abschaltreihenfolge diskutiert oder gar festgelegt worden. Wir gehen daher fest davon aus, unsere Produktion wie geplant in vollem Umfang weiter zu betreiben.

Produkte mit Priorität

Zählt Nipro als Hersteller pharmazeutischer Gläser zu den systemrelevanten Unternehmen, die bei Lieferengpässen dennoch beliefert werden würden?

Am 20. Juli 2022 hat dazu die EU-Kommission in ihrem Kriterienkatalog für den Fall der Gasknappheit Hersteller von pharmazeutischen Produkten explizit als prioritär bezeichnet. Wir als Hersteller von hochwertige Glasspritzen und Glasflaschen für die pharmazeutische Industrie sehen uns ganz eindeutig in dieser Kategorie.

Gibt es für Sie überhaupt Einsparmöglichkeiten im Energieverbrauch?

Selbstverständlich gibt es auch bei uns immer Einsparmöglichkeiten, ein konkreter Aktionsplan für den Kurz-, Mittel-, und Langfristbereich existiert und ist auch in der Umsetzung. Produktivitätsverbesserungen, mit denen auch meist Energieeinsparungen einher gehen, spielen - sei es im Produktionsalltag oder durch aktuelle Neuinvestitionen - stets eine tragende Rolle.

Neue Photovoltaikanlage

Ist der Einsatz alternativer Energien im Unternehmen bereits ein Thema?

In der Tat ist es das: Wir versorgen uns bereits mit einem sehr hohen Prozentsatz mit alternativer elektrischer Energie,

am augenscheinlichsten ist die gerade diesen Monat fertig installierte Photovoltaikanlage auf den Dächern im Werk I;

eine weitere Erweiterung der Photovoltaikanlage auch für Werk II ist aktuell in Vorbereitung. Zukünftig wird auch der weitere Einsatz von Wasserstoff als Ersatz für Gas in Betracht gezogen.

Sind Ihrer Meinung nach staatliche Hilfen zur Stützung der Produktion notwendig?

Derzeit zielt das beschlossene Entlastungspaket überwiegend auf private Haushalte ab. Wir erkennen das Bestreben, den Bürgern und Bürgerinnen rasch zu helfen. Aber wir sehen erhebliche Mängel im Maßnahmenpaket für unsere Industrie. Wir erwarten daher, dass die Belange der Glas verarbeitenden Industrie mit aller Kraft geschützt werden. Dazu wäre meiner Meinung nach unter anderem eine Kofinanzierung der Strom-Übertragungsnetzentgelte ein zielgerichteter Ansatz.

Aktuell wirbt Nipro ja auf Plakaten im Stadtgebiet um neue Mitarbeiter. Könnte die Entwicklung auf dem Energiemarkt die Expansion unter Umständen gefährden?

Glücklicherweise sind unsere Kunden weiterhin sehr an den Produkten von Nipro aus Münnerstadt interessiert. Wir gehen daher auch in diesem äußert schwierigen Umfeld davon aus, unsere weitere Expansion am Standort in Münnerstadt wie geplant voran treiben zu können.