Ist Karl Heinz Laudenbach, Kriminaldirektor a. D. und Ex-Oberbürgermeister bestechlich? Hat er sich schmieren lassen und die Steuer betrogen? Die Staatsanwaltschaft Würzburg und der Ermittlungsrichter sind davon so überzeugt, dass sie den 56-Jährigen hinter Gitter schickten. Viele Bad Kissinger können es sich nicht vorstellen, dass die schweren Vorwürfe zutreffend sind.

Alfred Wacker (CSU) war Bürgermeister in der Amtszeit Laudenbachs, der aber
lieber Eva-Maria Georgi auf diesem Posten gesehen hätte. "Ich kann es mir gar nicht vorstellen, dass er so etwas macht", sagt Wacker. Er - begründet das mit Laudenbachs Verhalten - "immer korrekt und penibel, er wusste um die Rechtslage und Probleme - und sei schon "sehr erstaunt".

"Volles Vertrauen in die Justiz"

Eva-Maria Georgi zeigt sich "schockiert". Dass Laudenbach am Hotel "Kaiserhof Victoria" beteiligt war, habe sie gewusst. Sein Engagement beim "Fürstenhof " sei ihr nicht bekannt gewesen. Eva-Maria Georgi: "Ich traue dem Karl Heinz Laudenbach auch nichts Kriminelles zu, da müsste er sich um 180 Grad gedreht haben." Laudenbach mache doch so etwas nicht. Sie hat positive Erinnerungen an dessen Amtszeit. Als Oberbürgermeister habe er die Stadt Bad Kissingen vor allem im Ausland hervorragend präsentiert.

Vor Laudenbachs Amtsantritt war Karin Renner Sprecherin der CSU-Fraktion im Stadtrat. Sie sei fassungslos, sagt sie, und wolle ansonsten keinen Kommentar abgeben. Ihre Nachfolgerin als Fraktionschefin wurde Isolde Anstötz. Die frühere Amtsgerichtsdirektorin hat "volles Vertrauen in die Justiz und den Rechtsstaat, der nicht hoch genug geschätzt werden kann." Sie rät: "Abwarten, welches Ergebnis das Ermittlungsverfahren tatsächlich ergibt."

Dass die Vorwürfe gegen Laudenbach stimmen, könne sie sich nicht vorstellen. Das wäre angesichts seines bisherigen Lebenslaufs "völlig unverständlich". Seit 2008 habe sie nur sehr selten Kontakt zum Ex-OB gehabt, sagt Isolde Anstötz. Sie wisse daher auch nicht, was Laudenbach seither beruflich getan hat.

Robert Kiesel war damals der CSU-Kreisvorsitzende. Der Landtagsabgeordnete reagierte ebenfalls überrascht. Er kenne den Sachverhalt nicht, wolle sich daher dazu auch nicht äußern. Nur: "Es gilt die Unschuldsvermutung. Deswegen halte ich mich da raus", sagt Kiesel.

"Ein Mann mit Ecken und Kanten"

Als Bad Kissinger CSU-Vorsitzender (bis 2007) förderte Arnold Kröber Laudenbachs kommunalpolitische Karriere. Er sei "natürlich betroffen, wie viele Menschen in der Stadt auch". Laudenbach kenne er seit dem Herbst 2000. Er habe ihn als Mann mit Ecken und Kanten schätzen gelernt. Dass der "willentlich und absichtlich einen Rechtsbruch begangen haben könnte", könne er sich nicht vorstellen. Kröber begründet das mit Laudenbachs Beruf und Persönlichkeitsstruktur. Als OB müsse man aber manchmal an Grenzen herangehen, um etwas für seine Stadt zu erreichen. Dazu gehöre auch Mut zum Risiko. Das Recht dürfe dabei allerdings nicht gebrochen werden.

Laudenbachs Amtsvorgänger Christian Zoll (SPD) erinnert sich an "so viele Auseinandersetzungen. Da will ich nicht nachkarten: Kein Kommentar."

Allerdings habe man schon 2008 gemunkelt, dass Laudenbach Anteile am Hotel "Kaiserhof Victoria" gehalten habe. Bei dessen Verkauf sei dieser noch Oberbürgermeister gewesen. Dieser Sachverhalt sei aber nicht untersucht worden, so Zoll.

Wenn es um Menschen gegangen ist, war Laudenbach oft nicht zimperlich. Das hat auch der damalige Kurdirektor Sigismund von Dobschütz erfahren müssen. Seine Meinung zur Causa Laudenbach sei "nicht druckreif", sagte er unter Hinweis auf Gerüchte, die in der Stadt kursieren. Er sei "befangen" und äußere sich nicht.

"Habe damit nichts zu tun"

Seit 2009 ist in einem Vier-Sterne-Haus, das auch durchsucht worden ist, Christian Weghofer Geschäftsführer. Er legt größten Wert auf die Feststellung, dass die "Kaiserhof Victoria" GmbH in "keinem Zusammenhang mit den Vorwürfen" gegen den Ex-OB stehe und sei froh, damit nichts zu tun zu haben.

Eduard Lintner, damals CSU-Bundestagsabgeordneter, ist nicht ganz unschuldig daran, dass Laudenbach 2008 auf eine erneute Kandidatur verzichtet hat, obwohl der zunächst antreten wollte. Er habe "volles Vertrauen in die Justiz, die offenbar sehr sorgfältig und seit langem recherchiert hat." Sie werde die Angelegenheit in korrekter Weise zu Ende führen, sagt Lintner.

Nicht erreichbar waren Landrat Thomas Bold (CSU) und Laudenbachs Verteidiger Michael Schulz. Eine große Zeitung zitiert den Schweinfurter Juristen so: "Ich gehe davon aus, dass sich die Vorwürfe nicht in Gänze bestätigen".

Das sieht schon stark nach einer Strafmaß-Verteidigung aus.