Der Gelbe Sack füllt sich schneller als vor Corona. Das merken viele. Das liegt unter anderem daran, dass heute mehr zuhause gekocht wird. Die Menschen sind häufiger daheim, Kantinen sind teilweise geschlossen und Gaststättenbesuche unmöglich. Essen to go vom Lieblingsgriechen oder -Italiener sorgt ebenfalls für ein Plus an Verpackungsmüll. Und so füllen sich die Säcke, was am Abfuhrtag in den Straßen gut sichtbar ist. Christine Seger, Chefin des Münnerstädter Entsorgungsunternehmens Seger Transporte bestätigt, dass sich die Zunahme an Verpackungsmüll in den Bereichen, wo das Unternehmen die Entsorgung des Gelben Sackes übernimmt, belegen lässt. Besonders auffällig waren die Steigerungen im ersten Lockdown ab März letzten Jahres.

Da sei die Menge bei der Abfuhr des Gelben Sacks bei ihrer Firma um rund 25 Prozent angestiegen, erklärt Christine Seger. Allerdings habe sich nach Ende der strengen Beschränkungen das Niveau wieder eingependelt, so dass im gesamten Jahr 2020 rund fünf Prozent mehr Verpackungsmüll angefallen sind als 2019. In diesem Jahr, schätzt sie, werde es wohl ähnlich aussehen. An manchen Abfuhrtagen müssen die Teams zweimal fahren, um alle an den Straßen abgestellten Säcke abzutransportieren. Für die Mitarbeiter bedeutet das dann Überstunden.

Die To-go-Verpackungen spielen bei der Zunahme der Menge nach Ansicht Christine Segers ebenso eine Rolle wie die größeren Einkaufsmengen in den Privathaushalten. Außerdem würden viele Waren im Internet bestellt. Die sind alle gut verpackt. Das lässt die Abfallmengen steigen - nicht nur beim Gelben Sack. Die Altpapiermengen sind ebenso größer geworden wegen vieler Kartonagen. "Wir merken den Anstieg in allen Bereichen", sagt Christine Seger.

Die Unternehmerin hat zudem den Eindruck, dass viele Leute ihre freie Zeit dazu nutzen, Wohnungen und Häuser zu renovieren oder eine Entrümpelungsaktion zu starten. Das hat personelle Auswirkungen. Im Kundenbüro des Wertstoffhofes sind zwischenzeitlich zwei Mitarbeiter beschäftigt, weil einfach mehr los ist als früher.

Am städtischen Wertstoffhof in Münnerstadt sind die angelieferten Mengen an Wertstoffen und Sondermüll dagegen auf ähnlichem Niveau wie vor Corona geblieben, so die Auskunft der Stadt Münnerstadt auf Anfrage dieser Zeitung. Etwas anders ist das Bild am städtischen Wertstoffhof in Großwenkheim. Dort wurde seit Beginn der Corona-Pandemie rund doppelt soviel Elektroschrott abgegeben wie zu normalen Zeiten, teilt die Stadt mit.

Dass die Zeit des Lockdowns dafür genutzt wird, in Schränken und Regalen wieder mehr Platz zu schaffen, diesen Eindruck hat die Antiquarin Vanessa Gehring. Sie betreibt am Münnerstädter Anger das Antiquariat "Schätze und Co". Zu ihr kommen Menschen, die ausgelesene Bücher nicht gleich ins Altpapier geben möchten, aber zuhause keine Verwendung oder keinen Platz mehr dafür haben. Vermehrt erreichen sie derzeit Anfragen, an manchen Tagen mehrfach, ob sie aussortierte Bücher annehmen könne.

"Ich muss den meisten absagen", erklärt Vanessa Gehring. Das liegt daran, dass ihr Antiquariat aktuell an die Grenzen seines Fassungsvermögens gekommen ist. Sie bedauert das, weil dann wohl auch viele solcher nicht mehr gebrauchter Bücher im Altpapier landen. Deshalb hofft sie, dass sie den Annahmestopp bald wieder aufheben kann und die Bücher eine zweite Lese-Chance bekommen.