Für die Bewohner der kleinen Neubausiedlung am Rande eines kleinen Dorfes in Unterfranken ist der Tag bis heute mit traumatischen Erinnerungen verbunden: Eine Einbrecherbande hatte die Stunde abgepasst, in der die meisten Häuser menschenleer waren, dann fünf Gebäude gewaltsam aufgebrochen und ausgeräumt. Eine Sache von Minuten. Der Sachschaden war weit größer als die Beute, die psychischen Folgen lassen sich gleich gar nicht beziffern.

Die Lehre aus diesem Fall, der leider kein Einzelfall ist: Einbrecher suchen sich ihre "Opfer" gezielt aus, und die gängigen Türen und Fenster sind für sie nicht wirklich ein Hindernis. Sie fummeln weder mit Dietrich noch mit Glasschneider herum, sondern verschaffen sich meist mit brachialer Gewalt Zugang.

Doch auch das lässt sich verhindern. Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft und die Kriminalpolizei berichtet, dass in Deutschland durchschnittlich alle vier Minuten ein Einbruch stattfindet, beziehungsweise versucht wird. "Denn in etwa der Hälfte der Fälle bleibt es tatsächlich beim Versuch, die Einbrecher brechen ab, weil sie auf unerwarteten Widerstand stoßen oder sich beobachtet fühlen oder gestört werden", weiß die Polizei.

Klassen der Widerstandsfähigkeit

Für den Widerstand gegen Brechstange und Co. gibt es wie für fast alles Normen, auf die man beim Kauf achten sollte. Die Klassifizierung nach DIN EN 1627 für neue Fenster und Türen ist seit 2011 europäisiert. Damit wurde die deutsche Bezeichnung Widerstandsklasse (WK) durch den Begriff Resistance Class (RC) ersetzt. Die Norm prüft die Widerstandsfähigkeit von verschiedenen Bauteilen und kennt sieben Klassen:

RC1N ist die unterste Widerstandsklasse, die nur einen begrenzten Grundschutz gegen Aufbruchversuche bietet. Fenster und Türen dieser Klasse werden bei der Zertifizierung manuell nicht überprüft und lassen sich mit geringem Aufwand mit einem Hebelwerkzeug gewaltsam öffnen. An die Verglasung ist keine Anforderung gestellt.

RC2N ist die "Einstiegsklasse", die einer mechanischen Beanspruchung mit einfachem Werkzeug nach DIN EN 1627 standhalten muss. Zum einfachen Hebelwerkzeug zählen ein Schraubendreher und Keile. In dieser Klasse ist eine Anforderung an die Verglasung auch noch nicht gegeben.

RC2 entspricht der alten Bezeichnung Widerstandsklasse 2 (WK2). Einbruchhemmende Elemente dieser Klasse erschweren den Einbruch mit einfachem Werkzeug. Während der manuellen Prüfung muss das Element drei Minuten lang einem Einbruchversuch standhalten. Als Hebelwerkzeug kann der Prüfer einen Schraubendreher, eine Zange und Keile nutzen. Die Polizei empfiehlt den Einbau von Fenstern und Türen dieser Klasse. Das Preis-Leistungs-Verhältnis spricht ebenfalls dafür.

RC3 ist die Widerstandsklasse, bei der ein Prüfer fünf Minuten Zeit hat, das Element auf Schwachstellen zu untersuchen. Neben der längeren Zeitdauer gegenüber dem Test bei der Klasse RC2 darf als zusätzliches Werkzeug die Brechstange verwendet werden. Die Verglasung muss ein einbruchhemmendes Sicherheitsglas (EN 356) sein.

RC4 bis RC6 sind Widerstandsklassen, die im privaten Wohnumfeld selten zum Einsatz kommen. Die Herstellung von Fenstern und Türen in dieser Schutzklasse ist aufwendig und teuer. Standardprofile für Rahmenteile reichen nicht aus, um die Schutzkonstruktion und das schwere Glas einzubringen.

Die Erfahrung zeigt, dass Einbrecher sofort von ihrem Vorhaben ablassen, wenn sie auf derart robuste Türen und Fenster stoßen. Abschreckend wirken auch Außenlampen mit Bewegungsmelder, sowie, für ganz wenig Geld zu haben, Kamera-Attrappen. Dabei sollte man die "Verkabelung" nicht vergessen, weil Einbrecher genau hinschauen. Eine rote Funktionsleuchte, per Batterie gespeist, macht die Illusion perfekt.

Fördermittel vom Staat

Der Schutz gegen Einbrecher ist nicht zum Nulltarif zu haben. Gerade der Einbau neuer Fenster und Türen kostet schnell einen fünfstelligen Betrag. Vom Staat gibt es Fördermittel oder günstige Kredite für Maßnahmen am Haus, die den Einbruchschutz verbessern.

Das Geld beantragt man bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (www.kfw.de) über die Hausbank. Den Zuschuss aus dem Programm 455-E können Eigentümer ebenso wie Mieter in Anspruch nehmen. Die Förderung beträgt bis zu 1600 Euro. Bei größeren Vorhaben bietet sich eine Finanzierung über einen günstigen Kredit der KfW an - aktuell ab 0,78 Prozent effektiver Jahreszins, die Höchstsumme: 50 000 Euro.

Immer mehr fremde Kennzeichen

Christian Pörtner, Erster Polizeihauptkommissar in Hammelburg, weiß: "Dieses Thema ist ein Klassiker für die dunkle Jahreszeit." Der erste Einbruch des Jahres in Hammelburg war vor einer Woche in Oberthulba.

Er gibt den Tipp: "Aufpassen sollte man vor allem zwischen 16 und 20 Uhr in Wohnsiedlungen." Ein Problem für ihn in den letzen Jahren: "Man sieht immer mehr fremde Kennzeichen, weil man die mittlerweile nicht mehr ummelden muss, wenn man umzieht." Daher sei noch größere Wachsamkeit bei fremden Autos gefordert: Haben die Nachbarn vielleicht Besuch? Ist es der Hermesbote?

Wenig Einbrüche im Landkreis

Er animiert zum Anrufen: "Wir kommen lieber einmal zu viel, als zu wenig. Wenn es beim Versuch bleibt, ist es für uns schon ein Erfolg." Denn ob Täter es ins Haus geschafft haben oder nicht, mache einen großen Unterschied. Trotz alledem kommen Wohnungseinbrüche in der Gegend sehr selten vor: In Hammelburg schwanken die Zahlen der vergangenen fünf Jahre zwischen elf (2015) bis einem (2018) Fall.

In Bad Brückenau waren es 2019 fünf Fälle, 2018 einer. Auch in Bad Kissingen ist es ruhig: Bisher gab es einen Fall, 2019 zählte 14 Fälle, 2018 sieben. Jochen Emmerling von der Polizei Bad Kissingen ordnet ein: "Wohnungseinbrüche haben wir sehr selten. Einbrüche in Geschäfte oder Werkstätten sind viel höher."

Das rät die Polizei:

Bei Verdachtsfällen:

- Details (Kennzeichen, Personenbeschreibungen) notieren

- Sofort die Polizei verständigen

- Nicht selbst in Gefahr bringen

Kostenfreie Beratung:

Die Fachberater der kriminalpolizeilichen Beratungsstellen beantworten Fragen zur Sicherung des Eigenheims:

- Aschaffenburg: 06021/857-1830

- Schweinfurt: 09721/202-1835

- Würzburg: 0931/457-1830

Eigenheim schützen:

- Fenster und Türen beim Verlassen komplett schließen

- Licht verschreckt Einbrecher (drinnen und draußen)

- Eindruck vermitteln, es sei jemand zu Hause

- Urlaubshinweise auf sozialen Medien oder Anrufbeantworter vermeiden

- Briefkasten leeren lassen

- Schwachstellen beseitigen

- Wertsachenliste für möglichen Schadensfall erstellenemue