Bad Kissingen
Betreuung

Kita-Engpass in Bad Kissingen: So positionieren sich Unternehmen zu Betriebskitas

Die Stadt möchte Kissinger Unternehmen unterstützen, eine Betriebskita zu gründen. Was bringt das den Firmen Firmen und Mitarbeitern?
Die Kinderbetreuung ist auch in Unternehmen ein Thema - etwa wenn Mitarbeiter nicht aus der Elternzeit zurückkehren können, weil sie keinen Betreuungsplatz haben. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Die Kinderbetreuung ist auch in Unternehmen ein Thema - etwa wenn Mitarbeiter nicht aus der Elternzeit zurückkehren können, weil sie keinen Betreuungsplatz haben. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Das Rathaus arbeitet daran, die Engpässe bei der Kinderbetreuung in den Griff zu bekommen. Eine Idee ist es, ortsansässige Unternehmen bei der Gründung einer Betriebskita zu unterstützen. Hier befinde man sich am Anfang, heißt es von Rathaussprecher Thomas Hack. Aktuell bringe die Wirtschaftsförderung die Unternehmen an einen Tisch, für einen Austausch und um den Bedarf abzustimmen. Die Stadt trete als Vermittler und Berater auf. Im Investitionsplan des städtisches Haushalts sind in den nächsten Jahren unter dem Schlagwort "Betriebskita" 1,5 Millionen Euro vorgemerkt.

Bei einer Reihe von Firmen stoßen die Überlegungen auf offene Türen. "Als Bäckerei Peter Schmitt finden wir das sinnvoll und würden uns freuen, wenn die Stadt da etwas angehen sollte", sagt Marketingleiterin Christine Weißenberger. Die Großbäckerei beschäftigt 520 Mitarbeiter in der Zentrale in Reiterswiesen sowie in rund 50 Filialen in der Region Main-Rhön. Von Seiten der Mitarbeiter gebe es Nachfragen, ob die Firma eine Kinderbetreuung anbieten könne. "Der Bedarf ist gegeben", sagt Weißenberger.

In der Geschäftsführung habe es Ideen dazu gegeben, die jedoch nicht realisierbar waren. Für eine Betriebskita spreche, dass sie Öffnungszeiten anbieten könne, die zu den Arbeitszeiten passen. Arbeitsbeginn für die Mitarbeiter in den Filialen ist um 6 Uhr, entsprechend müsste eine Kita bereits früher öffnen. "Gerade für Alleinerziehende wäre das eine Entlastung", meint Weißenberger.

Die Idee, dass Arbeitgeber Betreuungsplätze für die Kinder von Mitarbeitern anbieten, wird von der Belegschaft der Sparkasse als positiv gesehen. Für die Sparkasse sei eine eigene Betriebskita unrealistisch, weil die Belegschaft nicht groß genug ist und weil ein erheblicher Teil der mehr als 300 Beschäftigten nicht in der Hauptstelle arbeiten, sagt Vorstandsvorsitzender Roland Friedrich. Für Mitarbeiter im Home-Office oder in Außenstellen wäre eine Betriebskita in Bad Kissingen uninteressant.

Ähnlich ist die Lage beim Bauunternehmen Schick (450 Mitarbeiter). "Da unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Wohnsitz nicht nur in der Stadt Bad Kissingen, sondern zu großen Teilen auch in den umliegenden Ortschaften haben, zeigt sich die verstärkt in der Stadt Bad Kissingen stehende Thematik nicht in diesem Maß", kommentiert Marketingleiter Lucas Zeitz den Betreuungsengpass. Dennoch gebe es innerhalb der Schick-Unternehmensgruppe Überlegungen in Richtung eines eigenen Betriebskindergartens. Pandemiebedingt wurden die "fortgeschrittenen Überlegungen zum aktuellen Zeitpunkt jedoch noch nicht weiterentwickelt."

Rückkehr in Beruf verschiebt sich

Dass Mitarbeiter ihre Elternzeit verlängern, weil sie keinen Krippenplatz finden, sei schon vorgekommen. Die Betreuungssituation "ist ein Thema, dass immer wieder aufkommt", berichtet Franziska Schießer, stellvertretende Verwaltungsleiterin der Kliniken Rhön und Saale der Deutschen Rentenversicherung. Das Rehazentrum hält eine Kita für die Kinder von Patienten vor, eine Kita für Kinder von Mitarbeitern sieht sie als "perspektivisch gedacht interessant."

Heiko Escherich aus der Geschäftsleitung der Klinik Bavaria hat das Thema Betriebskita bereits vor einigen Jahren ad acta gelegt. Ein Großteil der mehr als 500 Beschäftigten kommt nicht aus Bad Kissingen, sondern aus der Region. Die Mitarbeiter hätten meistens die Möglichkeit, ihre Kinder am Wohnort betreuen zu lassen. Eine Betriebskita macht aus Sicht der Klinik wirtschaftlich nur Sinn, wenn es mit ihr gelingt, examinierte Pflegekräfte aus der Babypause zurück in den Beruf zu holen. "Dafür müssten wir aber eine Kita im Schichtbetrieb anbieten", erklärt Escherich - und Öffnungszeiten von etwa 5.30 Uhr bis 22.30 Uhr abdecken. Diese wenig kinderfreundlichen Hol- und Bringzeiten passen nicht zur Unternehmensphilosophie. Dennoch unterstütze die Klinik Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie bietet bei Bedarf vergünstigte Plätze im Kissori-Kinderhaus sowie Sonderschichten für Pflegekräfte mit Kindern an.

Laboklin-Geschäftsführerin Elisabeth Müller bestätigt ihr Interesse an dem Thema betriebliche Kinderbetreuung. Das veterinärmedizinische Diagnostiklabor mit mehr als 530 Mitarbeitern ist auch darauf angewiesen, dass Menschen zum Arbeiten nach Bad Kissingen ziehen, um seinen Fachkräftebedarf zu decken.