Die Lauer ist noch kein Naturparadies. Die Idylle täuscht darüber hinweg, dass die Qualität des Gewässers nur die Note befriedigend erreicht. Das Wasserwirtschaftsamt arbeitet daran, dass sich das ändert. Nächster Schritt: Der ökologische Ausbau des begradigten Lauerbetts nördlich von Münnerstadt.

Das Wasserwirtschaftsamt will damit Fehler der Vergangenheit bereinigen.
Was man vor 40 Jahren nicht wusste: Die Verlegung des Baches in ein geradliniges, eingefasstes Bett samt Bau eines Dammes war vielleicht die Lösung des Münnerstädter Hochwasserproblemes, schädigte aber auf Dauer die Wasserfauna. Kleinstlebewesen und Fische haben in der Lauer einen schweren Stand. Deshalb reicht es bei den regelmäßigen Wasseruntersuchungen nicht für die Note 2.

Zu wenig Struktur

Das müsse geändert werden, erläutert Martin Rottenberger vom Wasserwirtschaftsamt in Bad Kissingen. Im Zuge der Hochwasserfreilegung wurde der Altarm der Lauer belassen - er schlängelt sich immer noch durch die Wiese und ist heute ein Zwischenwasser. Das neue Bachbett verläuft dagegen fast kerzengerade in Richtung Burglauer. "Das Wasser läuft zu schnell ab", erklärt Rottenberger Das Bachbett habe zu wenig Struktur. "Wir haben noch keinen guten Zustand des Gewässers erreicht". Dahin will die Wasserwirtchaft aber kommen.

Im Zuge des geplanten ökologischen Ausbaus ist nun geplant, der Lauer mehr Struktur zu geben. Fünf Flachwasserzonen, die in die Wiese hineingebaut werden, sollen das Bachbett auflockern. Die Steinbefestigungen am Ufer, im Zuge der Hochwasserfreilegung einst eingebracht, kommen jetzt wieder heraus.Verlegt wird im Zuge der Maßnahme der uferbegleitende Weg. Er rückt künftig näher an die landwirtschaftlichen Grundstücke heran, damit die flachen Uferzonen gebildet werden können. Die Lauer soll wieder natürlicher werden, ohne dass das Bachbett verlegt wird. Punktuell werden Buhnen eingebaut oder Steine, damit die Lauer auch unterschiedlich schnell fließt.

400 Meter Ausbaustrecke

Martin Rottenberger geht davon aus, dass die Bauarbeiten frühestens im Herbst 2013 beginnen. Der Herbst sei die ideale Zeit für solche Arbeiten. Bereits im Winterhalbjahr wurden erste Vorarbeiten geleistet. Dort, wo es nötig war, hatte das Wasserwirtschaftsamt Bäume fällen lassen. Rund 109 000 Euro soll der Ausbau kosten. Die Strecke ist ungefähr 400 Meter lang.

Ob heute nochmals im Zuge einer Hochwasserfreilegung ein begradigtes Lauerbett geschaffen würde, ist fraglich. Doch der Münnerstädter Hochwasserschutz allgemein funktioniert gut, bestätigt Martin Rottenberger auf Anfrage. Es gebe jährlich eine Begehung von Wasserwirtschafts und und Stadt, wo die entsprechenden Unterhaltungsmaßnahmen festgelegt würden. Die Stadt trägt in diesem Fall die Unterhaltspflicht.

In den letzten beiden Jahren habe man den Bewuchs entlang der Dämme etwas zurückgenommen, denn Wurzelwerk könne den Bauten schaden. Aber insgesamt sei die Sicherheit absolut gewährleistet. "Wir sind froh, dass wir auf lange Sicht einen stabilen Deich haben". Der Deich sei auch deshalb in einem so guten Zustand, weil sich das Hochwasser in Münnerstadt nicht sehr lange halte und schnell abfließe. Dadurch würde der Deich nicht durchweicht. Martin Rottenberger ist sich sicher: "Da kommt in nächster Zeit nichts auf die Stadt zu".

Der Vorsitzende des Münnerstädter Sportfischerclubs, Rudi Slama, hält wenig vom geplanten ökologischen Ausbau der Lauer auf dem Teilstück in der Unteren Au. Seiner Meinung nach ist das die falsche Stelle. Das habe er dem Wasserwirtschaftsamt schon vor einem Jahr mitgeteilt. In die Pläne habe er kürzlich Einsicht gehabt. "Ich sehe die Notwendigkeit ganz woanders", meint Rudi Slama.

Genau dort, wo das Wasserwirtschaft seine Baumaßnahme beendet, müsste sie nach Meinung des Sportfischers eigentlich erst beginnen. Ab Höhe der Firma Remog bis auf Höhe der Münnerstädter Kläranlage sei die Lauer praktisch tot. Hier sieht Slama dringenden Handlungsbedarf. Dort habe sich in den vergangenen Jahrzehnten jede Menge Faulschlamm angesammelt. Der müsse raus, betont Slama. In diesem Bereich gleiche die Lauer mehr oder weniger einem stehenden Gewässer. Zudem sei der Bewuchs sehr dicht; es fällt viel Laub ins Wasser. Dieses Laub werde nicht mehr abtransportiert, sondern sinke zu Boden. So wird der Faulschlamm immer mehr. "Es stinkt", meint Slama.

"Der Schlamm ist noch da"

Am Wasserwirtschaftsamt habe man ihm gesagt, es müsse wieder einmal ein Hochwasser kommen, damit alles weggeschwemmt wird. "Das hatten wir heuer, der Schlamm ist immer noch da", klagt Slama. Er glaubt, dass auch die angedachte Baumaßnahme in der Unteren Au die Situation nicht verbessern wird und somit auch ihr Ziel verfehlt.
Angeln sei auf diesem Stück nicht mehr möglich. "Da bleibt doch kein Fisch", sagt Slama und holt eine Schaufel voller Schlamm und modriger Blätter als Ufer. Der Sportfischerclub will künftig darauf verzichten, hier Fische einzusetzen.
Rudi Slama betont, er habe beim Wasserwirtschaftsamt darum gebeten, diesen Faulschlamm auszubaggern, damit sich die Fließgeschwindigkeit wieder erhöht und Fische dort lebenkönnen. Dies sei aus Kostengründen abgelehnt worden.