Am Sonntagabend fielen im Max-Littmann-Saal die Würfel: Sieger des 18. Kissinger KlavierOlymps ist der 25-jährige Russe Sergey Tanin. Das gab der künstlerische Leiter Dr. Tilman Schlömp am Ende des Finalkonzerts den Besuchern mit: "Sergey Tanin überzeugte die Jury mit seiner individuellen strukturbewussten Interpretation bei Brahms und Beethoven." Yoav Levanon (16) aus Israel wurde der 2. Preis zuerkannt. Die Jury beeindruckten sein jugendlicher virtuoser Schwung und seine überraschende Gestaltungskraft. Der 3. Preis ging an den 22-jährigen Ziyu Liu aus China. Seine technische Souveränität und seine geradezu orchestralen Klangfarben bei Ravels "La Valse" waren für die Jury entscheidend. Urkunden gingen auch an Nathalia Milstein aus Frankreich, Isata Kanneh-Mason aus Großbritannien und an den Spanier Martin García García.

Dass sich die Jury für Sergey Tanin entschied, dürfte die Besucher im lückenhaft besetzten, aber ausverkauften Max-Littmann-Saal nicht überrascht haben: Der junge Russe bekam auch den Publikumspreis - ein Ergebnis, das in der Geschichte des KlavierOlymps immerhin schon sechs Mal vorgekommen ist. Sergey Tanin war übrigens auch der Olympionike, der in diesem Jahr im Jack-Steinberger-Gymnasium am Freitag das traditionelle Konzert für interessierte Schüler gegeben hat.

Vom Publikumszuspruch her hätte der 18. KlavierOlymp ein neuer Rekord-Olymp werden können, wenn nicht Corona... Der Verkaufsrekord von 1100 Tickets im letzten Jahr konnte mit 1057 Karten nicht ganz erreicht werden. Hätte das Abschlusskonzert wie in der Vergangenheit im Rossini-Saal stattfinden können - der ist zurzeit nur für 60 Personen zugelassen - hätten rund 200 Karten mehr verkauft werden können - denn das Abschlusskonzert war in den letzten Jahren immer ausverkauft. Der Max-Littmann-Saal war auch "rappelvoll", aber nur mit 200 genehmigten Besuchern. Der positive Aspekt der 60er-Begrenzung: Alle sechs Einzelkonzerte mussten in den Max-Littmann-Saal verlegt werden, weil das Platzangebot im Rossini-Saal in allen Fällen zu gering war: Es gab - und das gab es noch nie - kein einziges Recital mit weniger als 100 Besuchern.

Auch sonst war vieles anders bei diesem 18. KlavierOlymp, nicht nur beim Einlass und im Saal. So gab es erstmals, abgesehen vom Abschlusskonzert, zwar eine Pause in jedem Konzert, aber keine Bewirtung. Auch die Blumen für die jungen Pianistinnen und Pianisten waren abgeschafft, um unnötige Kontakte zu vermeiden. Ihre Pralinen lagen bei ihrem Abtreten auf einem Tisch am Bühnenrand bereit (niemand hat sie vergessen). Sogar auf die Überreichung der Urkunden am Schluss musste verzichtet werden. Auch sie lagen "zur Abholung" nach der Bekanntgabe der Gewinner auf einem Tisch bereit. Dass bei Corona Vorsicht keine Grenzen kennen darf, merkte man auch beim Abschlusskonzert daran, dass nach jedem der 20-minütigen Auftritte der Teilnehmer die Tastatur des Flügels und der Klavierstuhl von einer Mitarbeiterin mit einem großen Tuch desinfiziert wurden.

Nicht anders als sonst: Nicht alle spielten an diesem Abend noch einmal einen Ausschnitt aus ihrem Solorecital-Programm. Sergey Tanin und Martin García García hatten zusätzliche Werke von Rameau und Rachmaninow vorbereitet.

Wer die sechs jungen Musiker jetzt wegen Corona oder aus anderen Gründen verpassen musste, hat zu einer Begegnung mehrere Gelegenheiten: Das Finalkonzert des KlavierOlymps wurde vom Bayerischen Rundfunk mitgeschnitten und wird am 17. Oktober um 15.05 Uhr in der Sendung "On stage" auf BR-Klassik ausgestrahlt. Und im nächsten Kissinger Sommer kommen alle sechs wieder.