1000 Euro Antrittsprämie. Damit wirbt der Feinkostbetrieb Faber für seine Jobs in Verkauf und Metzgerei. Das Unternehmen möchte damit vor allem unter allen anderen suchenden Unternehmen auffallen: Denn Fachkräfte sind Mangelware. Das sieht man beispielsweise daran, wie viele freie Stellen die Firmen der Arbeitsagentur melden.

Tanja Neppe, Pressesprecherin bei der Agentur für Arbeit Schweinfurt, sagt über den Landkreis Bad Kissingen: "Im Oktober 2021 waren es 1315 Stellen. Hier sind wir auf einem Allzeithoch. So viele Stellenmeldungen gab es noch nie." Alle suchen Arbeitskräfte.

Die gemeldeten Stellen sind danach eingeteilt, wie schwierig und komplex die Tätigkeit ist. So ergeben sich vier Gruppen:

  1. Helfer
  2. Fachkräfte
  3. Spezialisten
  4. Experten.

Etwas über die Hälfte, also 56 Prozent der freien Stellen im Landkreis, sind für Fachkräfte. Ein weiteres Viertel sind für die Gruppe der Helfer.

Wenige Fachkräfte ohne Beschäftigung

Die Seite der Arbeitslosen betrachtend fällt auf: Zwar ist die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis derzeit mit 1650 wieder so niedrig wie vor Corona. Deren Aufteilung hat sich jedoch verändert.

  • Die Anzahl der arbeitslosen Helfer hat sich in den vergangenen zwei Jahren um fast ein Drittel erhöht.
  • Die Anzahl der Arbeitslosen Fachkräfte ist um fast ein Drittel gesunken.

Will heißen: Es gibt mehr arbeitslose Helfer, weniger arbeitslose Fachkräfte. Die Differenz zwischen Stellen für Fachkräfte und verfügbaren Fachkräften ging weiter auseinander.

In welchen Arbeitsbereichen sind im Landkreis die meisten Stellen zu besetzen?

Am meisten gesucht sind Personen im Gesundheits- und Sozialwesen. Trotz eines kleinen Einbruchs hat sich diese Zahl seit 2019 auf 341 offene Stellen erhöht. Das spürt auch das Helios St. Elisabeth-Krankenhaus in Bad Kissingen. Man beobachte die Situation auf dem Arbeitsmarkt aufmerksam, sagt Ozan Kuhn, Pressesprecher des Krankenhauses.

"Unabhängig von der Corona-Lage ist die Verfügbarkeit von Fachkräften in der Region angespannt." Seit Jahrzehnten gibt es eine angegliederte Schule, die bei der Ausbildung eigener Arbeitskräfte helfen soll. Zudem setze das Krankenhaus darauf, seine Angestellten weiterzubilden.

Gastgewerbe suchte schon 2019 so viel

Ebenfalls viel gesucht sind Menschen, die im Baugewerbe arbeiten. 164 Stellen sind derzeit im Landkreis frei. Interessant ist jedoch: 2019 waren sogar noch 20 Prozent mehr Stellen unbesetzt.

Auch im Gastgewerbe entwickeln sich die Zahlen anders, als erwartet: Vor zwei Jahren wurden genauso viele Menschen im Gastgewerbe gesucht wie derzeit - rund 95.

Ein letzter Bereich ist das Verarbeitende Gewerbe. Hier stieg die Anzahl freier Stellen stetig. Innerhalb zweier Jahre gab es eine Verdoppelung der offenen Stellen, derzeit sind es 111. Zum verarbeitenden Gewerbe zählt neben der Herstellung diverser Gebrauchsgüter auch die Produktion von Nahrungsmitteln.

1000 Euro Antrittsprämie, um herauszustechen

Dass es im Kreis ein Hoch an offenen Stellen gibt, merkt auch Thomas Faber von Faber Feinkost: "Ich kenne keinen Unternehmer, der nicht neue Leute sucht." Und auch er sucht derzeit nach gut ausgebildeten Arbeitskräften.

Um unter den anderen suchenden Unternehmen hervorzustechen, soll eine 1000 Euro Antrittsprämie helfen. Das muss für Faber aber nichts schlechtes heißen: "Wenn dein Betrieb läuft, brauchst du Mitarbeiter. Ob es dann quantitativ mehr oder qualitativ bessere werden sollen, ist erstmal egal." Er setze auf Qualität. "Niemand würde seinen guten Job für 1000 Euro kündigen", weiß Faber.

Handwerk modern und attraktiv machen

Aber: Durch die Prämie werden Interessierte auf das Unternehmen aufmerksam, sehen sich auf der Seite oder in der Jobbeschreibung um. Versprechungen wie Weiterbildungsmöglichkeiten, angenehme Arbeitszeiten, ein moderner Arbeitsplatz oder Feiertage ohne Arbeit sollen "das Handwerk von seinem staubigen Ruf befreien." Handwerk müsse nicht immer langweilig und unterbezahlt bedeuten.

Daran liegt es dem Unternehmer: Er geht auf den Facharbeitermangel ein, indem er den Beruf so attraktiv und modern wie möglich gestaltet. Das Arbeitsumfeld müsse passen. "Was nützt es mir, wenn ich 1000 Euro ausschreibe, und die Menschen sich dann immer noch in einem alten Umfeld finden und sich nicht wohlfühlen?"