Sarah Hübner, Jugendgruppenleiterin der Funky Fruits des Obst- und Gartenbauvereins Bad Brückenau, betrachtet das Ergebnis neben dem Backhaus. Seit September steht dort der Bauwagen neben dem Nutzgarten mit Gemüsebeeten, den rund 43 Kinder des Vereins in kleinen Gruppen im Sommer angelegt hatten. Die Erwachsenen des Vereins bauten den Wagen an einem Wochenende auf.

Seit dem Frühjahr ist klar, dass das Projekt der Jugendgruppe genau der Idee des Regionalbudgets entspricht: Es fördert das bürgerschaftliche Engagement, die Beteiligung der Jugend und hat ein nachhaltiges Ziel. Die Kinder erfahren schon früh, wie Gemüsesorten angepflanzt und sinnvoll verwendet werden.

465 Kleinprojekte

Für den Bauwagen und das Gemüsebeet erhielten die Funky Fruits 80 Prozent der Kosten zurück - insgesamt rund 6500 Euro. Das Geld stammt aus dem Regionalbudget des Amtes für Ländliche Entwicklung Unterfranken. In ganz Unterfranken hat das Amt damit 465 solcher Kleinprojekte gefördert.

Das Förderinstrument, das somit eine erfolgreiche erste Bestandsprobe abgeschlossen hat, geht ab sofort in die zweite Runde. Das teilt das Amt für Ländliche Entwicklung in einer Pressemitteilung mit. In Unterfranken flossen demnach bislang über zwei Millionen Euro in die ländliche Entwicklung, heißt es dort weiter.

Zwei weitere Allianzen fördern

Die interkommunalen Allianzen steuern den Prozess, nehmen die Anträge entgegen und entscheiden über die Förderung. Außerdem bezuschussen sie zehn Prozent der Förderung aus eigener Tasche. "Im Landkreis Bad Kissingen war die Rhönallianz gleich zu Beginn mit dabei", sagt der Manager der Rhönallianz, Uwe Schmidt. Daneben boten auch landkreisübergreifenden Allianzen mit Kommunen aus dem dem östlichen Teil des Landkreises diese Fördermöglichkeit.

Neu dabei mit ihren Anträgen für die kommende Förderperiode sind die beiden Allianzen Kissinger Bogen und Fränkisches Saaletal. "Wir versprechen uns viel für die Entwicklung des ländlichen Raums", sagt Allianzmanager Holger Becker vom Fränkischen Saaletal. Das sei eine besonders gute und direkte Unterstützung für die Menschen vor Ort.

Anträge gewünscht

Die Allianzen im Landkreis seien gut vernetzt und könnten sich gegenseitig unterstützen. Für seine Region wünscht sich Becker, dass das Förderprogramm in der Bevölkerung wahrgenommen wird. "Ich hoffe auf gute Projekte", sagt er.

Eine Besonderheit ist die Gemeinde Oberthulba, die in zwei Allianzen vertreten ist. Hier gilt: Projekte aus dieser Gemeinde können ausschließlich bei der Allianz Kissinger Bogen beantragt werden. Beata Schmäling, Managerin des Kissinger Bogens, freut sich auf die "bürgernahe und unbürokratische Fördermöglichkeit".

"Wir haben bereits einen Aufruf gestartet, auf unserer Homepage sind die Kriterien genau beschrieben", gibt sie den Hinweis. Sobald der Zuwendungsbescheid vom Amt für Ländliche Entwicklung voraussichtlich Ende Januar ausgestellt werde, könne es losgehen. Projektanträge könnten bereits jetzt schon in Nüdlingen, der verantwortlichen Stelle, eingereicht werden.

16 Kleinprojekte in Rhönallianz

Für die Auswahl der geförderten Projekte werden in den Allianzen Gremien gebildet, die anhand eines Punktesystems die Projekte bewertet. "Das Gremium ist in Entwicklung und soll sich aus Bürgern der Gemeinde zusammensetzen", sagt Schmäling. Die Beteiligung politischer Entscheider sei hierbei nicht gewünscht.

Warum die Allianz erst jetzt auf den Zug des Förderprogramms mit aufspringt, habe ganz pragmatische Gründe, erläutert Schmäling. Durch die Kommunalwahlen im Frühjahr sind neue Bürgermeister gewählt worden. "Wir wollten im vergangenen Jahr kurz vor der Wahl nichts entscheiden, was der neue Vorsitzende nicht mittragen könnte", sagt sie. Es sei einfach ein schlechter Zeitpunkt dafür gewesen.

In der Brückenauer Rhönallianz bekamen in diesem Jahr 16 Kleinprojekte eine Förderzusage. "Wir freuen uns über die kreativen und vielfältigen Projekte", sagt Manager Schmidt. In der kommenden Förderperiode rechnen er und die Bürgermeister aus dem Allianzgebiet mit einer deutlich größeren Beteiligung. "Das Programm ist jetzt bekannt und die Menschen haben gesehen, wie niedrig die Hürde für eine Förderung ist", sagt Schmidt.

Sarah Hübner von den Funky Fruits kann sich zumindest gut vorstellen, auch im kommenden Jahr eine Förderung bei der Allianz zu beantragen. Der Platz vor dem Backhaus könnte verschönert werden, meint die Jugendgruppenleiterin.

Ablauf der Förderung

Anträge: Auf der jeweiligen Homepage der kommunalen Allianz gibt es Anträge und Richtlinien nachzulesen und runterzuladen.

Was wird gefördert? Förderfähig sind beispielsweise Kleinprojekte zur Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements, der Begleitung von Veränderungsprozessen auf örtlicher Ebene,der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Aber auch der Aspekt der Sicherung und Verbesserung der Grundversorgung der ländlichen Bevölkerung gehört dazu.

Was sind Kleinprojekte? Das sind Projekte, deren förderfähige Gesamtausgaben 20.000 EUR nicht übersteigen.Hierbei handelt es sich um Nettoausgaben.

Umfang der Förderung: Die Projekte werden mit bis zu 80 Prozent bezuschusst, maximal jedoch mit 10.000 Euro. Kleinprojekte mit einem Zuwendungsbedarf unter 500 Euro werden nicht gefördert.

Entscheidung: Die Entscheidung fällt ein Gremium anhand einer Punkteskala. Dabei zählen besonders Aspekte wie der interkommunalem Gedanke, die Stärkung der Innenentwicklung oder Beiträge zur Nachhaltigkeiten.