Matthias Karwath gerät ins Schwärmen, wenn er über über seine Arbeitsräume im frisch sanierten Kurhaus spricht. Im Obergeschoss des Fürstenbaus befinden sich die neue Kapelle sowie ein Meditationsraum. "Das sind frische, helle und ansprechende Räume, in denen die Seele atmen kann", sagt der geistliche Leiter. Er bietet den Hotelgästen Gottesdienste und Exerzitien sowie individuelle Begleitungen an. "Das ist keine klassische Kurseelsorge. Ich mache Angebote in Richtung Stille, Auszeit und geführte Meditation", sagt Karwath. Die Gäste sollen nicht nur körperlich neue Kraft schöpfen, sondern auch ihre Seele wieder auftanken können.

In den vergangenen vier Jahren hat der Freistaat nach und nach die zum Kurhaus gehörenden Gebäude wieder auf Vordermann gebracht. Georg Sperrle, Geschäftsführer der Caritas Einrichtungen GmbH, blickt zurück. Seitdem die Caritas 2014 den Pachtvertrag verlängert hat, sei hart auf den Umbau und die Neuausrichtung des Kurhauses hingearbeitet worden.

20 000 Übernachtungen als Ziel

2016 begannen dann die Arbeiten am Badehaus, "Das ist sozusagen das Herz unseres Hauses", sagt er. Hier finden sich neben dem Schwimmbad moderne Yoga- und Physiotherapieräume, eine Ayurvedaabteilung, drei Saunen, Ruheräume sowie eine Abteilung für klassische Kuranwendungen wie Kneippen, Stahl- und Moorbäder. Im Anschluss gingen die Arbeiten im Fürstenbau sowie den Gästehäusern Lioba und Lübke weiter, außerdem wurde der neue Bademantelgang gebaut, der die Gästehäuser mit der Spa- und Wellnessabteilung verbindet. "Wir bieten das Rundumprogramm für jeden, der sich komplett erholen möchte", sagt Sperrle.

Während der Umbauphase verzeichnete die Caritas in dem Kurhaus jährlich etwa rund 18 000 Übernachtungen. Angestrebt sind 20 000. Direktor Bastian Graber ist zuversichtlich, dass diese Zahl nach Abschluss aller Arbeiten erreicht wird. Seit März leitet der Bad Kissinger das Hotel.

Nach Corona: Ayurveda zieht

Die Häuser Lioba und Lübke waren nach der Sanierung schon mit Gästen belegt, im Fürstenbau hätte der Hotelbetrieb im Frühjahr starten sollen. Das musste coronabedingt verschoben werden. Das Kurhaus hatte wie die gesamte Hotelbranche geschlossen und die rund 40 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Seit Mitte Juni läuft das Geschäft wieder an. "Wir haben aktuell wieder eine Belegung von 30 Prozent vor allem durch ayurvedische Gäste", berichtet Graber. Caritasmitarbeiter und Reisegruppen stehen hingegen vorerst nicht auf den Buchungslisten. "Da ist das Geschäft komplett eingebrochen und wir haben Stornierungen bis in den Herbst. Diese Gruppen sind aber oft auch Risikogruppen", sagt der Direktor.

Weihbischof segnet Kapelle

Nicht nur die Eröffnung des Fürstenhofes wurde wegen Corona verschoben, auch die Segnung der Kapelle hat sich deshalb verzögert. Unlängst gab es jedoch eine Feierstunde, bei der Weihbischof Ulrich Boom die Segnung mit Domkapitular Clemens Bieber, Bad Kissingens Dekan Stephan Hartmann und Matthias Karwath nachholte. Im Kurhaus gehe es darum, Menschen aufzurichten, sagte Boom, und: "Ich wünsche allen, die dieses Haus und diesen Raum aufsuchen, dass sie Erholung und Ruhe finden."

Die CSU-Politikerin Barbara Stamm hatte die Verhandlungen zwischen Caritas und Freistaat begleitet, 2014 noch als Landtagspräsidentin. Aufgabe des Kurhauses sei es, nicht nur den Körper, sondern auch den Geist gesund zu machen. "Es ist deshalb wichtig, dass die Caritas und damit die Kirche nicht vom Platz gegangen ist", sagt Stamm, zugleich auch Ehrenvorsitzende der Caritas. Sie freue sich, dass das Kurhaus zeitgemäß erstrahle. Bocklet als kleinstes bayerisches Staatsbad müsse sich nicht hinter dem großen Bad Kissingen verstecken. Im Gegenteil: "Es gibt Menschen, denen sind die kleinen, ruhigen Orte lieber. Ruhe und Stille werden sie in hier finden", meint Stamm.

Die Arbeiten am Kurhaus sind noch nicht abgeschlossen. Arbeiter erneuern die Bruchsteinmauer zum Kurgarten.Der Zement zwischen den Steinen war porös geworden. Die Arbeiter brechen die Mauer Stück für Stück ab, für den Aufbau werden die roten Sandsteine wieder verwendet. Und auch bei den Doppelzimmern im Brunnenbau geht es vorwärts. Derzeit läuft der Innenausbau. Direktor Graber hofft, dass bis zum Jahresende die Arbeiten fertig sind, "damit wir 2021 in ein baustellen- und coronafreies Jahr starten können."

Zum Caritas-Kurhaus in Bad Bocklet

Pacht Seit 1925 betreibt die Caritas die staatlichen Kurgebäude in Bad Bocklet. Im September 2014 hat die Caritas Einrichtungen GmbH den Pachtvertrag verlängert, er gilt bis 2030. Der Freistaat sicherte Investitionen für 10,25 Millionen Euro zu.

Bau Seitdem hat der Freistaat den Fürstenbau,die Gästehäuser Lioba und Lübke und das Badehaus saniert. Der denkmalgeschützte Speisesaal wurde neu möbliert, der gläserne Bademantelgang zum Badehaus wurde neu errichtet. Der Brunnenbau und die Bruchsteinmauer zum Kurgarten werden bis Jahresende erneuert. lbo