Ein echter Klassiker unter den Abnehm-Mythen: "Wer nach 18 Uhr Kohlenhydrate auf seinem Speiseplan hat, setzt an." Aber auch hier müssen wir differenzieren. Von welchen Kohlenhydraten sprechen wir überhaupt? Die kommen nämlich ganz unterschiedlich daher: Obst, Nudeln, Schokolade, Haferflocken... Und was hat die Uhrzeit damit überhaupt zu tun?

Fakt ist: Wir haben heutzutage einen anderen Rhythmus als früher. Schichtarbeit in der Nacht, Gleitzeit oder gar keine festen Arbeitszeiten. Dadurch hat sich unser Essverhalten und damit auch die Essstruktur komplett gewandelt. Früher saß die ganze Familie pünktlich um 17 Uhr zum gemeinsamen Abendessen am Tisch. Daher stammt der Rat, nach 18 Uhr - also nach dem Abendessen - keine Energie in Form von Zucker mehr aufzunehmen.

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Ob man große Portionen an Teigwaren oder Reis morgens, mittags oder abends verdrückt, ändert nichts an ihrem Kaloriengehalt - oder? Überraschenderweise soll es im Körper aber tatsächlich eine Art innere Uhr geben. "Zu welcher Tageszeit man Kohlenhydrate isst, beeinträchtigt die Wirkung von Wachstumshormen und die Ausschüttung von Insulin, die am Abend Einfluss auf das Gewicht haben kann", heißt es. Nach der derzeitigen Studienlage kann aber noch nicht abschließend beantwortet werden, welchen genau.

Flexible Essenszeiten

Ich würde die These rund um das Thema Kohlenhydrate gerne relativieren und ein wenig umschreiben: "Spät am Abend sollte man keine einfachen Kohlenhydrate (Säfte, Süßigkeiten, Weißmehlprodukte) mehr zu sich nehmen, wenn man Übergewicht reduzieren will, da wir am Tagesende in der Regel weniger aktiv sind und unser Stoffwechsel in den Stand-by-Modus fährt."

Zu viele Zuckerbausteine beim Abendessen kann der Körper nicht mehr gebrauchen. Die Konsequenz: Er lagert sie in Form von Fett ein. Ab 18 Uhr komplett auf Kohlenhydrate zu verzichten, ist aber nur dann sinnvoll, wenn man spätestens drei Stunden nach dem Abendessen ins Bett geht. Schon sind wir wieder bei der geänderten Lebensführung im Vergleich zu früher. Wir essen nicht mehr nach vorgegebenen Zeiten und gehen auch nicht jeden Abend um 21 Uhr schlafen. Verändert sich der Tagesablauf, sollten sich die Essenszeiten flexibel daran ausrichten.

Generell gilt: Viele Kohlenhydratlieferanten gelten als "Hungermacher" - tagsüber wie abends. In entspannter Wohnzimmeratmosphäre beim Abendkrimi ist die Versuchung jedoch um ein Vielfaches größer, noch den ein oder anderen süßen Snack zusätzlich zu vernaschen als im gestressten Büroalltag.

In Maßen genießen

Fazit: Menschen mit Gewichtsproblemen rate ich zu einer kohlenhydratreduzierten und eiweißreichen Kost am Abend. So kann eine Reduktion von einfachen Kohlenhydraten bei sämtlichen Mahlzeiten einen durchaus beachtlichen Gewichtserfolg bedeuten. Genau das beobachte ich seit Jahren bei meinen "Moves"-Teilnehmern in der KissSalis Therme. Letztendlich geht es um eine Ersparnis von Kalorien. In Maßen genossen - am besten unverarbeitet und vollwertig - dürfen Kohlenhydrate auch ohne schlechtes Gewissen nach 18 Uhr in den Speiseplan eingebaut werden.

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