Ein Kurs der Volkshochschule (VHS) Hammelburg mit dem Sensen-Lehrer Christof Lorenz zeigte am Saaleufer den Unterschied zwischen dem, der gelegentlich - vom Vater abgeguckt - die Sense schwingt, um Unkraut und Gras kurz zu halten, und einem professionellen Mäher. Von Hand mit der Sense mähen, ist laut Lorenz fast schon eine Wissenschaft.

Der aus Schöllkrippen stammende Lorenz ist nicht nur ausgebildeter Sensen-Lehrer, sondern hat sich Qualitätsstandard beim Mähen und Dengeln auf die Fahne geschrieben und kennt alle Methoden dieser land- und forstwirtschaftlichen Handarbeit. Seine Ausbildung absolvierte er in enger Zusammenarbeit mit einem einschlägigen Institut im österreichischen Rossleiten, ein Mekka der Sensenschwinger.

Wichtig ist dem Experten die ökologische Variante des Schneidens ohne Motor. Der Obstbauer ist überzeugt von seiner Arbeit, mäht mit der Sense unter seinen Bäumen und auf Wiese. "Das schont die Natur und den Menschen, sagt Lorenz, und: "Es gibt zwei Arten von Mähen, die meditative und die sportliche Variante."

Die konzentrierte Versenkung in diese Handarbeit vergleicht er mit dem Tai Chi. Der meditative Mäher gehe morgens barfuß auf die Wiese und empfinde die Tätigkeit als kontemplativ. Die sportliche Variante ist das Fitness-Training, das speziell der Rücken- und Bauchmuskulatur zugutekommt. Eine auf die jeweilige Person richtig eingestellte Sense ist das A und O. Der deutsche Sensenverein entwickelte ein variables Gerät, das die Körpergröße, Armlänge und mehr berücksichtigt.

Ob morgens um sieben bei gerade mal drei Grad am Saaleufer die Welt noch in Ordnung ist, sei dahingestellt. Fakt ist, dass das Gras für eine vernünftige Mahd noch nass sein sollte. "Am besten beginnt man schon bei Sonnenaufgang mit der Arbeit, denn da ist das Gras noch feucht", lehrt Lorenz. Das meditative Mähen hatte offensichtlich dabei keiner der elf Teilnehmer - darunter vier Frauen - auf dem Schirm, denn alle kamen mit festen Schuhen oder Stiefeln an den Füßen.

"Der Gedanke, das Sensenseminar anzubieten, entstand mit dem Grüngitter-Projekt. Die Ur-Idee stammt aber von Roland Lenhart, ehemaliger Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde", erinnert sich Dr. Holger Becker, der Manager der Kommunal-Allianzen Fränkisches Saaletal, der selbst an dem Workshop teilnahm. Naturschutz und Insektenschonende Mähtechniken wollte er selbst gern erlernen und ausprobieren. "Die VHS wurde auf diese Möglichkeit aufmerksam und nahm sie in ihr Programm auf."

Kein Mähen ohne Schärfen. Der zum Schärfen der Sense benötigte Wetzstein ist unerlässlich für einen "Mohder", wie die Mäharbeiter früher hießen, als sie noch umherzogen und ihre Kenntnisse und Arbeitskraft anboten. Vom Schleifstein gibt es zwei Ausführungen, die Natur- und die Kunstausführung, berichtete Lorenz.

Der Kunststein, für wenig Geld käuflich zu erwerben, eignet sich gut für das so genannte Schleifsensen, zum Beispiel im Wald. Für Schäden und Materialverschleiß etwas anfälliger, kann man ihn billig auswechseln. Der etwas teurere Natur-Stein hingegen hält ein Leben lang. "Er war früher des Mähers Heiligtum", berichtet der Sensenlehrer.

Zudem gibt es auch harte und weiche Steine. Es war zu erwarten, dass die ausgelegten Natursteine unterschiedlicher Größe auch Namen tragen - "Grüner Drache", der "Bergamo" oder ein "Storch" - bei Belieben auch mit Plastikgriff zu haben für besonders Vorsichtige. Grundsätzlich gilt: Je schmaler, desto besser kommt der Stein an die Schneide. Und zum Schleifstein gehört eine Scheide - ob aus einem Kuh-Horn oder aus einem ausgedienten Rohrstück. Nach der Theorie ging's natürlich zur Mahd in die Saalewiesen.