Die Figur der Maria Magdalena hat für Münnerstadt eine besondere Bedeutung, denn von ihr hat der Würzburger Bildhauer Tilman Riemenschneider vor 500 Jahren für den Hochaltar der Stadtpfarrkirche ein außergewöhnliches Schnitzwerk geschaffen. Bis heute ist die Heilige Patronin von Kirche und Pfarrei. Und bis heute ist das Leben der Heiligen ein Mysterium. Früher war sie für die Kirche Vorbild als reuige Sünderin. Heute gilt sie vielen als moderne Frau und als eine Begleiterin Jesu.

Den Pariser Künstler George Charbonnier interessiert die biblische Person der Maria Magdalena in all ihren Facetten. Er hat sie deshalb als zeitlos aktuelle Persönlichkeit in einer biblisch-österlichen Szene gemalt. Das Bild hängt jetzt im Münnerstädter Pfarrheim. George Charbonnier hat es der Pfarrgemeinde gestiftet. Wie es dazu kam, erzählte er bei einem Besuch in Münnerstadt.

George und Christiane Charbonnier sind mit dem Münnerstädter Ehepaar Herbert Schießer und Elisabeth Mehler befreundet. Deren Tochter Johanna hat vor 14 Jahren, nach ihrem Abitur, für einige Zeit bei den Charbonniers in Paris gelebt und dort eine Sprachschule besucht. Aus den französischen Gasteltern wurden damals Freunde der ganzen Familie. Bis heute hält man regelmäßig Kontakt.

Bei einem seiner Besuche in Münnerstadt hatte der praktizierende Christ George Charbonnier auch die Stadtpfarrkirche besichtigt und dort die mittelalterliche Darstellung der Maria Magdalena gesehen, eine Kopie der Riemenschneiderfigur, die im Original im Münchner Nationalmuseum ausgestellt ist. Und er hatte erfahren, dass die Pfarrei und das Gotteshaus die Heilige zu ihrer Patronin gewählt haben. Das hat ihm gefallen. Er wollte der Gemeinde ein Magdalenenbild aus heutiger Zeit stiften.

Viele religiöse Motive

Zuhause in Paris ist der ehemalige Kameramann eines französischen Fernsehsenders seit mehreren Jahren ein passionierter Maler. Er malt vor allem persönliche Interpretationen religiöser Themen, Landschaften oder auch Portraits. "Maria Magdalena am Ostermorgen" ist eines seiner Bilder. "Ich finde Maria Magdalena gut", sagt er. Sie sei eine moderne Frau. Das gefällt ihm an der Heiligen. Zum Malen kam er eher durch Zufall.

Nach einer beschwerlichen Reise per Lkw, Flugzeug und Paketdienst kam das Bild vor einigen Monaten in Münnerstadt an. Damals war eine persönliche Übergabe wegen der Corona-Pandemie nicht möglich. Zwischenzeitlich hat das Bild seinen Platz im Versammlungsraum des Pfarrheims gefunden. Und endlich gab es für George Charbonnier dank der Corona-Lockerungen die Möglichkeit, sich persönlich bei Stadtpfarrer P. Markus Reis vorzustellen. Dieser wiederum nutzte die Gelegenheit, sich nun persönlich für das Geschenk zu bedanken. Im Versammlungsraum habe es einen zentralen Platz gefunden, der regelmäßig von den Gemeindegremien und bei Veranstaltungen genutzt werde, erklärte er bei einem Glas Wein. So könne das Gemälde von vielen Besuchern betrachtet werden. P. Markus berichtete weiter, dass er schon über das Bild und seine Aussage in Gottesdiensten gepredigt habe. Das Bild habe ihn dazu in die Gotteshäuser der Filialgemeinden begleitet.

Die Maria Magdalena von George Charbonnier gibt es mittlerweile auch als Postkarte. Ein ganzes Paket davon brachte der Künstler bei seinem Besuch in Münnerstadt mit und übergab dies an P. Markus Reis. Die ersten Postkarten finden bereits im Gottesdienst am Sonntag (24. Juli) Verwendung. Das ist der Patroziniumstag der Stadtpfarrkirche. Jeder Besucher erhält im Gottesdienst eine Postkarte als Geschenk.

Viele seiner Bilder hat der französische Künstler an kirchliche Einrichtungen gespendet. Auf seinem Smartphone zeigt er ein Portrait von Abbé Pierre, dem Gründer der Emmaus-Bewegung, die sich vor allem in Frankreich, aber mittlerweile auch in Deutschland und vielen anderen Ländern für Menschen, die in Armut leben, einsetzt. Auch ihn hat der Künstler gemalt. Das Bild hängt in einer Kirche in Esteville (Normandie). In dem kleinen Ort hat der in Frankreich auch nach seinem Tod noch hoch geschätzte Abbé Pierre seine letzte Ruhestätte gefunden.