Vier Tage lang sahen sich Kreisräte und Bürgermeister aus dem Landkreis Bad Kissingen in der Bundes-Hauptstadt um. "Berlin ist eine interessante Großstadt, man nimmt immer etwas Neues mit", zog Landrat Thomas Bold am Ende Bilanz. Neben den Besuchen in Bundestag und Ministerien lobt er die vielen fraktionsübergreifenden Gespräche: "Jeder Kreistag muss sich immer ein Stück weit finden", nennt Bold als einen wichtigen Aspekt der jährlichen Studienfahrt.
"Lockerer als erwartet" lautet die Bilanz von CSU-Kreisrat Helmut Blank nach seiner ersten Studienfahrt. "Wir hatten sehr gute Gespräche, auch fraktionsübergreifend", berichtet der Münnerstädter Bürgermeister. Die Fahrt sei für ihn wie ein kleiner Urlaub gewesen - und ein Geschenk zum 60. Geburtstag. Als Bürgermeister war er noch nie dienstlich in Berlin, allerdings sei er schon einmal mit dem Fahrrad von Münnerstadt bis Berlin geradelt.


Auch für Verwaltung wichtig

"Der Kontakt mit den Bürgermeistern und Kreisräten ist wichtig", sagt Regierungsdirektor Manfred Gerlach. Der Jurist betreut seit mittlerweile 30 Jahren die Sitzungen des Kreistages: "Unabhängig vom Beratungsthema ist immer ein Justitiar mit dabei, bei speziellen Themen kommen dann die jeweiligen Abteilungsleiter dazu." Deshalb fuhr er auch bei fast allen der 26 Kreistagsfahrten mit: "Nur in Schweden, Brüssel und bei der ersten Fahrt nach Berlin war ich nicht dabei."

Als "wahres Wunder" bezeichnet der ehemalige Wildfleckener Bürgermeister Walter Gutmann die deutsche Einheit. Wie viele andere lernte er noch die DDR und Ost-Berlin kennen. "Ich war damals richtiggehend wütend über die Schikanen bei den Grenz-Kontrollen", berichtet er. Deshalb würde er sich in Berlin auch noch mehr Erinnerungspunkte wünschen, die das Gedenken an die deutsche Teilung wach halten. Aber auch an den vorhandenen Gedenkstätten erfuhren die Kreisräte und Bürgermeister viel über die Geschichte.
"Es war eine spannende und interessante Fahrt, die auch noch Spaß gemacht hat", fasst Organisator Steffen Höffler seine Eindrücke zusammen, und: "Das Wetter hat mich auch nicht im Stich gelassen." Trotz des Arbeitsaufwandes habe er einige Punkte des Programms selbst genießen können. Am meisten beeindruckt waren viele Teilnehmer von der Debatte im Bundestag, insbesondere der Rede von Arbeitsministerien Andrea Nahles. "Ich war schon bei mehreren Plenarsitzungen, aber noch nie bei einer Haushaltsberatung", sagte Landrat Thomas Bold. Kreisrat Roland Limpert fand die Diskussion über die Angleichung der Ost-Renten interessant: "Aber das wird vermutlich noch ein paar Jahre dauern."
"Es ist als Unternehmer schön, mal zu hören, dass die Abgeordneten das Ohr nah am Volk haben", fühlte Kreisrat Edgar Thomas seine Belange in der Debatte vertreten. "Was hier entschieden wird, müssen wir zum Teil ausbaden", stellte der Kreisrat und Fuchsstädter Bürgermeister Peter Hart einen direkten Bezug zu seinem Alltag her. Aber auch Kritik gab es: "Der ständige Wechsel unten im Saal hat mich gestört", wunderte sich Kreisrätin Irmgard Heinrich über das Kommen und Gehen bei den Abgeordneten.