Es ist eine Partnerschaft, die sich über Jahrzehnte bewährt hatte. Die Kommunen konnten damit kalkulieren, dass bei Um- und Neubauten der Kindergärten unter katholischer Trägerschaft mindestens 20 Prozent der Kosten von der Diözese getragen wurden. Den Rest leisteten Gemeinde und Freistaat. Nun verabschiedet sich die Kirche aus diesem Modell. Hauptgrund ist das Geld.

"Die schwierige finanzielle Situation sowie der massive Rückgang der Kirchensteuermittel machen es mittlerweile unmöglich, solche Ressourcen für das Gebäudemanagement zur Verfügung zu stellen", heißt es in einer Stellungnahme aus Würzburg.

Die Betriebsträgerschaft soll aber, so der Wunsch der Diözese, weiterhin bei den Kirchenstiftungen, den Vereinen oder den Caritasverbänden liegen. Den Einfluss auf die pädagogische Ausrichtung möchte die Kirche nicht aufgeben.

54 von 73 Kindertagesstätten im Landkreis sind direkt oder indirekt unter einer Trägerschaft der katholischen Kirche. Träger sind entweder die örtlichen Kirchenstiftungen selbst oder kirchliche Vereine. Der Caritasverband ist die Dachorganisation, die Einrichtungen begleitet, beispielsweise bei der Lohnabrechnung. Hingewiesen wird von Seiten der Diözese, dass die Kirche in den letzten fünf Jahren einen nicht unerheblichen Anteil am Ausbau der Kindergarteninfrastruktur geleistet habe. 30 Millionen Euro seien in diesem Zeitraum in Baumaßnahmen für katholische Kindertageseinrichtungen in Unterfranken geflossen.

Die Zahlen zeigen, wie einschneidend dieser Schritt ist. Künftig müssen die Kommunen alleine die Baulast schultern. Lediglich Projekte, die bereits geplant sind und für die es eine Finanzierungszusage gibt, werden noch mitfinanziert. Solche Rückstellungen seien bis zum Jahr 2027 gebildet, heißt es in einem Schreiben der Diözese.

Verbunden mit der Abgabe der Baulast ist in den nächsten Jahren eine Klärung der Eigentumsfrage. Denn in den meisten Fällen sind die Gebäude ja im Eigentum der Kirchenstiftungen. Diese müsse mit den Kommunen geklärt werden, so die Diözese auf Anfrage. Hierbei erhielten die Betroffenen Unterstützung durch die Diözesanverwaltung. Das Gebäudemanagement erfordere heute ein hohes Maß an Professionalität. Die neuen Strukturen seien eine Entlastung für die ehrenamtlichen Verantwortlichen der Kita-Träger.

Im Landkreis ist die überwiegende Zahl an Kommunen betroffen. Denn in fast jeder Stadt und in fast jedem Dorf gibt es Kindergärten unter katholischer Trägerschaft. Nimmt man an, ein Kindergartenneubau kostet drei Millionen Euro, tut sich künftig eine Finanzierungslücke von rund 600 000 Euro auf, die eine Kommune zusätzlich stemmen muss.

Vor allem Flächengemeinden, die eine kleinteilige Infrastruktur in der Kinderbetreuung aufrecht erhalten wollen, trifft dies. Im Markt Burkardroth gibt es sieben Kindertagesstätten, alle sind sie unter kirchlicher Trägerschaft. Und in einigen stehen in naher Zukunft umfangreiche Investitionen an. In Burkardroth hat sich der Marktgemeinderat bereits seit längerem auf diese neue Situation eingestellt, erklärt Bürgermeister Daniel Wehner auf Anfrage. Man wusste, dass etwas auf die Gemeinde zukommt. Das Geld fehle bei künftigen Investitionen schon, gibt Daniel Wehner zu bedenken. Obgleich er natürlich den Ausstieg der Kirche aus dem Bauunterhalt bedauert, kann er den Schritt nachvollziehen. Denn Kinderbetreuung ist eine kommunale Pflichtaufgabe. Ziel sei es trotz der neuen Situation, alle sieben Kindergärten im Gemeindegebiet zu halten, betont Daniel Wehner ausdrücklich.

Der Kommune würde in Finanzierungsfragen ein wichtiger Partner verloren gehen, so der Pressesprecher der Stadt Bad Kissingen, Thomas Hack. In der Großen Kreisstadt ist man gespannt, wie es weitergeht. In Münnerstadt spricht Bürgermeister Michael Kastl von einer schweren Belastung für seine in der Haushaltskonsolidierung befindlichen Gemeinde, wenn die Unterstützung der Kirche ausbleibt. Alle vier Kindergärten der Stadt sind unter kirchlicher Trägerschaft. Das Geld, dass zusätzlich für die Kinderbetreuung aufgebracht werden muss, fehle für andere Projekte. Derzeit gibt es Planungen für die Sanierung des Kindergartens Großwenkheim.

Der Ausstieg aus der Immobilienträgerschaft ist die eine Seite, die Betriebsträgerschaft die andere. Den Einfluss auf ihre Kitas will die Kirche nicht aufgeben. So heißt es in einer Stellungnahme wörtlich: "Wichtig ist der Diözese und ihrer Caritas: `Wir bleiben mit unserer Fachkompetenz bei den Kindern und Familien und begleiten sie bei der Erziehung, Bildung und Betreuung der Kindertageseinrichtungen´". Auf Anfrage dieser Zeitung heißt es weiter, es gebe ein eindeutiges Ja zu Kindertageseinrichtungen im Bistum Würzburg. Dies sei ein Zeichen gegenüber den Familien und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Einrichtungen. Man werde weiterhin dazu beitragen, dass Kinder in der Erzihung gtefördert und deren Familien unterstützt werden.

Im Klartext bedeutet das, dass man in Würzburg auf die Arbeit der existierenden Träger - Kirchenstiftungen und örtliche Kindergartenvereine - setzt. Das unterstreicht der Bad Kissinger Pfarrer Gerd Greier: "Die Arbeit mit den Kindern wollen wir in guter Weise weiter begleiten." In der Stadt Bad Kissingen sind ebenfalls mehrere Kindertagesstätten unter katholischer Trägerschaft. Er und der Kissinger Diakon Christoph Glaser gehen nicht davon aus, dass die Entscheidung der Diözese gleichzeitig den Rückzug aus der Kinderbetreuung bedeutet. Es sei wichtig, dass in den Einrichtungen die christlichen Werte vermittelt werden.

Für christliche Werte

Die pädagogische Ausrichtung nach der christlichen Ethik ist für den scheidenden Vorsitzenden des Kreiscaritasverbandes, Emil Müller (Burkardroth), ebenfalls wichtig. Aus finanzieller Sicht versteht er die Entscheidung der Diözese. Müller sagt aber trotzdem: "Ich bedaure das schon". Ihm erscheint wichtig, dass die Kirche - nicht nur aus ethischen Gesichtspunkten - weiterhin mit im Boot ist. Von den Ehrenamtlichen in den Trägervereinen würden Arbeiten unentgeltlich geleistet, die ein kommunaler Träger zahlen muss. . "Wir brauchen die Kirche", sagt Daniel Wehner und meint damit die Angebote der Caritas ebenso wie das Engagement der Trägervereine. "Was die Ehrenamtlichen leisten, ist Wahnsinn." Wehner hofft deshalb darauf, dass es möglichst lange diese kirchlichen Trägerschaften gibt. Ohne diese müsste die Kommune neue Mitarbeiter einstellen. In einem solchen Fall würden sicher die Elternbeiträge für die Betreuung steigen.

Allerdings ist die Frage, wie lange das Ehrenamt noch funktioniert. Jochen Zehe aus Premich ist seit zehn Jahren Vorsitzender des Kindergartenvereins in seinem Dorf und erklärt, dass die Vorstandsarbeit in einem Kindergarten aufwendig ist. Das seien richtige Unternehmen, auch wenn die Unterstützung über die Caritas gewährleistet sei. Jochen Zehe hält es deshalb für denkbar, dass langfristig die Kommunen die Gesamtverantwortung für Kitas übernehmen werden. Es hänge ganz davon ab, ob sich künftig Eltern finden, die diese Arbeit in den Trägervereinen ehrenamtlich weiterführen werden. Sein Wunsch ist es, denn er sieht viele Vorteile darin. "Man möchte, dass es weitergeht", sagt er. Den Abschied der Kirche aus der Baulast sieht Jochen Zehe aktuell dagegen eher gelassen. "Wir haben dann nur noch einen Ansprechpartner".

In Münnerstadt gibt es erste Überlegungen für die Zukunft. "Wir arbeiten an intelligenten Trägerschaftsmodellen", sagt Bürgermeister Michael Kastl. In Münnerstadt zeichnet sich gerade ab, dass sich der Augustinerorden mittelfristig aus der Hortarbeit zurückziehen wird. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob und wie die Stadt Aufgaben übernehmen wird, die derzeit noch alleine in den Händen der kirchlichen Träger liegen.