"Wir haben mehr Kunden, aber weniger Ware", sagt Patrick Bindrum, 1. Vorsitzender der Tafel Hammelburg. Er schätzt, dass rund zehn bis fünfzehn Prozent mehr Personen als bisher zur Tafel kämen.

Eine ähnliche Entwicklung beobachten auch die Vorsitzenden der Tafeln in Bad Kissingen und Bad Brückenau. 50 bis 80 Personen mehr als vor der Krise erhalten nun von der Bad Kissinger Tafel Hilfe, sagt Wolfgang Speyer. Hans-Jürgen Schelle aus Bad Brückenau berichtet, in der Woche sei man bei etwa 65 Personen. "Das können noch mehr werden." Man müsse warten, wie sich die Lage entwickle.

Mehr Personen

Der Kreis der Personen, die von den Tafeln Waren beziehen, ist damit deutlich größer geworden. Das liegt auch daran, dass hinter einer Person, die persönlich zur Tafel geht, meist noch eine ganze Familie steht.Als Beispiel für eine sehr große Familie nennt Speyer eine Familie, die 11 Kinder habe.

Die Vorsitzenden gehen davon aus, dass steigende Arbeitslosenzahlen und der Verlust von 450-Euro Jobs dazu geführt habe, dass mehr Menschen zur Tafel kommen.

Wenig Obst und Gemüse

Das Problem: Die Tafeln erhalten keine vergleichbaren Mengen an Lebensmittelspenden wie vor Corona. "Obst und Gemüse ist enorm wenig geworden", sagt Speyer.

Das liege auch daran, dass die Unternehmen Sonderaktionen eingeführt hätten. Es gelte das Motto "alles muss raus." Zum Teil gebe es 50 Prozent Rabatt auf Artikel. "Darunter leiden wir." Auch Hans-Jürgen Schelle stellt fest, dass es weniger Lebensmittelspenden gibt. Seine Vermutung: "Momentan wird vermehrt Urlaub im eigenen Land gemacht." Privatversorger kauften für sich ein, es bliebe weniger als Spende übrig.

Zusätzliche Lebensmittelkäufe

Um fehlende Lebensmittel auszugleichen, kauften die Tafeln von den Spendengeldern deshalb seit März auch Lebensmittel hinzu. Bis Ende August dürfen sie noch zusätzlich Nahrungsmittel ankaufen. Ab September sei dies dann wieder nicht mehr erlaubt, sagt Speyer. Bis dahin wollen die Ehrenamtlichen der Bad Kissinger Tafel noch Nahrungsmittel auf Vorrat besorgen.

Die Lebensmittel kauften sie oft von Firmen, von denen sie auch Spenden bekämen. "Eine Hand wäscht die andere", sagt Speyer.

Die Tafeln erhalten auch Sachspenden: Ein Unternehmer aus dem Landkreis habe etwa 80 Kisten frisch gepressten Bio-Apfelsaft für die Tafeln in Bad Kissingen, Hammelburg und Bad Brückenau gespendet. "Das war ein Segen. Das hat uns sehr geholfen", sagt Bindrum. Einige Mütter seien sehr froh gewesen, dass sie ihren Kindern einen guten Saft hätten geben können.

Umgestaltung der Räume

In den letzten Monaten haben die Ehrenamtlichen der Tafeln, die Räumlichkeiten so umgestaltet, dass sie den Hygieneanforderungen gerecht werden. Es gab Umbauarbeiten, neue Regale und Spuckschutz an Tischen und Theken. Das Gute: Durch den Lagerumbau gebe es mehr Kapazitäten, sagt Speyer. Dadurch könne die Bad Kissinger Tafel auch wieder mehr Leute versorgen.

Sorge vor Zuschauern

Allerdings müssen diese aufgrund der Abstandsregeln auf dem Parkplatz vor der Tafel warten. Mit Kreide ist auf den Boden eine Schlange mit Nummern im jeweiligen Abstand gemalt. "Manche Kunden genieren sich, dort zu stehen, sie fühlen sich beobachtet. Sie sorgen sich, dass Vorbeifahrende sie sehen könnten", sagt Speyer. Auf dem Parkplatz in der Nähe halten Reisebusse oder die Bad Kissinger Postkutsche. Die Ehrenamtlichen in ihren orangenen Hemden würden zusätzliche Blicke auf sich ziehen.

Aber da gebe es keine Lösung, sagt Speyer. "Die Leute müssen auf dem Parkplatz warten." Er vermutet: Selbst wenn man eine Trennwand zwischen Straße und Parkplatz aufstellen würde, sähen die Menschen erst recht nach, was hinter der Trennwand geschehe.

Die Tafeln versuchen, bei der Ausgabe von Lebensmitteln auf Abwechslung zu achten. "Damit es nicht ständig Nudeln gibt", sagt Speyer.

Neues Kühlhaus

Vor etwa zwei Monaten kaufte die Bad Kissinger Tafel ein neues Kühlhaus. Es ist etwa vier Meter breit und sechs Meter lang. Die Anschaffungskosten beziffert Speyer auf rund 20 000 Euro. In dem -20 Grad kalten Kühlhaus lagern Pizzen, Eis- oder andere Tiefkühlprodukte. Im Jahr gebe die Bad Kissinger Tafel bis zu 15 000 Pizzen aus.

Wieder normales Fahrwasser

Die erste Durststrecke seit Corona sei überwunden und man sei weitgehend wieder in "normalem Fahrwasser", findet Schelle. Geholfen haben dabei Spenden von Einzelpersonen und Unternehmen und auch die vom Landkreis initiierte Spendenaktion mit der Sparkasse, der VR-Bank sowie der Saale-Zeitung. Wie viel von den Spenden noch da ist, wollen die Tafelbetreiber nicht sagen. "Wir haben noch etwas, von dem wir zehren können", sagt Schelle. Es falle unter das "Betriebsgeheimnis", sagt Speyer. Er befürchtet, dass die Menschen aufhören, zu spenden, wenn eine konkrete Summe genannt würde. Auch könne es Begehrlichkeiten bei Kunden wecken. Wichtig sei: "Wir leben nur von Spenden. Wir sind auf Spenden angewiesen."

Laufende Kosten der Tafeln

Damit die Tafel ihrer Arbeit nachkommen kann, müssen die Ehrenamtlichen laufende Kosten decken. Das sind etwa Kosten für Fahrzeuge (Treibstoff, Kfz-Versicherung), damit die Ehrenamtlichen Lebensmittelspenden abholen können. Dazu kommen Miete, Telefon und Strom, Abfall- und Nebenkosten. Die Spenden würden zu hundert Prozent seriös eingesetzt, sagt Bindrum. "Wir bedanken uns ganz herzlich für die Spenden." Und er sagt: "Bitte spenden Sie weiter, das hat uns total weitergeholfen."

In den Tafeln gibt es neben Nahrungsmitteln Gegenstände des täglichen Gebrauchs: Büromaterialien, Spielsachen, Kosmetik und Waschmittel. Für den Beginn der Schule plant die Bad Kissinger Tafel einen kleinen "Basar". Kinder, die neu in die Schule kommen, bekommen Taschen und Hefte. Dafür hat die Tafel neue Schultaschen gekauft. Diese kosten oftmals mehrere hundert Euro. Die Tafel bekäme sie etwas günstiger, sagt Speyer. Kinder, die schon länger zur Schule gehen, erhalten anderes Schulmaterial etwa Einbindematerial für Bücher.