Uwe Hübner ist mit seiner einmotorigen Junkers im Gepäck aus Jena zum stressfreien Flugtermin auf den Startplatz nahe der Straße nach Greßthal gekommen. "Mich faszinieren die Geschichten, die hinter solchen historischen Flugzeugen stehen", sagt er. In seinem Modell hockt ein Ehepaar am Steuer. Hübner erzählt von einem Flug nach Australien, zu dem ein Ehepaar Ende der 20er Jahre aufbrach. Kurz vor dem australischen Festland sei die Junkers ins Meer gestürzt. Das Ehepaar jedoch konnte noch gerettet werden.

"Bruchpiloten" sind auch die Mitglieder der Modellsportgruppe (MSG) Hammelburg. So bezeichnen sie sich zumindest selbst in Anlehnung an die Komödie "Quax, der Bruchpilot" mit Heinz Rühmann.

Die Modellflugzeuge haben zumeist einen Elektromotor, der von einem Lithium-Ionen-Akku gespeist wird. Die Vorbilder reichen von den abenteuerlichen Anfängen der Fliegerei bis hin zu modernen Jets. Beliebt sind Modelle aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, als der "Rote Baron" noch im Doppeldecker flog.

Bei Ralph Dietrich aus Nürnberg hat das amerikanische Postflugzeug "Jenny", das für den Einsatz als Kampfflugzeug im Zweiten Weltkrieg zu träge war, Gefallen gefunden. Sein Nachbau im Maßstab 1:6 hebt sich nahe der Windräder stolz in die Lüfte.

"Einfühlsamkeit in die Flugzeugmaterie, Hintergrundwissen und Ahnung von der Aerodynamik sind gefragt", erklärt Christian Joppich aus Sindelfingen. Der Einstieg in die Welt der Modellflieger sei leichter als in den vergangenen Jahren: Ob aus Holz oder Kunststoffschaum - die Modelle können fertig oder als Bausatz gekauft werden und sind in kurzer Zeit schon für kleines Geld in der Luft. Spaß an der Montage und am Fliegen hat auch der Hammelburger Peter Hold. Er bevorzugt zeitgemäße Vorlagen, wie zum Beispiel das Kunstflugmodell "Curare" oder einen Hubschrauber, der einen Rotorkreis von zwei Metern hat.

"Wir sind glücklich über die Lage unseres Fluggeländes", sagt Mathias Nöth von der MSG. Fern von allen Häusern und abseits des Straßenverkehrs fliegen die Modelle ferngesteuert über die Felder und Wiesen. Nein, mit den Landwirten gebe es kein Problem, bestätigt Nöth - selbst wenn ein Flieger mal ins Feld stürzen sollte. Nöth: "Auch ein Meister fällt irgendwann vom Himmel."

Wer sich für den Modellflug interessiert, kann jeden ersten Dienstag im Monat um 20 Uhr den Stammtisch im Hammelburger Gasthaus "Zum Hirschen" besuchen. Auch Jugendliche seien im Club hoch willkommen, betont MSG-Vorsitzender Werner Vierheilig.