Wenn man zu Pathos neigt, könnte man sagen: Weihestunde für Johannes Brahms, angereichert mit einer Prise Béla Bartók. Nur passt Pathos halt weder zu Johannes Brahms - auch wenn man es ihm manchmal anhängt - noch zu Frank Peter Zimmermann und Martin Helmchen.

Nennen wir den Abend mit den beiden also ganz neutral "Lexikalisches Konzert mit drei Brahms-Sonaten" und einer Erweiterung durch Béla Bartóks 2. Violinsonate. Wobei das nun auch wieder irreführend ist. Denn von den drei Sonaten, die Brahms von Anfang an für Violine und Klavier konzipiert hat, fehlte die erste, die "Regensonate". Sie musste zurücktreten zugunsten der Sonate für Klarinette (oder Viola) und Klavier Es-dur op. 120/2, für die Brahms selbst aus Vermarktungsgründen auch eine Violinfassung hergestellt hat. Es gibt sie also für drei Besetzungen.

Man hat ja nicht allzu oft die Gelegenheit zu derart komplexen lexikalischen Einblicken, aber nach den drei Sonaten aus einer Feder kam man zu der Einsicht, dass Brahms ein wunderbarer Musiker war, der sich beim Komponieren zuallererst von seinem Verstand leiten ließ, der formal immer blitzsauber und konsequent gearbeitet hat und tolle Figurationen entwickelt hat. Aber er tat sich schwer in seiner Musik Gefühle herauszulassen. Er war nicht der schwelgerische Melodiker, der lange emotionale Bögen gestaltete, sondern der gerne das Thema wechselte, wenn es zu "gefühlig" zu werden drohte. Da passte der Bartók gut dazu.

Aber es war auch interessant, die beiden Musiker wieder gemeinsam zu erleben, die schon vor ein paar Jahren mit einem Ausschnitt ihres Beethoven-Sonaten-Zyklus im Max-Littmann-Saal Station gemacht hatten. Und man konnte und musste feststellen: Ganz so homogen wie beim letzten Mal war es jetzt nicht, auch wenn sich beide treu blieben. Bei FPZ (ist kürzer) beeindruckte, obwohl man ihn ja kennt, seine absolut mühelose Virtuosität, seine innere und äußere Ruhe beim Spiel und seine starken dynamischen und agogischen Gestaltungen und vielen ganz plausiblen Lösungen. Martin Helmchen ist eher der gestische Typ, der sich auch mal ganz weit zurücklegt, wenn's stark espressivo wird, der mit bewundernswerter Unverdrossenheit spielt, von dem man sich aber manchmal ein bisschen prägnantere leise Bereiche wünschte - was bei Bartók inmitten aller spröden Kantigkeit wunderbar funktionierte.

Insgesamt herrschte Einheit

Manche aparte Vorschläge von FPZ deckte er mit dem Pedal zu wie im zweiten Satz der A-dur-Sonate. FPZ zum Lauterspielen zu animieren wäre eine, aber sicher nicht die bessere Lösung gewesen. Aber insgesamt herrschte große Einheit und Geschlossenheit - bis auf ein paar kleine Irritationen in der Pünktlichkeit.

Eine interessante, ein bisschen wehmütige Erfahrung machte man mit Brahms' Es-dur-Sonate, bei der man die Viola mit ihrer speziellen Sonorität immer im inneren Ohr mithört. Aber dann hätte man FPZs Version nicht gehört. Und seit er seine Liebschaft mit Lady Inchiquin wieder aufgenommen hat, ist das Problem geringer. Denn deren G-Saite ist von so warmer, runder Sonorität, dass man mit geschlossenen Augen ohnehin eine Bratsche hört. Als Zugabe spielten die beiden, "ein Adagio molto espressivo von Ludwig van ... Sie werden es mögen", so Zimmermann. Wir haben es sehr gemocht.