Ein Blick genügt und Robert Goll stellt fest: Das Auto steht falsch. Es parkt an der Bushaltestelle in der Theresienstraße im absoluten Halteverbot. Schon zückt er seinen Block, notiert Kennzeichen und Uhrzeit. Prompt kommt ein Bus angefahren. Zum Glück muss dieser nicht anhalten. Wieder blickt Goll auf die Uhr, holt diesmal den Strafzettelblock hervor und startet das Gerät in seiner Hand. Mittlerweile hat sich wegen des Falschparkers ein kleiner Stau gebildet. Da kommt die Fahrerin des Wagens angelaufen. "Bin schon da", ruft sie aufgeregt. "Hier an der Bushaltestelle dürfen Sie nicht halten oder ihr Fahrzeug abstellen", sagt er. Sachlich und mit ruhiger Stimme, ohne den Hauch eines Vorwurfs. "Oh, Entschuldigung. Ich habe nur schnell etwas abgegeben", antwortet die Frau, setzt sich ins Auto und braust davon. Robert Goll steckt seinen Block wieder ein und setzt seine Runde fort.

Etwa acht Kilometer wird er heute zu Fuß auf seinem Kontrollgang durch die Innenstadt zurücklegen. "Wenn ich draußen in den Stadtteilen unterwegs bin, können es auch schon mal 15 Kilometer werden", erklärt der 46-Jährige. Oftmals fährt er dabei auch noch mit dem Bus.

Einige hundert Meter weiter in der Theresienstraße überprüft er als nächstes drei parkende Fahrzeuge. Im ersten liegt ein Parkschein. "Der hat noch Zeit", stellt Goll nach dem Blick auf die Uhr fest. Das zweite Fahrzeug erfordert schon mehr Aufmerksamkeit. Der Uniformierte setzt seinen Scannerblick auf, geht um das Fahrzeug herum. Doch einen Parkschein kann er nicht entdecken. Schließlich muss die Technik helfen. Goll gibt das Kennzeichen in das Gerät ein, das sein ständiger Begleiter ist. Es dauert kurz und schon bekommt er eine Rückmeldung. "Das Auto hat einen Parkschein per App gelöst", stellt er zufrieden fest. Bleibt schließlich noch das dritte Fahrzeug. Da weder elektronisch noch am Automaten ein Parkschein geordert wurde, muss Goll nun einen Strafzettel ausstellen, den ersten des Tages. Zusammengerollt klemmt er das Knöllchen am Scheibenwischer fest. Weiter geht's.

In der Bachstraße muss der Mitarbeiter des Bad Kissinger Ordnungsamtes nicht aktiv werden. Alle Fahrzeuge haben Schwerbehindertenausweise und Parkscheiben gut sichtbar auf dem Armaturenbrett liegen. "Wenn ich Sie grad sehe, muss ich doch mal nachfragen, welche Uhrzeit man darauf einstellen darf", spricht ihn plötzlich eine ältere Dame an.


Tüv-Plaketten ebenfalls prüfen

Robert Goll bleibt stehen und erklärt ihr die aktuelle Regelung. "Dankeschön", sagt die Frau und setzt ihren Weg fort. So auch Robert Goll. Nun ist der Parkplatz hinter der "Eule" dran. Auch hier hält er sich nicht lange auf, denn schon auf dem ersten Blick wird klar: Es ist alles okay. "Auch die Tüv-Plaketten passen", sagt er. Seit Neuestem darf er diese mitüberprüfen.

Stressiger wird es allerdings ein paar Minuten später an der Ecke Martin-Luther- / Prinzregentenstraße. Ein Auto steht am Fahrbahnrand der Kreuzung. Zielstrebig geht Goll darauf zu, den Strafzettelblock hält er schon in der Hand. Die Fahrerin steigt aus und fängt sofort das Diskutieren an. Doch Goll lässt sich nicht beirren. Ruhig und sachlich erklärt er ihr das Fehlverhalten. Trotzig steigt die Frau wieder ins Auto ein und fährt weg. "Wenn die Leute pampig werden, kenne ich kein Pardon", sagt er.

Doch Goll hat keine Zeit sich weiter zu erklären. Schon hat er den nächsten Parksünder im Visier. Diesmal steht ein Fahrzeug in der Feuerwehrzufahrt. Auf dem Weg dorthin kreuzt Edgar Kast seinen Weg. "Grüß dich", sagt Goll ohne sich weiter aufzuhalten. Der ehemalige Polizist ist ehrenamtlich bei der Sicherheitswacht tätig. "Ohne Goll und seine Kollegen würde die Stadt im Chaos versinken", ist er überzeugt. Jeder würde dann parken, wo und wie es ihm gefalle. "Zudem kennen sich viele Leute mit den neuen Verkehrszeichen nicht aus", fügt Kast hinzu. Der Beweis folgt prompt - in der Kurhausstraße.

Hier gibt es Kurzzeitparkplätze für Besucher der Touristinformation im Arkadenbau. Ein Auto mit Nürnberger Kennzeichen steht dort sowie der Wagen von Rolf Wilm aus Euerdorf. "Ich warte auf einen Bekannten, der sich drüben informiert", sagt er zu Robert Goll. Der überprüft derweil, ob der Nürnberger die Touristinformation auch wirklich besucht. "Dafür rufe ich meinen Kollegen an, der fragt dort mal nach", erklärt der Ordnungshüter. Bis die Rückmeldung kommt, hat Goll gut zu tun. Eine Dame stürzt, er hilft ihr auf. Dann fragt ein Paar nach dem Weg zum Rathaus. Geduldig gibt er Auskunft.

Rolf Wilm hingegen wird langsam ungeduldig. "Ich fahre lieber auf einen richtigen Parkplatz. Ich glaube, bei meinem Bekannten dauert es länger", sagt er zu dem Uniformierten. Dass es keine Parkplätze mitten in der Innenstadt gibt, bedauert der Rentner sehr. Vor allem, wenn man nicht mehr so gut zu Fuß ist. "Früher konnte man hier am Steigenberger im Parkhaus parken. Da konnte man schnell mal was erledigen."
Doch Robert Goll bekommt das nicht mehr mit. Ein Blick hat genügt, um festzustellen: Wieder steht ein Auto falsch. Wieder im absoluten Halteverbot. Wieder zückt er den Block. Mit Sicherheit nicht zum letzten Mal. Denn ein Ordnungshüter hat immer zu tun.