Mit seinem romantischen Liederabend "Halb zog sie ihn, halb sank er hin" setzte der gemeinnützige Verein Cape Classic nach mehrmonatiger Corona-Zwangspause seine im Jahr 2005 begonnene jährliche Konzertreihe zugunsten südafrikanischer Township-Kinder fort, nachdem bereits im Mai ein Konzert hatte ausfallen müssen. Mit ihrer meisterlichen Darbietung ausgewählter Werke von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Franz Lachner und Richard Strauss begeisterten Christoph Eß (Horn), Boris Kusnezow (Klavier) und Katja Stuber (Sopran) im Max-Littmann-Saal, den die Staatsbad GmbH als Mitveranstalter kurzfristig wegen der zwingend einzuhaltenden Abstandsregeln gegen den zu kleinen Rossini-Saal getauscht hatte.

Nun war es gewiss ein für alle gewöhnungsbedürftiger Anblick - für die Konzertbesucher ebenso wie für die drei Weltklasse-Künstler: Statt der sonst in Parkett und Rang des Max-Littmann-Saales passenden 1250 Gäste verteilten sich diesmal wegen der durch die Corona-Hygieneregeln vom Freistaat erlaubten Höchstgrenze nur knapp 150 Zuhörer unter Wahrung des Mindestabstands im viel zu weiten Parkett. Dennoch waren die Künstler für die seltene Möglichkeit dankbar, nach langer Zeit endlich wieder ihr Können vor Publikum zeigen zu können. "Diesen Applaus haben wir einige Monate nicht hören dürfen", dankte deshalb Hornist Christoph Eß (36) den Gästen für ihr Kommen. Dieser Liederabend sei das erste noch vor Corona geplante Konzert, das nicht abgesagt worden sei. "Wir freuen uns riesig."

Trotz aller Freude war es für sie sicher nicht einfach, mit der veränderten Akustik in dem für seine Größe viel zu schwach besetzten Saal umzugehen. Doch gelang ihnen dies ausgezeichnet, zumal Christoph Eß, Boris Kusnezow und Katja Stuber durch mehrmalige gemeinsame Auftritte bereits ein bestens eingespieltes Trio sind, seitdem sie, wie Boris Kusnezow (35) dem Publikum berichtete, "im Jahr 2010 vom Deutschen Musikrat zusammengebracht" wurden. Eine gemeinsame Verbindung haben alle drei auch zum Bad Kissinger Verein Cape Classic, von dem Hornist Christoph Eß bereits 2010, Pianist Boris Kusnezow im Jahr 2013 und noch einmal gemeinsam 2014 mit Sopranistin Katja Stuber in der südafrikanischen Kap-Region für Konzerte engagiert waren. "Es war für uns alle ein Höhepunkt, uns mit den Kindern in den Townships zu treffen", dankte Kusnezow der Vereinsvorsitzenden Gabi Zahn für diese anrührenden Momente.

"Die strahlenden Gesichter der Kinder bei der Spendenübergabe sorgen für Gänsehaut", bestätigte auch Schirmherrin Annelie Puschendorf, förderndes Vereinsmitglied aus Achim bei Bremen, die seit Jahren die Vorsitzende Gabi Zahn zur Spendenübergabe in die Townships begleitet. "Cape Classic hilft den Ärmsten der Armen", warb Puschendorf für die Mitgliedschaft im Verein sowie für Spenden und zitierte dazu den "Urwaldarzt" Albert Schweitzer (1875-1965): "Glück ist das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt."

Durch die Spendenbereitschaft der Mitglieder und Sponsoren hätten seit Beginn der Vereinsaktivitäten im Jahr 2005 bereits 100 000 Euro in verschiedene Förderprojekte in den Townships der Kap-Region investiert werden können, berichtete Vereinsgründerin und Vorsitzende Gabi Zahn in ihrer Begrüßung.

Dass dieser seit Monaten geplante Liederabend trotz Corona hat stattfinden können, war für sie "eine unvorstellbare Freude". Denn lange habe sie gezweifelt, ob sie an der Veranstaltung festhalten oder das Konzert absagen solle. "Doch der Optimismus hat gesiegt."

Mit Blick auf die aktuellen Hygienevorschriften zur Eindämmung der Corona-Pandemie warb sie für weitere Spenden für die Township-Schüler. "Mit unseren Spenden sichern wir ihnen täglich ein warmes Essen und einmal Händewaschen mit Wasser", denn beides sei Luxus in den Townships. Gerade Hygiene sei überlebenswichtig, wie wir gerade selbst am eigenen Leib erfahren müssten. Zahn: "Wir sitzen alle im selben Boot und können nur gemeinsam der Gefahr begegnen."