Der Münnerstädter Klosterbezirk des Augustinerordens dominiert die nordwestliche Altstadt. Seit langem kursieren Gerüchte, dass der Orden Teile seiner Liegenschaften veräußern möchte. Konkret ist dies schon geschehen im Novizengarten. Aber auch die Carl-von-Heß´sche-Sozialstiftung in Hammelburg bestätigt auf Anfrage dieser Zeitung Gesprächsverhandlungen mit dem Orden. Konkret soll es dabei vor allem um das betreute Wohnen in St.
Michael gehen.

Wie Stiftungs-Geschäftsführer Marco Schäfer erklärt, habe es erste Gespräche über den Verkauf von Teilen des Klosterkomplexes gegeben. Auch die Klosterkirche sei Teil dieser Verhandlungen, bestätigen sowohl die Vertreter der Heß´schen Stiftung, als auch der Pressesprecher des Landratsamtes Bad Kissingen, Stefan Seufert. Nicht Bestandteil der Gespräche ist dabei aber das Jugendhaus am Dicken Turm. Schäfer verweist darauf, dass man noch in Verhandlungen stehe und sich derzeit noch kein Ergebnis abzeichnet. Denn vor allem müsse geprüft sein, ob Kauf und künftiger Unterhalt des Betreuten Wohnens oder weiterer Teile des Klosterkomplexes dauerhaft wirtschaftlich zu finanzieren seien. Mehr könne er nicht sagen. "Wir versuchen, ein Ergebnis bis zum Jahresende zu erhalten", betont Marco Schäfer.

Äußerst zurückhaltend zeigt sich auf Anfrage Pater Alfons Tony, der Provinzial des Augustinerordens (Würzburg). Er bestätigte lediglich, dass nach neuen Wegen gesucht werde, wie die Zusammenarbeit zwischen Betreutem Wohnen und der Heß´schen Stiftung bzw. der Juliusspitalstiftung in Zukunft aussehe. "Die Präsenz der Augustiner bleibt, wie sie ist", so Pater Alfons, der erläutert, dass der Orden weiterhin seine zwei Konvente in Münnerstadt beibehalten werde und es beabsichtigt ist, St. Michael wieder um einen Bruder zu erweitern.

Orden hält sich bedeckt

Bei einer nochmaligen konkreten Nachfrage nach Verkaufsabsichten gibt es jedoch vom Provinzial wiederum keinerlei Bestätigung. Pater Alfons verweist auf Gespräche zwecks "neuer Formen für das Betreute Wohnen". Er bestätigt lediglich die Verkaufs-Verhandlungen zwischen Landkreis und dem Orden wegen eines Grundstücks für das neue BBZ.

Wolfgang Weiß von der Klosterschreinerei betreibt seinen Betrieb innerhalb der ehemaligen Klostermauern, ist Mieter und kennt die Gerüchte um die Verkaufsabsichten, möchte sich aber zum Thema nicht äußern. Er bleibt gelassen und meint, dass "ohnehin nicht alles so heiß gegessen wie gekocht wird". Ähnlich äußert sich auch Iris Bauer (Raumausstattung Bauer), deren Familie ebenfalls seit vielen Jahren innerhalb der ehemaligen Klostermauern Geschäftsräume angemietet hat.

Das Betreute Wohnen im Juliusspital-Altenheim gibt es seit rund zehn Jahren. Bereits damals hat der Augustinerorden nach Wegen gesucht, Leerstände im Kloster zu vermeiden und diese Lösung gefunden. Die Augustiner bauten einen Teil ihres Klosters in Wohnungen für das betreute Wohnen um. Betreiber der Einrichtung wurde das Juliusspital-Altenheim, das die Räumlichkeiten pachtete. Die Augustiner ihrerseits mieten seitdem Appartements im Betreuten Wohnen an, in denen Ordensleute des Ordens-Konvents "St. Michael" leben.

Seit 1. Januar 2013 ist die Carl-von-Heß´sche-Stiftung Hammelburg Betreiber des Juliusspital-Altenheimes und damit auch des Betreuten Wohnens in St. Michael. Die Eigentümer der Liegenschaften sind weiterhin der Augustinerorden (Betreutes Wohnen) und die Juliusspitalstiftung (Altenheim). Das Juliusspital selbst wird allerdings 2016 in das Eigentum der Carl-von Heß´schen Stiftung übergehen. Das ist vertraglich geregelt. Insofern ist auch das Betreute Wohnen für die Sozialstiftung mit Sitz in Hammelburg eine interessante Liegenschaft.