In normalen Jahren heißt es für das Städtepartnerschaftskomitee Bad Kissingen Anfang Juni regelmäßig Koffer packen, Fahrzeuge beladen und zu nachtschlafender Zeit nach Vernon aufbrechen, denn jedes Jahr findet in Bad Kissingens französischer Partnerstadt zum ersten Juniwochenende das Stadtfest " Foire de Vernon ", zu Deutsch die Vernonmesse statt.

Mit der Corona-Pandemie jedoch waren Veranstaltungen oder Reisen in den vergangenen zwei Jahren auch für das Städtepartnerschaftskomitee kaum möglich. Die Fahrt nach Vernon, der traditionelle Bad Kissinger Stand auf dem Fest und die Begegnungen zwischen den Bürgern beider Städte, die schon längst zu guten Freunden geworden sind, blieben aus. Um so größer war die Freude, als den Verein im Frühjahr schließlich die Nachricht erreichte, dass die Vernonmesse in diesem Jahr wieder stattfinden sollte, berichtet Michael Eber, Vizepräsident des Städtepartnerschaftskomitees Bad Kissingen.

Trotz einer deutlich kürzeren Planungsphase, erhöhtem Organisationsaufwand aufgrund der Corona-Regeln sowie technischen Problemen mit einem Fahrzeug vor der Abfahrt gelang es schließlich, mit einem verkleinerten Team von 17 Mitfahrenden pünktlich nachts um 3 Uhr am 2. Juni in die Normandie aufzubrechen. Die Gruppe unter der Leitung von Eber, der in diesem Jahr erstmals bei der Organisation von Vernonbeirat Peter Hinz unterstützt wurde, hatte wie immer zahlreiche Köstlichkeiten aus der fränkischen Heimat im Gepäck, darunter Bratwürste, Weißwürste, Kreuzbergbier und Frankenwein.

Herzlicher Empfang

Dass sich alle Strapazen der vorangegangenen Wochen gelohnt haben, merkte das Team schnell bei seiner Ankunft in der Partnerstadt. Nach der zweijährigen Zwangspause fiel der Empfang der französischen Freunde und das gegenseitige Wiedersehen um so herzlicher aus, schließlich fand der Kontakt in den letzten Jahren wie so oft überwiegend digital statt. Dass die Teammitglieder wie bisher üblich auch in diesem Jahr wieder in Gastfamilien untergebracht werden konnten, war daher eine besonders große Freude, berichtet Eber.

Die Freude über das Wiedersehen war über das gesamte Fest zu spüren. Zahlreiche Stammgäste der letzten Jahre kamen an den Stand der Bad Kissinger und freuten sich über das gemeinsame Miteinander und die besondere Atmosphäre nach der langen Coronazeit. Viele spannende Gespräche, zahlreiche Begegnungen zwischen den Bürgern aus Vernon und Bad Kissingen und die gute Stimmung am Stand entschädigten das Team schließlich auch für den ein oder anderen sehr heftigen Wolkenbruch während des Festwochenendes, so Eber.

Welche Bedeutung Städtepartnerschaften und ihr Beitrag zur Völkerverständigung haben, daran erinnerten Michael Eber und Peter Hinz mit Verweis auf den anhaltenden Krieg in der Ukraine in ihrer gemeinsamen Rede beim europäischen Abendessen, das traditionell von Seiten der französischen Gastgeber ausgerichtet wird. "Das alles hatten wir schon einmal", so Eber, "Heute ist daraus ein friedliches Europa entstanden. Städtepartnerschaften leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass aus einstigen Gegnern Freunde und aus Nachbarn Brüder werden."

Kühlanhänger zurückgelassen

Die Freundschaft, die aus der Partnerschaft zwischen Vernon und Bad Kissingen seit mittlerweile 62 Jahren aktiver Städtepartnerschaft entstanden ist, konnte das Team auch in diesem Jahr wieder jeden Tag auf eine besondere Weise spüren. Diese Freundschaft lässt am Ende auch vergessen, dass der Neustart nach Corona nicht immer reibungslos verlief und schließlich sogar der Kühlanhänger aufgrund eines technischen Defekts auf halber Strecke zurückgelassen werden musste. Und eines ist dem Team heute schon klar: sollte es auch im nächsten Jahr möglich sein, wird es mit Sicherheit wieder einen Kissinger Stand auf der Vernonmesse geben, berichtet Eber.