Der Kissinger Sommer ist keineswegs so ortsfest, so auf den Regentenbau fixiert, wie man vielleicht meint. Er geht auch hinaus aus der Stadt, um im Ausland Werbung für das Festival zu machen. Natürlich sind es immer nur kleine Gruppen, die sich auf den Weg machen. "Wir waren jetzt vom 28. Januar bis 2. Februar mit sechs Künstlern in New York", sagte Intendantin Dr. Kari Kahl Wolfsjäger. "Das war nicht der Schlusspunkt, aber bestimmt der Höhepunkt.

Begonnen hat die Reisetätigkeit 2005, als der deutsche Botschafter in Peking zu Gast in Bad Kissingen war und das Festival erlebte. Daraus wird eine Einladung zu einem Konzert in der Botschaft in Peking. Die Stadt Bad Kissingen hat damals die Reisekosten übernommen, die Botschaft die Vor-Ort-Kosten.


Der Vulkan spuckte dazwischen

In den nächsten beiden Jahren folgten Wiedereinladungen nach Peking; dann wurde es erst einmal wieder ruhig. 2010 schickte die Münchner Staatskanzlei das Festival auf Goodwill-Tour wieder nach China. Acht Konzerte in vier Städten standen damals auf dem Tourplan. Der Pianist Igor Levit, die Geigerin Ekaterina Frolova, die Sopranistin Felizitas Fuchs und der Countertenor Matthias Rexroth waren mit von der Partie, die durchaus denkwürdig wurde. Wegen des Ausbruchs des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island war international der Flugverkehr ausgebremst. So konnte der erste Teil der Truppe nicht zurückreisen, und die beiden Pianisten Herbert Schuch und Semion Skigin konnten nicht nachkommen. So musste Igor Levit die Programme der beiden Kollegen in aller Eile einstudieren, damit die Konzerte nicht abgesagt werden mussten. Für ihn begann seine Karriere als Star, denn in der FAZ wurde seine künstlerisch-physische Leistung ganzseitig gewürdigt.

2012/ 13/ 14 übernahm der KlavierOlymp die Botschafterrolle, 2014 war aber auch der Kissinger Sommer wieder on tour in Marseille, Prag und im National Center of Performing Art in Peking. Und es standen Ausflüge nach Luzern, Liechtenstein und Dresden auf dem Programm, 2015 noch einmal Dresden.


Bei den Reichen und Schönen

Und jetzt eben New York. Das war nichts für ein breites Publikum, denn der Schauplatz war der durchaus elitär zu nennende Yachtclub an der 44. Straße - also allerbeste Gegend. Für die Künstler, die dabei waren, war es ein Erlebnis: der Tenor Sung Min Song, der Bassbariton Daniel Kotlinski, die Geigerin Mira Wang, der Cellist Jan Vogler und der Pianist (und KlavierOlympionike) Niu Niu. Dass die letzten drei in New York lebten, senkte natürlich die Kosten. Trotzdem sprang der Förderverein Kissinger Sommer ein, um die Reise nicht an den Finanzen scheitern zu lassen. Zwei Promoting Tours stehen vor dem Sommer noch an: nach Dresden und noch einmal nach China.

Übrigens: Der erste Auslandsauftritt des Kissinger Sommers war schon vor 20 Jahren. Damals hatte Kari Kahl-Wolfsjäger eine Einladung in das German Information Center nach New York bekommen, um ihr in den USA noch nicht so bekanntes Festival vorzustellen.

Was den Vorverkauf für den Kissinger Sommer 2016 betrifft, haben die Verantwortlichen Grund zu leuchtenden Augen: Die erste Million ist bereits überschritten, und das drei Wochen früher als im Vorjahr.


Hitliste mit einer Überraschung

Auf der Hitliste stehen - nicht überraschend - Lang Lang (25. 10.) und Cecilia Bartoli (20. 5.), die beiden Ecksteine des Programms. Es folgen das Moskauer Virtuosenkonzert mit Daniel Hope (1. 7.), die Bamberger Symphoniker mit Daniil Trifonov (20. 7.), das Australian Youth Orchestra mit Hélène Grimaud (21. 7.), das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit Piotr Anderszewski (2. 7.). Platz 7 geht überraschend an die Rosengala (die tut sich traditionell eigentlich schwer, 26. 6.), Platz 8 an die Petersburger Abschlussgala (23. 7.), Platz 9 an Mozart with Rhythm and Blues (22. 7.) und Platz 10 an das Virtuosenkonzert (9. 7.). Aber auch viele der "kleinen Konzerte" liegen bereits ausgezeichnet im Rennen.

"Bei den großen Konzerten nehmen wir das Geld ein, das wir für die Präsentation der jungen Künstler brauchen", sagte die Intendantin." Die klamme finanzielle Situation der Stadt hat sich auf die Kartenpreise - noch - nicht ausgewirkt. Und nicht nur deshalb, weil der Verkaufsprospekt lange vor den Haushaltsberatungen gedruckt und verteilt wurde. "Da hat es bis jetzt keine Vorgabe aus dem Stadtrat gegeben", sagte Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD). Und das sei auch richtig so: "Der Stadtrat kann nur fordern, das Budget einzuhalten."